Rat und Stadtbezirksräte
Beschlussvorlage - 21-15052
Grunddaten
- Betreff:
-
Wetterschutz an der zukünftig barrierefreien Bushaltestelle am Altstadtmarkt / Grundsatzbeschluss zur Umsetzung einer Vorzugslösung
- Status:
- öffentlich (Vorlage freigegeben)
- Vorlageart:
- Beschlussvorlage
- Federführend:
- 0610 Stadtbild und Denkmalpflege
- Beteiligt:
- DEZERNAT III Stadtplanungs-, Verkehrs-, Tiefbau- und Baudezernat; 0600 Baureferat; 0100 Steuerungsdienst; 10 Fachbereich Zentrale Dienste; 66 Fachbereich Tiefbau und Verkehr; 20 Fachbereich Finanzen
- Verantwortlich:
- Leuer
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
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Erledigt
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Stadtbezirksrat im Stadtbezirk 131 Innenstadt
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Anhörung
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26.01.2021
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Erledigt
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Planungs- und Umweltausschuss
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Entscheidung
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27.01.2021
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Beschlussvorschlag
Beschluss:
Beschlussvorschlag A:
Die weitere Planung und die Umsetzung eines Wetterschutzes an den Bushaltestellen Altstadtmarkt wird entsprechend des Entwurfes des Architekturbüros K 17
(s. Anlagen 1 und 2) erfolgen. Es wird mit Gesamtkosten von 610.000 € gerechnet.
Alternativer Beschlussvorschlag B:
Im Bereich der Bushaltestellen Altstadtmarkt wird ein Wetterschutz gemäß dem Braunschweiger Standard (Typ Rathaus-Bohlweg s. Anlage 3) realisiert. Es wird mit Gesamtkosten von 330.000 € gerechnet.
Sachverhalt
Sachverhalt:
Beschlusskompetenz
Die Beschlusskompetenz des Planungs- und Umweltausschusses ergibt sich aus
§ 76 Abs. 3 S. 1 NKomVG i.V. m. § 6 Nr. 4 a, 4 g und 4 h der Hauptsatzung, denn es geht bei dem Umbau der Haltestelle um eine Umgestaltung von Platzflächen und die Anpassung von verkehrlichen Anlagen von überbezirklicher Bedeutung.
Anlass
Der Planungs- und Umweltausschuss hatte im Mai 2019 mit DS 19-10218 der Planung und dem Bau einer barrierefreien Bushaltestellen Altstadtmarkt mit Ausnahme des Wetterschutzes grundsätzlich zugestimmt. Die Planung eines dem besonderen Ort angepassten Wetterschutzes sollte in einem separaten Verfahren vorangetrieben werden. Nach dem o.g. Grundsatzbeschluss erfolgte im Nachgang durch die Bauverwaltung eine wettbewerbsähnliche Mehrfachbeauftragung einer Entwurfsstudie zur Ausgestaltung dieser Bushaltestelle mit einer Schwerpunktsetzung auf die Gestaltung von Wetterschutzeinrichtungen auf der Platzseite stadteinwärts und auf der nördlichen Platzseite stadtauswärts.
Der aus dem konkurrierenden wettbewerbsähnlichen Verfahren hervorgegangene Siegerentwurf des Architekturbüros K 17 (s. Anlagen 1 und 2) wurde in der Mitteilung DS 20-14727 den Gremien vorgestellt und anhand von Präsentationen im Stadtbezirksrat Innenstadt und im Planungs- und Umweltausschuss ausführlich erläutert. In der Folge wird deshalb auf eine erneute umfangreiche textliche Beschreibung des Entwurfs von K 17 verzichtet.
Aufgrund einer überwiegend kritischen Reaktion auf den Entwurf von K 17 und einer in Politik und Öffentlichkeit häufig zu hörenden Priorisierung einer Standardlösung hat sich die Verwaltung entschieden, beide Varianten (K 17 und Standard) in alternativen Beschlussvorschlägen zur Abstimmung zu bringen. Nachfolgend soll noch einmal in Kürze die jeweilige Lösung zu den Beschlussvorschlägen A und B vorgestellt und die jeweiligen Kritikpunkte benannt werden.
Beschlussvorschlag A
Bei einer Zustimmung zu dem Beschlussvorschlag A würde der Entwurf von K 17
(s. Anlagen 1 und 2) in der dargestellten Form weiter ausgeplant und in der Folge umgesetzt werden. Der Entwurf sieht insgesamt drei Dächer vor (zwei auf der Platz-Nordseite stadtauswärts und eines auf der Südseite der Haltestelle stadteinwärts). Dies korrespondiert mit den Fahrgastzahlen, die stadtauswärts deutlich höher liegen.
Entwurf von K17
Die drei Wetterschutzdächer sind in ein weiter gefasstes Gestaltungskonzept eingebunden.
Es werden jeweils langgestreckte Bänder auf beiden Seiten der Haltestelle vorgeschlagen, in denen Sitzbänke, Bäume und die drei Dächer als Wetterschutz gestalterisch integriert werden.
Die Bänder werden auf dem Boden durch ein andersfarbiges Natursteinmaterial, eingefasst mit einem Corten-Flachstahl, definiert. Die dreidimensional sich aus dem Band entwickelnden Dächer sollen ebenfalls aus Cortenstahl bestehen. Das Material Cortenstahl wurde vom Entwurfsverfasser gewählt, weil dieses Material z.B. durch die beiden Anbauten an die mittelalterlichen Kemenaten (Jakob-Kemenate und Kemenate an der Hagenbrücke) in Braunschweig bereits eingeführt und bewährt ist.
Die wesentlichen funktionalen Anforderungen an eine Bushaltestelle von zentraler Bedeutung sind erfüllt. Hier sind insbesondere die Aspekte Witterungsschutz, Sitz- und Informationsmöglichkeit zu nennen. Diese funktionalen Anforderungen sind in dem Entwurf von K 17 gestalterisch gut integriert.
Mehrkosten
Aufgrund der ganz individuellen und aufwendigen Ausarbeitung der Überdachungen entstehen deutliche Mehrkosten. Auf Grundlage der Kostenberechnung von K17 geht die Verwaltung derzeit von Mehrkosten von ca. 280.000 € für die Umsetzung dieses Entwurfes aus.
Finanzierung
Für die Umsetzung des Entwurfes des Architekturbüros K17 wird mit Gesamtkosten von 610.000 € gerechnet. Im Haushaltsplanentwurf 2021 / IP 2020-2024 sind für das Projekt „Altstadtmarkt / Umbau Haltestellen“ (4E.660016 /5E.660157) bereits Haushaltsmittel in Höhe von 330.000 € berücksichtigt worden. Zur Finanzierung der Mehrkosten in Höhe von 280.000 € werden im Rahmen der Ansatzveränderungen der Verwaltung zur Haushaltslesung 2021 entsprechende Haushaltsmittel beantragt.
Die Maßnahme barrierefreier Umbau der Haltestelle Altstadtmarkt wurde vom Fördergeber in das Mehrjahresprogramm 2020 aufgenommen. Eine Erweiterung des Förderantrages um die Mehrkosten für den Wetterschutz gemäß dem Entwurf von K 17 ist möglich, kann jedoch erst nach der Gremienentscheidung beantragt werden.
Kritik an dem Entwurf von K 17
Die öffentliche Kritik an dem Entwurf entzündete sich in erster Linie an seiner Materialität. Cortenstahl sei nicht grafittibeständig und könne z.B. auch auf die Kleidung von wartenden ÖPNV-Nutzer*innen abfärben.
Häufig gab es auch den Vorwurf „der Entwurf nehme sich selbst zu wichtig“ und störe das historische Ambiente auf dem Altstadtmarkt.
Weiter gab es den Vorwurf mangelnder Transparenz der Überdachungen von K 17 – gerade auch im Vergleich mit der Standardlösung - und außerdem wurden die hohen Kosten kritisiert.
Alternativer Beschlussvorschlag B
Bei einer Zustimmung zu Beschlussvorschlag B würden auf der nördlichen Platzseite zwei und auf der südlichen Haltestellenseite eine vierfeldrige Überdachung/en des im Stadtgebiet zahlreich vorhandenen Typus Rathaus/Bohlweg aufgestellt werden (s. Anlage 3). Die Lage der Überdachungen würde im Wesentlichen auch der Lage der Dächer im Entwurf von K17 entsprechen. Dieser Wetterschutz überzeugt aufgrund der transparenten Ausführung in Stahl und Glas.
In der Standard-Überdachung sind Sitz- und Informationsmöglichkeiten sowie eine Beleuchtung integriert. Digitale DFI-Anzeigen zur aktuellen Ankunft werden wie auch im Falle einer Umsetzung des Entwurfs K 17 zusätzlich separat auf beiden Seiten der Haltestelle aufgestellt.
Finanzierung
Dieser Wetterschutztypus ist ein Standardprodukt, daher würden die drei Überdachungen im Rahmen der zum Haushaltsplanentwurf 2021 / IP 2020-2024 für das Projekt „Altstadtmarkt / Umbau Haltestellen“ (4E.660016 /5E.660157) bereits aufgenommenen 330.000 EUR ohne eine intensivere Planung und ohne entsprechende Mehrkosten umzusetzen sein.
Kritik an der Standardlösung
Die Kritik an der Standardlösung wurde insbesondere im Gestaltungsbeirat geäußert, derart, dass ein solcher Standardwetterschutz isoliert und ohne Zusammenhang mit der wertvollen mittelalterlichen Platzfläche stehen würde.
Die Kritik an der Standardlösung entzündet sich in erster Linie daran, dass diese Standard-Überdachungen eben nicht - wie die Dächer im Entwurf von K 17 - in ein übergeordnetes Gestaltungskonzept auf dem Altstadtmarkt eingebunden sind. Diese Überdachungen stehen zufällig dort - wie überall im Stadtgebiet. Nur hier auf dem Altstadtmarkt und insbesondere auf der Südseite dem Marktbereich wird dies als besonders störend empfunden. Eine Überdachung auf dem südlichen Platzbereich wird ganz automatisch ein bauliches Element von ähnlicher Bedeutung wie der Marienbrunnen werden. Eine Standardüberdachung mit einem zufälligen Standort am Rande der Straßenführung kann diesem Anspruch nicht gerecht werden - so die Meinung der Kritiker*innen dieser Lösung.
Fazit
Aus Sicht der Verwaltung stellt der Entwurf des Büros K 17 auch nach Würdigung der vorgenannten öffentlichen Kritik eine wertige und auf den Altstadtmarkt „zugeschnittene“ gestalterische Lösung dar und ist zudem geeignet, die unterschiedlichen Anforderungen an einen Wetterschutz bzw. an Haltestellenfunktionen auf dem Altstadtmarkt zu erfüllen. Nach Vorstellung der Verwaltung wird dieser skulpturale Entwurf den Altstadtmarkt nicht beeinträchtigen, sondern mit einem wertvollen gestalterischen Element bereichern. Die dargestellten Mehrkosten sind angemessen und entsprechen einer hochwertigen individuellen Gestaltung. Cortenstahl ist im Übrigen - wie die Kritik dies nahelegt - kein minderwertiger Baustoff! Im Gegenteil, es gibt viele Beispiele für Cortenstahl z. B. als Material für Kunst im Stadtraum – also für besonders wertige und ungewöhnliche Objekte im Stadtraum.
Mit dem Beschlussvorschlag B stellt die Verwaltung als Alternative eine Lösung vor, die aufgrund der transparenten Ausführung deutlich weniger Aufmerksamkeit auf sich ziehen wird. Allerdings bleibt dieser Wetterschutz in der Qualität hinter seinem wertvollen historischen Umfeld zurück.
Auswirkungen auf den Marktbetrieb
Beide Varianten A und B haben durch einen neuen Wetterschutz auf der Marktseite des Platzes gleichermaßen geringe Auswirkungen auf den Marktbetrieb. Während der Baumaßnahmen wären in jedem Fall Ausweichlösungen nötig sein.
Anlagen
| Nr. | Name | Original | Status | Größe | |
|---|---|---|---|---|---|
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1
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(wie Dokument)
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3,2 MB
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2
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(wie Dokument)
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1,3 MB
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3
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(wie Dokument)
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604,6 kB
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