Rat und Stadtbezirksräte

ALLRIS - Vorlage

Antrag (öffentlich) - 20-14849

Reduzieren

Beratungsfolge

Reduzieren

Beschlussvorschlag


1. Die Verwaltung wird gebeten, dem Ausschuss für Kultur und Wissenschaft einen kurzen Überblick über Braunschweiger Denkmale* zu geben, die ihrer Meinung nach aus heutiger Sicht mit einer ergänzenden Erläuterung versehen werden könnten. Sollte die Verwaltung analog zu ihrer sehr guten Ergänzung des Kolonialdenkmals an der Jasperallee auch bei weiteren Denkmalen Ideen zu einer aktuellen Erläuterung entwicklen, möge sie diese ebenfalls dem Ausschuss vorstellen.   

2. Der von der Verwaltung geplante künstlerische Wettbewerb zum Kolonialdenkmal an der Jasperallee, unter Beteiligung von KünstlerInnen mit Migrationshintergrund und mit Bezug zu den ehemaligen deutschen Kolonien, bezieht auch den „Erinnerungsort historische Garnisonsstadt Braunschweig“ in der Lindenbergsiedlung mit ein.

 

Reduzieren

Sachverhalt

Sachverhalt:
Dieser Änderungsantrag ersetzt den bisherigen Änderungsantrag Ds. 20-14349.

Zu 1: In diesem Antrag geht es nicht um das Stürzen oder Entfernen von Denkmalen. Die Verwaltung wird nicht um eine umfassende historische Ausarbeitung, die Jahre dauern würde, sondern nur um eine kurze Einschätzung aus heutiger Sicht gebeten. 

*Hierbei möge sich die Verwaltung vorrangig an der Liste der gut 100 Denkmale und Standbilder der Stadt Braunschweig orientieren: https://www.wikiwand.com/de/Liste_der_Denkmale_und_Standbilder_der_Stadt_Braunschweig

Bei eventuell angedachten Erläuterungen weiterer Denkmale könnte sich die Stadt an ihrer vorbildlichen Ergänzung des Kolonialdenkmals an der Jasperallee orientieren.

"Wer fordert, dass Figuren der Geschichte aus ihrer Zeit heraus verstanden werden müssen, verkennt, dass Denkmäler immer nach den Maßstäben der jeweiligen Gegenwart beurteilt werden." Jürgen Zimmerer, Historiker und Professor für die Geschichte Afrikas an der Universität Hamburg.

Braunschweiger Zeitung, 07.09.2020
 

Zu 2: Am "Erinnerungsort historische Garnisonsstadt Braunschweig" in der Lindenbergsiedlung wird unter anderem der Schutztruppe Deutsch-Südwest gedacht. Einer von drei Bataillonskommandeuren, die den Völkermord an den Herero ausgeführt haben, war Ludwig von Estorff. Er war dann auch für ca. 1,5 Jahre Regimentskommandeur des Braunschweigischen Infanterieregiments 92.  

In seinen Lebenserinnerungen beschreibt von Estorff unter anderem den Völkermord an den Herero:

 

… „Die Herero flohen nun weiter vor uns in das Sandfeld. Immer wiederholte sich das schreckliche Schauspiel. Mit fieberhafter Eile hatten die Männer daran gearbeitet, Brunnen zu erschließen, aber das Wasser ward immer spärlicher, die Wasserstellen seltener. Sie flohen von einer zur anderen und verloren fast alles Vieh und sehr viele Menschen. Das Volk schrumpfte auf spärliche Reste zusammen, die allmählich in unsere Gewalt kamen, ...“ und:

… „Ich hatte die undankbare Aufgabe, den Flüchtlingen in das Sandfeld nachzustoßen und dann ihre Rückkehr zu verhindern. ….“

Ludwig von Estorff, Wanderungen und Kämpfe in Südwestafrika, Ostafrika und Südafrika (Hrsg. Christoph-Friedrich Kutscher). 2. Auf., Windhoek 1979.
 





 

 

Reduzieren

Anlagen

Loading...

Erläuterungen und Hinweise