Rat und Stadtbezirksräte

ALLRIS - Vorlage

Beschlussvorlage - 21-15538

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Beratungsfolge

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Beschlussvorschlag

Beschluss:

 

Die Überarbeitung des Wegesystems und Erneuerung des Spielplatzes wird, wie in der Begründung beschrieben und wie im Gestaltungsplan dargestellt, beschlossen.

 

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Sachverhalt

Sachverhalt:

 

Die Parkanlage des heutigen Viewegs Garten ist aus dem Gedankengut der Aufklärung ent­stan­denen, einer Epoche der geistigen und sozialen Reformbewegung.

Ursprünglich waren auf dem 11 ha großen ehemaligen Parkgrundstück landwirt­schaft­liche Felder und ein Hügel mit zwei Windmühlen vorhanden.

Der heutige Name „Viewegs Garten“ geht auf den Ver­lags­buchhändler Friedrich Vieweg (1761–1835) zurück.

Mit Beginn der räumlichen Ausdehnung der Kernstadt verschwanden in den da­rauf­folgenden Jahrzehnten größere Teile der ehemaligen Parkanlage. Der Bau des ehema­ligen Ost-Bahnhofs von 1871 ist die erste große städtebauliche Veränderung im Umfeld des Parks. Es folgte 1920 der Bau des Bebelhofes und ab 1960 die Nachkriegsbe­bau­ung mit der aus heutiger stadtplanerischer Sicht überdimen­sionierten Kurt-Schumacher-Straße vom Bahn­hof in Richtung Innen­stadt. Dabei ist die ehemalige Gründervilla der Familie Vieweg völlig verschwunden.

Im Jahr 2019 wurde ein zweistufiger Ideenwettbewerb zur Neuordnung des Bahnhofsquar­tiers ausgelobt, dessen Ergebnis unter anderem ist, dass zum Ring und zur Kurt-Schumacher-Straße der Park erweitert und an zwei Ecken durch Bebauung ergänzt wird.

Losgelöst vom Planungsprozess des vorgeschalteten zweiphasigen städtebau­lichen Einla­dungs­wettbewerbs hinsichtlich der Neugestaltung des Bahnhofsumfeldes ist seitens des Fach­bereiches Stadtgrün und Sport aufgrund des in Teilen desolaten und drin­gend erneuer­ungs­bedürftigen Zustandes des Freizeitwegesystems sowie des Kinderspiel­platzes bereits im Sommer 2019 die Erarbeitung eines umfassenden Sanierungskonzepts an ein Land­schafts­architekturbüro beauftragt worden.

Maßgeblich für die Beauftragung war die strukturelle Überarbeitung des abgängigen und in Teilen nur noch eingeschränkt verkehrssicheren Wegesystems unter Beachtung der garten­historischen Bezüge. Eine besondere Herausforderung dabei ist der Schutz des vorhande­nen in Teilen 100 - 150 Jahre alten Baumbestandes. Der in der Parkanlage gelegene Kin­der­spielplatz sollte dabei mit betrachtet werden, da er den heutigen Ansprüchen an qualita­tiv hochwertige Spiel- und Bewegungsräume nicht mehr gerecht wird und die Spielgeräte er­neuert werden müssen.

Die planerische Überarbeitung beschränkt sich aktuell auf das Wegesystem im zentralen Bereich der Parkanlage und die Spiel- und Bewegungsangebote als Ersatz für den zz. vorh. Spielplatz. In den südöstlichen und südwestlichen Randbereichen des Parks werden die We­ge soweit erforderlich wieder in einen verkehrssicheren Zustand versetzt. Da der Sieger­ent­wurf des städtebaulichen Wettbewerbs eine zweiseitige Eckbebauung von Viewegs Garten und eine Aufweitung der Randbereiche vorsieht, sollen die Übergangsbereiche in einem spä­te­ren Planungsschritt zusammen mit dem neuen Bahnhofsquartier geplant werden.

Im nördlichen Randbereich des Parks entlang der Ottmerstraße soll ein bestehender Weg um einige Meter westlich Richtung Kleine Campestraße verschoben werden. Dadurch wird eine bessere Anbindung des städtebaulichen Quartiers zwischen Löwenwall und Magni­friedhof erreicht.

Das vorhandene Wegesystem mit partiell historischem Ursprung wurde behutsam überplant. In diesem Zusammenhang ist angedacht, die Einfassungen der Wegebereiche zu überarbei­ten und zu erneuern und die Wegedecke in wassergebundener Bauweise wiederherzustel­len. Drei Wegekreuzungen werden zu „Kleinen Plätzen“ aufgeweitet.

Im Kern der Parkanlage wird das neue Spiel- und Bewegungsareal unter inklusiven Ge­sichts­punkten entwickelt und in die Parkstruktur integriert. Die Verlegung des alten Spiel­platzes von der Straße weg hin in die Parkmitte lässt ruhigere Spiel- und Begegnungsorte entstehen. Gespräche des Planers mit Nutzern des vorhandenen Spielplatzes haben den Ortswechsel in die Parkmitte bestätigt. Geplant wird der neue „Waldspielplatz“ für Eltern und Kinder, Tagesmütter mit Kleinkindergruppen sowie Kinder und andere Personen mit körper­lichen Einschränkungen wie Seh-, Gehör-, oder Gehbehinderung. Sie sollen sich inmitten des Parks treffen können. Mit Rücksicht auf die alten bestehenden Bäume des Parks und das Gesamtensemble „Viewegs Garten“ entsteht hier keine klassische Spielplatzarchitektur mit „klassischen Spielgeräten“, sondern ein dezentral angelegter Waldspiel-Erlebnis-Raum.

Abgerundet wird die Planung mit Ideen zur dezenten Illumination einiger besonders „charak­ter­starker“ Altbäume. Vier malerische Bäume werden abends stundenweise angestrahlt.

Nachtduft-Blütenpflanzen sollen hier zusätzlich Insekten anlocken. So entsteht ein Ort, an dem Anliegen des Naturschutzes und die Ansprache der menschlichen Sinne zusammengebracht werden. Diese Konzeptidee wurde bereits mit dem NABU abgestimmt.

Ein ähnliches Konzept hat der Fachbereich Stadtgrün und Sport bereits in anderen historischen Parkanlagen wie beispielsweise dem Museumpark umgesetzt.

Der Erhalt der den Park prägenden Bäume und die Versorgung mit Wasser soll ein weiterer Baustein in der Überarbeitung der Parkanlage sein. Der personelle Einsatz zum Bewässern ist schon jetzt beträchtlich und insbesondere in den heißen Sommerphasen wie in den vergangenen Jah­ren kaum ausreichend. Aus diesen Gründen ist eine Wasserzuleitung geplant. Im Park sel­ber sollen vier Zapfstellen entstehen, um mit Stativregnern in den trockenen Zeiten die alten Bäu­me dieser Parkanlage mit ausreichend Wasser zu versorgen. Dabei leistet die Bewäs­ser­ung neben dem Erhalt der Bäume auch einen Beitrag zur Verbesserung des Mikro­klimas an heißen Sommertagen.

Im Hinblick auf die Anbindung von Viewegs Garten an das räumlich neu zu ordnende Bahn­hofs­umfeld mit einer Reihe zusätzlicher Baukörper lässt die Planung alle Möglichkeiten offen.

Für die Sanierung der Parkanlage Viewegs Garten sind im Teilhaushalt des Fachbereiches Stadtgrün und Sport für die Überarbeitung der Infrastruktur 234.000 € veranschlagt. Zusätzlich stehen ca. 170.000 € für die Entwicklung des neuen Spiel- und Bewegungsangebots im Zuge der Auflösung des abgängigen Spielplatzes am nördlichen Rand der Parkanlage an der Ottmerstraße zur Verfügung zur Verfügung.

Die Richard-Borek-Stiftung hat signalisiert, die Sanierungsmaßnahmen mit einem Betrag in Höhe von 25.000 € im Zusammenhang mit dem Abschluss einer 5. Vereinbarung (Förderung natur- und grünflächenbezogener Projekte) zu fördern.

 

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Anlagen

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