Rat und Stadtbezirksräte
Anfrage (öffentlich) - 21-15607
Grunddaten
- Betreff:
-
Erarbeitung eines gesamtstädtischen Freizeitwegenetzes
- Status:
- öffentlich (Vorlage freigegeben)
- Vorlageart:
- Anfrage (öffentlich)
- Federführend:
- 0100 Steuerungsdienst
- Verantwortlich:
- Fraktion Bündnis 90 - DIE GRÜNEN im Rat der Stadt
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
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●
Erledigt
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Grünflächenausschuss
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zur Beantwortung
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23.04.2021
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Sachverhalt
Sachverhalt:
Nach dem Bericht der ikps zur Erarbeitung des Masterplans Sport 2030 „Sport und Bewegung in Braunschweig - Grundlagen zur kommunalen Sportentwicklungsplanung“ (DS 13551/14) ist das Radfahren die beliebteste Bewegungsaktivität der Braunschweiger*innen. Mehr als die Hälfte aller Befragten (56 %) gaben an, das Rad in der Freizeit, zur Bewegung und für sportliche Aktivitäten zu nutzen. Erst auf den Plätzen zwei und drei folgen mit deutlichem Abstand die Bewegungsaktivitäten Laufen/Joggen und Baden/Schwimmen mit jeweils 31 %. Darauf aufbauend, fordert der Masterplan Sport, die Wege in öffentlichen Parks und Grünanlagen auch für Radfahrer*innen zu ertüchtigen, ggf. mit Beleuchtung auszustatten, besonders attraktive Routen auszuweisen und zu beschildern (DS 16-0210).
Daneben findet sich im ISEK die Maßnahme „Erstellung eines gesamtstädtischen Freizeitwegekonzeptes“, die wie folgt beschrieben wird: „Grundlage für die naturverträgliche, landschaftsbezogene Erholung ist die Erschließung der Erholungsräume mit einem Wegenetz, das sich wahlweise an Fußgängerinnen und Fußgänger und/oder Radfahrende richtet. Es ermöglicht Rundwege und Strecken unterschiedlicher Länge und Beschaffenheit und hat idealerweise vielfältige Anbindungen an die Wohnquartiere. So wird der Start zu Fuß oder mit dem Fahrrad von der Haustür weg ermöglicht, also ohne vorherige Anfahrt mit dem Pkw. Auch beim Wegeangebot in der freien Landschaft sind die Belange des Natur- und Gewässerschutzes zu beachten und in der Wegeführung zu berücksichtigen. Hier geht es um eine angemessene Balance zwischen dem Naturerleben der Menschen und dem Schutz der Natur mit den für die Tier- und Pflanzenwelt erforderlichen Ruhe- und Rückzugsräumen. Ein erster Schritt ist daher ein gesamtstädtisches Freizeitwegekonzept. Es nimmt die vorhandenen Wegebeziehungen auf, analysiert sie und zeigt, wo und wie das Wegenetz ergänzt oder im Einzelfall auch rückgebaut werden sollte. Einzelne teilräumliche oder thematische Wegekonzepte sind dabei besonders bedeutsam, etwa die Konzepte Schunterniederung, Südliche Okeraue, Ringgleis, Oker-Wanderweg oder Kleine-Dörfer-Weg.
Schließlich enthält das Tourismuskonzept der Stadt Braunschweig zahlreiche Hinweise auf die Bedeutung des Radfahrens andrerer aktiver Bewegungsarten für die Attraktivität der Stadt, die in der Maßnahme „2.4. Aktivtouristisches Wegenetz weiterentwickeln und fertigstellen“ gebündelt werden. Diese Maßnahme ist im Tourismuskonzept mit einer sehr hohen Priorität hinterlegt.
Der Sachstandbericht zum ISEK aus dem Jahr 2020 gibt den aktuellen Stand wie folgt wieder: „Aktuell werden weitere Grundlagen für ein Freizeitwegekonzept im Rahmen anderer Fachplanungen erarbeitet (bspw. Freiraumentwicklungskonzept, Optimierung des Ringgleisverlaufes, Planung des Kleine-Dörfer-Weg) . Auf diesen Grundlagen soll in den nächsten Jahren ein entsprechendes gesamtstädtisches Freizeitwegenetz erarbeitet werden. Dadurch zusätzlich entstehende Kosten können zzt. noch nicht beziffert werden.“
Weitere Schnittstellen und mögliche Synergieeffekte bieten sich darüber hinaus z.B. zum Ziele- und Maßnahmenkatalog "Radverkehr in Braunschweig" (DS 20-13342), da viele Radfahrer*innen auf ihren täglichen Wegen zwischen dem Alltagsnetz und dem Freizeitwegenetz wechseln. Dies wird zum Beispiel durch die Ergebnisse der Befragung, die im Rahmen der Erstellung des Freiraumentwicklungskonzepts durchgeführt wurde, gestützt. Hier heißt es, dass die Wege in den öffentlichen Parks und Grünflächen den Nutzer*innen zu 71,2 % zur "Durchquerung auf Alltagswegen" dienen (DS 20-14927). Dies verdeutlicht auch, dass die Entwicklung eines Freizeitwegekonzeptes in enger Abstimmung zwischen dem Fachbereich 66 Tiefbau und Verkehr und dem Referat 0617 Stadtgrün-Planung und Bau erfolgen sollte.
Zum oben erwähnten Kleine-Dörfer-Weg teilte die Verwaltung zuletzt im Sommer 2020 mit, dass die weiteren Schritte coronabedingt „auf unbestimmte Zeit vertragt werden“ mussten (DS 20-13648). Erste Beschlüsse zur Umsetzung des Kleine-Dörfer-Weges stammen bereits aus dem Jahr 2015 (DS 15-01052). Die Fertigstellung lässt also seit bereits 6 Jahren auf sich warten. Positiv zu werten ist hier, dass nach unserer Information die Arbeit am Kleine-Dörfer-Weg in der damals eingerichteten Arbeitsgruppe bald wieder aufgenommen werden soll.
Während die Bedeutung eines gesamtstädtischen Freizeitwegenetzes durch viele Beschlüsse, Konzepte und Untersuchungen (Masterplan Sport, ISEK, Tourismuskonzept, Freiraumentwicklungskonzept) hinreichend belegt ist, hakt es im Moment aus unserer Sicht insgesamt noch bei der konkreten Umsetzung.
Vor diesem Hintergrund bitten wir um die Beantwortung der folgenden Fragen:
1. Lässt sich der im ISEK-Sachstandsbericht genannte zeitliche und finanzielle Rahmen zur Erstellung eines Freizeitwegekonzeptes mittlerweile konkretisieren?
2. Welche konkreten nächsten Schritte plant die Verwaltung aktuell zur Erstellung eines gesamtstädtischen Freizeitwegenetzes?
3. Wie ließe sich der Prozess der Erstellung eines gesamtstädtischen Freizeitwegenetzes aus Sich der Verwaltung beschleunigen (z.B. durch externe Vergabe oder Ausweitung der personellen Ressourcen)?
