Rat und Stadtbezirksräte
Stellungnahme - 21-15748-01
Grunddaten
- Betreff:
-
Schutz vor Dürreschäden
- Status:
- öffentlich (Vorlage freigegeben)
- Vorlageart:
- Stellungnahme
- Federführend:
- 67 Fachbereich Stadtgrün und Sport
- Verantwortlich:
- Herlitschke
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
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●
Erledigt
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Grünflächenausschuss
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zur Kenntnis
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23.04.2021
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Sachverhalt
Sachverhalt:
Zur Anfrage der CDU Fraktion vom 09.04.2021 (21-15750) wird wie folgt Stellung genommen:
Zu Frage 1:
In der Unterhaltungslast des Fachbereichs Stadtgrün und Sport befinden sich rund
1.200.000 Quadratmeter Strauchpflanzungen. Diese Vegetationsbestände werden im Rahmen der Unterhaltungspflege in der Regel nicht mehr gewässert, da ggf. die Ausfälle einzelner Pflanzen durch die vegetative Expansion räumlich benachbarter Pflanzen kompensiert werden. Eine Bewässerung von Bestandswiesen und Landschaftsrasen ist aus Sicht der Verwaltung nicht notwendig, da die natürlichen Niederschlagsmengen derzeit für eine naturnahe natürliche Entwicklung als ausreichend angesehen werden können.
Dementsprechend fokussiert sich der Schutz vor Schäden durch länger anhaltende Trockenzeiten in Verbindung mit hohen Temperaturen auf den städtischen Baumbestand und insbesondere auf den sogenannten Jungbaumbestand, dessen Wurzeln in dieser Entwicklungsphase noch nicht tief genug reichen, um den Baum weitgehend selbstständig mit Wasser versorgen zu können.
Um einem möglichst angepassten, resilienten Stadtbaumbestand aufzubauen, der im Gegensatz zu vielen bisher verwendeten Arten, besser an die prognostizierten Klimabedingungen inklusive länger anhaltenden Trockenzeiten angepasst sind, greift die Verwaltung bei Neu- und Nachpflanzungen u.a. auf sogenannte Klimabäume zurück.
Diese Klimabäume sollen unter städtischen Standortortbedingungen den Anforderungen des Klimawandels standhalten, möglichst alt werden, sich durch eine höhere Stresstoleranz und damit auch einer höheren Vitalität und einer längeren Belaubung auszeichnen.
Die Auswahl der Baumarten erfolgt weitestgehend auf Grundlage der Ergebnisse des Projektes „Stadtgrün 2021“ der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau (LWG), der GALK-Straßenbaumliste und der Datenbank zur Gehölzauswahl der technischen Universität Dresden. Diese Empfehlungen haben gemein, dass sie auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren, die sich mit der Problematik der gängigen Stadtbaumarten beschäftigen die unter den zunehmend wärmeren und trockeneren Sommern sowie unter neu eingewanderten Schädlingen und Erkrankungen leiden.
Zum Schutz vor Sonnennekrosen wird bei einigen Baumarten mit glatter Rinde bei Neupflanzungen ein sogenannter Weißanstrich am Stamm verwendet.
Im Anschluss an die Pflanzung werden die Jungbäume u. a. zum Schutz vor Trockenschäden im Rahmen der sogenannten Fertigstellungs- und Entwicklungspflege über einen Zeitraum von rund vier Jahren gewässert.
Darüber hinaus muss aufgrund der immer häufiger auftretenden Trockenphasen insbesondere eine Vielzahl von Stadtbäumen zur Sicherstellung des funktionsfähigen Zustands auch im Anschluss an die Entwicklungspflege im Rahmen der Unterhaltungspflege weiterhin über einen Zeitraum von zwei bis drei Jahren gewässert werden. Die Bäume werden dabei zwischen 12- bis 25-mal im Jahr mit bis zu mehreren hundert Litern Wasser je Wässerungsgang versorgt. An zentralen Lagen werden auch einige wenige Altbaumbestände Braunschweigs gewässert, sofern die Größe der Baumscheibe und die Bodenverhältnisse dies zulassen. Im Jahr 2020 wurden durch die städtischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie zusätzliche Fremddienstleiter rund 3 700 Bäume regelmäßig gewässert. Da insbesondere im Altbaumbestand der vorhandene anstehende Boden einen sehr hohen Verdichtungsgrad aufweist, ist ein Eindringen des Wassers in den Boden und das Erreichen der tieferliegenden Wurzeln über das normale Wässern über die Baumscheibe aber auch über einen eingebauten Gießring häufig nicht möglich, sodass eine Bewässerung über einen sogenannten Bewässerungssack durchgeführt wird. Der Bewässerungssack fasst 100 Liter Wasser, welches in kleinen Mengen über einen Zeitraum von ca. 12 bis 24 Stunden, je nach vorhandenem Boden, abgegeben wird.
Insbesondere in sehr trockenen Jahren können diese Säcke zu einer zusätzlichen Bewässerung beitragen.
Zu Frage 2:
Die Bewässerung der Vegetationsbestände erfolgt derzeit mit Trinkwasser, welches in Braunschweig in ausreichender Menge zur Verfügung steht. Um eine ressourcenschonende Bewässerung zu realisieren, gibt es verwaltungsseitig erste Überlegungen, ob im Rahmen von Straßenkomplettsanierungen (inklusive einer Neuordnung der Entwässerungsanlagen und Baumstandorten) eine nachhaltigere Nutzung von Niederschlagswasser zur Baumbewässerung technisch und finanziell umgesetzt werden kann.
Technische Bewässerungsanlagen nachträglich in bestehenden Baumbeständen ab Reifephase zu errichten ist sehr aufwändig und kostenintensiv. Darüber hinaus wären Beschädigungen an Baumwurzeln zu erwarten, die sich nachhaltig negativ auf die Vitalität auswirken.
Darüber hinaus werden gemeinsam mit universitären Einrichtungen Überlegungen angestellt, bspw. durch den Einsatz smarter Technik wie Feuchtesensoren langfristig zu weiteren Optimierungen im Bewässerungsmanagement zu gelangen.
Zu Frage 3:
Eine der wesentlichsten Kernaufgaben des Fachbereichs Stadtgrün und Sport besteht in der Pflege, dem Erhalt und der Erneuerung des städtischen Grünbestandes. Insofern werden abgestorbene bzw. abgängige und im Zuge von Straßensanierungsarbeiten entfernte Bäume in aller Regel im Rahmen laufender Unterhaltungsmaßnahmen ersetzt, sofern dies fachlich sinnvoll und möglich ist. Die Ersatzpflanzung erfolgt unter Beachtung des in den meisten Fällen vorhandenen gestalterischen bzw. freiraumplanerischen Konzeptes. Haushaltsmittel für diese Maßnahmen stehen im Teilhaushalt des Fachbereichs Stadtgrün und Sport fortlaufend und in ausreichender Höhe zur Verfügung. Dies bezieht sich nicht auf den Baumbestand (über 1 000 Bäume), die in den Hitzesommern 2019 und 2020 abgestorben sind.
