Rat und Stadtbezirksräte

ALLRIS - Vorlage

Stellungnahme - 21-16335-01

Reduzieren

Beratungsfolge

Reduzieren

Sachverhalt

Sachverhalt:

 

Zur Anfrage der CDU-Fraktion vom 11.06.2021 (21-16335) wird wie folgt Stellung genommen:

 

Zu Frage 1:

Eine vollständige Bestandsaufnahme der Obstbaumbestände in der Stadt Braunschweig hat bislang nicht stattgefunden.

Im Baumkataster des Fachbereichs Stadtgrün und Sport, das nur einen Teil der Obstbaum­bestände wiederspiegelt, sind insgesamt 1 050 Obstbäume erfasst. Eine Vielzahl dieser Bäume befindet sich an Schulen und Kitas sowie als Einzel­ume an Wegen in Park- und Grünanlage sowie als Obstbaumreihen an Straßen. Die Stand­orte verteilen sich über das gesamte Stadtgebiet zumeist außerhalb der Kernstadt in den eher ländlich geprägten Stadt­bezirken. Die Erfassung im Baumkataster beschränkte sich auf sicherheitsrelevante Aspekte. Die Bestandsdaten beschränken sich auf den Standort, die Vitalität, die Lebensphase und die Gattung des Baums. Die jeweiligen Sorten sind in der Regel nicht bekannt.

Ein Teil der Obstbaumbestände wurde nach der Aufgabe der primären Nutzung, wie z. B. nach der Auflösung des Kleingartenvereins am Pippelweg und ehemaliger Gärten am Jute­weg oder Biberweg in die öffentlichen Grün- und Parkanlagen übernommen. Auch im Zuge der Planung von Freiflächen im Bereich neuer Baugebiete wurden Obstbaumbestände in die Freiflächenplanung integriert. Darüber hinaus befinden sich vielfach Einzelbäume und kleine­re Bestände im sonstigen Bereich von Park- und Grünanlagen, die nicht im Baum­ka­tas­ter erfasst sind.

Erste erfasste zusammenhängende Obstbaumbestände sind in der folgenden Tabelle dargestellt. Die Erfassung hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern basiert auf Meldungen oder im Rahmen von Planungen übernommene Bestände, ohne eingehendere Kartierung von Gattung, Art und Sorte sowie des Alters.

Es handelt sich hierbei überwiegend um jüngere Obstbaumbestände mit einem Alter von rd. 15 - 20 Jahren. Alte Obstbäume mit einem Alter von 50 Jahren und älter sind nur vereinzelt innerhalb der o. g. Bestände anzutreffen.

 

Nr.

Standort

Anzahl
Bäume

1

Lamme, Hohkamp

50

2

Thune, Osterholzweg

30

3

Bienrode, GS Claudiusstraße

15

4

Hondelage, Tiefe Straße

70

5

Hondelage, In den Heistern

15

6

Vossenkamp (Univiertel)

100

7

Schapen, Schapenstraße

40

8

Weddel, Alter Stadtweg NSG

25

9

Riddagshausen, Legdenanger

70

10

Volkmarode, Kieffeld

20

11

Rüningen, Leiferder Weg

30

12

Leiferde, Zorgestraße

20

13

Broitzem,  Helene-Künne-Allee

52

14

Ölper, Biberweg (Parallel Oker)

35

15

Westl. Ringgebiet, Pippelweg

25

 

 

Gesamtzahl der Bäume

597

 

Die Erfassung und Kartierung privater Obstwiesen erfolgt nicht.

 

Zu Frage 2:

Die Obstbäume in den Grünanlagen, Kindertagesstätten und Schulen sowie an Straßen und Wegen werden im Rahmen der Baumschau regelmäßig auf ihre Verkehrssicherheit hin überprüft. Entsprechende Pflegemaßnahmen zur Aufrechterhaltung der Verkehrssicherheit werden anlassbedingt durchgeführt. Eine systematische Pflege, die über die Verkehrs­sicherung hinausgeht, hat bislang nicht stattgefunden.

Durch das Projekt „rderung der biologischen Vielfalt in der Stadt Braunschweig“ sind die städtischen Obstbaumbestände stärker in den Fokus der Grünflächenpflege gerückt. Seit 2020 gibt es Planungen, die fachgerechte Pflege und Unterhaltung der Obstwiesen als dauerhafte Pflegetätigkeit zu verstetigen. In Kooperation mit pomologischen Vereinen sollen ortsbezogen nachhaltige Konzepte zum dauerhaften Erhalt der städtischen Obstbaum­be­stän­de erarbeitet werden. Dies beinhaltet auch die Bestimmung der Bäume nach Gattung, Art und Sorte.

An den Standorten Leiferde-Zorgestraße, Broitzem-Helene-nne-Allee und ningen-Leiferder Straße wurde mit ersten Versuchen zur Erarbeitung eines Konzeptes begonnen. Im Zuge dessen hat sich herausgestellt, dass die überwiegende Anzahl der Bäume eines grundlegenden Verjüngungsschnittes bedürfen, der je nach Zustand der Bäume mindestens über zwei Jahre durchgeführt werden muss. Darüber hinaus sind auf Dauer angelegte regelmäßige Erhaltungs­schnitte in einem Intervall von zwei Jahren erforderlich. Für diese regelmäßig widerkehrenden Pflegemaßnahmen sind Kosten in Höhe von 25,- € pro Baum und Jahr zu erwarten.

Nach derzeitigem Erkenntnistand ist nicht jeder Obstbaum als erhaltenswert einzustufen. Oftmals wurden die Bäume zu eng gepflanzt oder zu nah an sich stärker entwickelnde Bäume gesetzt. Oder in der Planung wurde schlicht ein falscher Standort gewählt. An diesen Stellen sind selektive Eingriffe erforderlich, um zukunftsfähige Obstbäume zu erhalten. Der entwicklungsfähige Obstbaumbestand wird auf etwa 1 500 Bäume geschätzt.

r eine nachhaltige Entwicklung dieses Obstbaumbestandes werden Kosten in Höhe von jährlich ca. 40.000,- € erwartet.

 

Zu Frage 3:

Im Rahmen des Projektes „rderung der biologischen Vielfalt in der Stadt Braunschweig“ sind Maßnahmen zur Biodiversität, des Biotopverbundes, des Artenschutzes im urbanen Raum sowie Gestaltungsmaßnahmen unter ökologischen Gesichtspunkten geplant. Das gesamte Projekt wird aus Mitteln des Landes Niedersachsen sowie aus EFRE-Mitteln (Europäischer Fond für regionale Entwicklung) - Programmgebiet SER (Stärker entwickelte Regionen) mit 80 % gefördert. Im Rahmen dieses Förderprojektes werden bis zum Jahresende 2021 an mehreren Standorten auf einer Fläche von insgesamt rd. 5 ha weitere 270 Obstbäume alter Sorten gepflanzt. Weitere Programme zur Förderung von Streuobstwiesen werden zurzeit nicht in Anspruch genommen.

Im Rahmen der städtischen Bauleitplanung werden regelmäßig im Zuge der Festsetzung von Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen weitere Obstwiesen geplant und umgesetzt. Aufgrund der aktuellen Entwicklung in der Bauleitplanung wird bis 2025 unter Einbeziehung des o. g. Förderprogramms von weiteren rd. 500 neu gepflanzten umen ausgegangen. Entsprechend werden weitere Kosten für die dauerhafte Unterhaltung dieser Bestände in Höhe von 12.500,- € erwartet.

Die bisher erworbenen Kenntnisse über den Aufwand einer systematischen Erfassung und nachhaltigen Pflege der Streuobstwiesen von der Erschließung von Fördermöglichkeiten über die Erarbeitung standortbezogener Konzepte bis zur Durchführung konkreter und anschließend dauerhafter Pflegemaßnahmen unter Einbeziehung der Planung und Realisierung weiterer begleitender biodiversitätssteigender Maßnahmen lassen erkennen, dass dies mit den vorhandenen finanziellen und personellen Ressourcen nicht durchführbar ist.

Loading...

Erläuterungen und Hinweise