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Sachverhalt

Sachverhalt:

 

Allgemeine Entwicklung

 

Seit 2007 haben Bund, Land, Forschungseinrichtungen, Unternehmen und die Stadt Braunschweig fast 300 Millionen Euro am Forschungsflughafen Braunschweig investiert, um eine Infrastruktur zu schaffen, die es in Europa kein zweites Mal gibt. Die Förderung des Landes Niedersachsen zum Ausbau des Avionik-Clusters, die Ausweisung von rund 30 Hektar Gewerbefläche durch die Stadt Braunschweig sowie die Dichte renommierter, eng vernetzter und verkehrsträgerübergreifend agierender Wissenschaftsinstitutionen wie das Niedersächsische Forschungszentrum Fahrzeugtechnik (NFF), das Niedersächsische Forschungszentrum für Luftfahrt (NFL) und das Deutsche Institut für Luft- und Raumfahrt (DLR) haben entscheidend zur positiven Entwicklung des Mobilitätsclusters beigetragen.

Zusammen stellen sie geradezu ein Paradebeispiel für interdisziplinäre, übergreifende Mobilitätsforschung dar, das zahlreiche Synergie-Effekte ermöglicht. Das Cluster Forschungsflughafen bietet dazu eine Test- und Simulationsumgebung für die verschiedensten Bereiche der Mobilität und der Energie. Auch der Bereich Leichtbau ist am Standort stark gewachsen, wie auch der der IT-Branche, die wichtige Schnittstellen für die zukünftigen Entwicklungen darstellen.

 

Am Forschungsflughafen befinden sich zudem das Luftfahrt-Bundesamt als Zulassungsbehörde und die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung sowie weitere Einrichtungen und über 40 Unternehmen aus den Bereichen Luft- und Raumfahrt sowie Flughafen- und Verkehrstechnik, vom Start Up bis zum Weltmarktführer. Unternehmen wie Simtec oder Aerodata, ausgegründet aus der TU Braunschweig, sind mittlerweile Weltmarktführer bei Flugvermessungs- und Simulationssystemen. Die Forschung am Flughafen dreht sich um alles, was die Fortbewegung auf der Straße, der Schiene und in der Luft effizienter macht. Das Leistungsspektrum reicht von der Grundlagenforschung bis zu anwendungsnahen Technologieentwicklungen und -erprobungen.

 

In den Jahren 2004 bis 2021 hat sich die Zahl der Beschäftigten am Forschungsflughafen von rund 1.600 auf mehr als 3.400 mehr als verdoppelt.

 

Seit 2017 wird die Entwicklung des Clusters durch die Vorhaben weiterer privater Investoren positiv beeinflusst. Die Volksbank BraWo Projekt GmbH realisierte mit Unterstützung der Forschungsflughafen Braunschweig GmbH und der Braunschweig Zukunft GmbH auf einem Grundstück direkt am Lilienthalplatz als gemeinsames Projekt das Lilienthalhaus, ein zentrales Besucher- und Dienstleistungszentrum für Luft-, Raumfahrt und Mobilität. Es bietet Dienstleistern, Ingenieurbüros und wissenschaftlichen Einrichtungen die Möglichkeit, im Zentrum des Forschungs- und Technologiestandorts tätig zu werden. Das Lilienthalhaus bietet auch die Möglichkeit für Tagungen und Events mit bis zu 400 Teilnehmern.

 

Als ergänzende Infrastruktur am Forschungsflughafen wurde zudem ein Parkhaus mit 653 Stellplätzen eröffnet, das in Teilen auch als Forschungsparkhaus genutzt wird. Außerdem erfolgte die Umgestaltung des Lilienthalplatzes um die Attraktivität dieses Bereiches zu erhöhen.

 

Die Volksbank BraWo Projekt GmbH arbeitet derzeit bereits an den Planungen des Lilienthalhauses II und III und will das Areal am Forschungsflughafen perspektivisch zum Lilienthal-Quartier weiterentwickeln. Der Baubeginn für das Lilienthalhaus II ist noch Ende 2021 geplant.

 

Aufgrund dieser hohen Dichte an Unternehmen und Forschungseinrichtungen stellt der Forschungsflughafen mit seinem Mobilitätscluster bereits heute eine ideale Ausgangsbasis für weitere Entwicklungen dar.

 

Die Flächenentwicklung und Vorhaltung als Sondergebiet für Unternehmen und Einrichtungen aus dem Bereich der Mobilität (Luft-, Rumfahrt und Verkehrstechnik) und die damit verbundene zielgerichtete Entwicklungsmöglichkeit für Unternehmen,  Forschungseinrichtungen und Bundesbehörden bietet auch langfristig Erweiterungs- und Wachstumsmöglichkeiten.

 

Neben diesen besonderen Standortvorteilen befindet sich im Mobilitätscluster Forschungsflughafen auch einer der beiden Verkehrsflughäfen in Niedersachsen. In Bezug auf weitere Entwicklungen und die Erreichbarkeit ergeben sich hier hervorragende Möglichkeiten für Partner, Beschäftigte, Fachforen, Ausstellungen usw.

 

Forschungsflughafen und Lilienthalquartier wurden bereits in der Vergangenheit auf der Expo Real präsentiert. In diesem Jahr werden auch die Planungen für Flächen der Flughafen Braunschweig-Wolfsburg GmbH vorgestellt.

 

Standortentwicklung Flughafen Braunschweig-Wolfsburg: Allgemeines und Expo Real

 

Die Flughafen Braunschweig-Wolfsburg GmbH (FBW) hat das Ziel, Betriebskostenzuschüsse in den kommenden Jahren substanziell zu reduzieren. Flugbezogene Entgelte können mittelfristig aufgrund der vorherrschenden Nutzung (d.h. im Wesentlichen Forschungsflüge, Allgemeine Luftfahrt und Werkflüge) nur gering gesteigert werden. Als zusätzliches Geschäftsfeld sollen daher die Flächen der Flughafen Braunschweig-Wolfsburg GmbH als Immobilienstandort angepasst und weiterentwickelt werden.

 

Vor diesem Hintergrund wird sich die FBW vom 11.-13.10.2021 bei der Immobilienmesse Expo Real auf dem Gemeinschaftsstand der Metropolregion Hannover Braunschweig Göttingen Wolfsburg GmbH (Standfläche der Stadt Braunschweig) mit einem Imagefilm, einer projektbezogenen Broschüre und persönlichen Ansprechpartnern präsentieren. Mit der Messepräsenz sollen grundsätzliche Interessenten für Flächen gewonnen werden.

Um dem zunehmenden Flächenbedarf im Bereich der Luftfahrt- und Mobilitätsentwicklung Raum zu geben, wurden auf den FBW-Flächen mögliche zukünftige stadträumliche Veränderungsmöglichkeiten untersucht. Hierbei soll eine wirtschaftlich dynamische und städtebaulich robuste Infrastruktur mit Wachstumspotenzialen im Bereich des Flughafens und übergeordnet des Technologieclusters "Forschungsflughafen" entwickelt werden. Die bestehende Ausgangslage direkt an der Autobahn 2 (Berlin-Hannover) "Abfahrt Braunschweig Flughafen" bildet einen Teil des "Schaufensters der Stadt" Braunschweig und bietet mit dem Forschungsflughafen infrastrukturell eine exzellente Anbindung, die diesem Wachstum gerecht werden muss.

 

Standortentwicklung Flughafen Braunschweig-Wolfsburg: Statusbericht zur städtebaulichen Struktur

 

Der heutige Gebäudebestand des Forschungsstandortes ist in der Zeit des 20. und 21. Jahrhunderts entstanden und zeigt ein breites Bild an städtebaulichen Typologien, die über die Hermann-Blenk Straße sowie den Lilienthal Platz am historischen Hauptgebäude des Flughafens miteinander verbunden sind. Um den begrenzten Flächen eine entwicklungsfähige Grundstruktur zu geben, wurde eine erste Skizze zur städtebaulichen Struktur entworfen, die sowohl die bestehenden stadträumlichen Gegebenheiten als auch neuen zukunftweisenden urbanen Strukturen und Ideen Raum zur Entwicklung bieten kann.

 

Die städtebauliche Skizze sieht vor, die bestehenden Gebäudetypologien aufzugreifen, zu interpretieren und als Cluster in typologische Bereiche zu transformieren. Es soll ein heterogener städtischer Raum entstehen, der zu ausdrucksstarken (Quartiers)-Inseln entwickelt werden könnte. Diese stehen über ein neues sekundäres freiraumplanerisches Wegenetz miteinander in Verbindung, dass neue Möglichkeiten eines mobilitätsaffinen Reallabors sowie der Interaktion anbietet. Neue grüne Wegeverbindungen sollen den heutigen monostrukturellen Stadtraum mit einem landschaftsplanerischen Konzept erweitern, flankiert durch differenzierte Mobilitätsangebote. Eine symbiotische Beziehung aus Alt und Neu wird aktiviert und neue Räume des Austausches geschaffen. Den ansässigen Stakeholdern aus den Bereichen Hochtechnologie, Forschung, Studium, Dienstleistung und Wirtschaft wird Raum zur synergetischen Entfaltung angeboten, ebenso wie neu ansiedelnden Unternehmen.

 

Unter Berücksichtigung des Integrierten Stadtentwicklungskonzept Braunschweig 2030 (ISEK 2030) sowie Gesprächen mit wesentlichen Stakeholdern des Forschungsflughafens wurde ein zukunftsfähiges, urbanes Nutzungskonzept mit dem Schwerpunkt auf Bürostrukturen, Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen, Laboren und Produktionsflächen im Bereich der Mobilitätsforschung erarbeitet. Dieses soll mit Nutzungen des täglichen Bedarfes, Sport- und Gesundheitseinrichtungen, Edutainment sowie gastronomischen Angeboten erweitert werden. Ein wesentlicher Aspekt liegt bei der stadträumlichen Transformation auf der Attraktivierung des Standortes in ein urbanes Hochtechnologie-Umfeld mit Aufenthaltsqualitäten.

 

Die Bauverwaltung ist in das Projekt eingebunden und begleitet die Weiterentwicklung der Skizze zu einem tragfähigen städtebaulichen Konzept hoher Qualität.

 

Fazit und Ausblick

 

Die skizzierte städtebauliche Vision bietet hierzu einen Rahmen, die bestehende Stadtstruktur in einen robusten, urbanen und dynamischen Forschungs- und Zukunftsraum zu transformieren und dabei neue stadträumliche und landschaftsplanerische Synergien aus Bestandsgebäuden und neuen Bauprojekten aufzubauen und am Standort gemeinsam weiter zu wachsen.

 

Nach Überführung der Skizze in ein abgestimmtes städtebauliches Entwicklungskonzept werden die Verwaltung und die Flughafen GmbH gemeinsam über die weiteren Planungen berichten.

 

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