Rat und Stadtbezirksräte

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Sachverhalt

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Seit 2006 werden von der Stadt Braunschweig und ihrem Projektpartner, der Bürgerstiftung Braunschweig, Tafeln in einer einheitlichen Gestaltung an oder vor früheren Wohnhäusern bedeutender Braunschweiger angebracht bzw. aufgestellt. Die Tafeln werden von der Bürgerstiftung finanziert, wenn es keine anderen privaten Stifter gibt.

 

Im gesamten Stadtgebiet werden mit dieser Gestaltung bedeutende Persönlichkeiten wieder in das Bewusstsein der Bevölkerung und auswärtiger Gäste gerückt. Dabei handelt es sich ausschließlich um verstorbene Personen, die entweder in Braunschweig geboren sind oder aber ihren Lebensmittelpunkt hier gesehen haben und mit ihrem Schaffen in unterschiedlichen Gebieten nachhaltig zur Gestaltung der Stadt und ihrer Entwicklung beigetragen haben.

 

Bis zum Dezember 2019 konnten 57 Tafeln realisiert werden, zuletzt die Tafel für Franz Abt am Fallerslebener-Tor-Wall 3. Im Jahr 2020 wurden pandemiebedingt keine Tafeln aufgestellt.

 

Bis zum Ende des Jahres 2021 sollen folgende Persönlichkeitstafeln realisiert werden:

 

Bernhard Meyersfeld:

Vor dem Hintergrund des 180. Geburtstages im Jahr 2021 soll für Bernhard Meyersfeld eine Persönlichkeitstafel am Eulenspiegelbrunnen an der Adresse ckerklint 11 aufgestellt werden.

 

Biografische Information zu Bernhard Meyersfeld (gleich Tafeltext):

 

Bernhard Meyersfeld

geb. 14. August 1841          gest. 2. Oktober 1920

 

Die Eltern von Bernhard Meyersfeld, der Einbecker Kaufmann David Meyersfeld und seine Frau Julie, lebten schon kurz nach der Geburt des Sohnes getrennt voneinander. Bernhard, in Einbeck geboren, wuchs bei der Mutter auf, die ihm nach ihrem Tod 1869 ein ansehnliches Vermögen vererbte.

Der Vater betrieb in Einbeck eine Seifen- und Kerzenfabrik und seit 1861 auch ein kleines Bankhaus. Nach dem Tod seiner Ehefrau zog er mit seinem erwachsenen Sohn nach Braunschweig, wo beide das Bankhaus D. Meyersfeld gründeten, das anfangs im Stechinelli-Haus am Altstadtmarkt 8 ansässig war. Ab 1877 empfing es seine Kunden in der Villa Amsberg am Friedrich-Wilhelm-Platz 3. Nach dem Tode seines Vaters 1885 führte Bernhard Meyersfeld die Bankgeschäfte weiter.

1872 hatte Bernhard Meyersfeld Adele Stern geheiratet, mit der er die beiden Söhne Berthold und Paul bekam. In der jüdischen Gemeinde, deren Vorsteher er von 1898 bis zu seinem Tod war, gehörte er zu den wohlhabendsten Mitgliedern.

Am 2. Oktober 1920 starb Bernhard Meyersfeld in Braunschweig, sein Grab befindet sich auf dem Jüdischen Friedhof an der Helmstedter Straße. Der Sohn Berthold übernahm nach dem Tod des Vaters die Führung des Bankhauses. Im Zuge der Weltwirtschaftskrise musste er 1931 seine Bank schließen. Bertholds Frau Cécile-Berche, geborene Rau, eröffnete daraufhin in der Villa Amsberg ein Café, das bald zu einem beliebten Treffpunkt der Braunschweiger Bevölkerung wurde. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten emigrierte die Familie 1933 über Frankreich nach Südafrika.

 

Der Eulenspiegelbrunnen am Bäckerklint wird immer mit dem Namen des Bankiers Bernhard Meyersfeld verbunden bleiben. Bernhard Meyersfeld machte sich als Wohltäter und Mäzen in Wissenschaft und Kunst einen Namen, Nachrufe würdigten seine Warmherzigkeit und Menschlichkeit. Auch seiner Geburtsstadt Einbeck spendete Bernhard Meyersfeld größere Geldsummen.

r Braunschweig von dauerhafter Bedeutung ist das Engagement von Bernhard Meyersfeld für den Eulenspiegelbrunnen. 1905 stieß die Präsentation eines Eulenspiegel gewidmeten Brunnenentwurfs des Wolfenbütteler Künstlers Arnold Kramer auf große Zustimmung und weckte den Wunsch, den Brunnen für die Stadt zu erwerben. Zur Freude des daraufhin gegründeten Brunnenausschusses übernahm Bernhard Meyersfeld die Kosten für die Aufstellung des Kunstwerks. Als Ort wurde der Platz in unmittelbarer Nähe der sogenannten, heute nicht mehr existierenden Eulenspiegelbäckerei gewählt, in der Till Eulenspiegel der Legende nach Eulen und Meerkatzen gebacken hatte. Bereits im Herbst 1906 konnte der Brunnen enthüllt werden, schon bald wurde er zu einem Wahrzeichen Braunschweigs und war besonders bei den Kindern zum Spielen beliebt.

Der Brunnen überstand den Bombenangriff am 15. Oktober 1944 unbeschadet, während mehr als 90 % der von mittelalterlichen Fachwerkhäusern geprägten Innenstadt zerstört wurden. So wurde die Figur des lächelnden Eulenspiegel inmitten eines Trümmermeers zum Symbol der Hoffnung für die Braunschweigerinnen und Braunschweiger.

Eine von den Nationalsozialisten bereits 1930 entfernte Inschrift zur Erinnerung an den jüdischen Stifter des Brunnens befindet sich seit einer Renovierung 1950 wieder auf der Rückseite des Brunnens.

 

 

Lette Valeska, eigentlich Valeska Heymann, geb. Heinemann:

r Lette Valeska soll eine Persönlichkeitstafel an der Adresse Am Petritorwall 2 aufgestellt werden. Die Aufstellung der Tafel war bereits für das Jahr 2020 vorgesehen und wird pandemiebedingt in diesem Jahr nachgeholt.

 

Biografische Information zu Lette Valeska (gleich Tafeltext):

 

Lette Valeska, eigentlich Valeska Heymann, geb. Heinemann

geb. 20. August 1885         gest. 8. Januar 1985

 

In diesem heute nach Kriegsschäden durch Überbauung ersetzten Haus am Petritorwall 2 lebte die Fotografin, Malerin und Bildhauerin Lette Valeska einige Jahre, bevor sie Braunschweig nach ihrer Hochzeit 1920 verließ.

Lette Valeska war die einzige Tochter des jüdischen Kaufmanns Berthold Heinemann und dessen Frau Fanny; das Paar hatte noch drei Söhne. Im Alter von zwölf Jahren begann sie zu fotografieren, erhielt jedoch keine künstlerische Ausbildung. 1920 heiratete Lette Valeska den Unternehmer Ernst Heymann und zog zu ihm nach Frankfurt am Main. 1932 ging das Paar mit der gemeinsamen Tochter von Frankfurt nach Paris, Heymann wollte dort eine Filiale seines Unternehmens für chemisch-pharmazeutische Produkte eröffnen. Die geplante Rückkehr nach Deutschland wurde 1937 jedoch von antisemitischen Firmenangestellten verhindert. Während die Familie daraufhin nach New York emigrierte, wurde die Fabrik in Frankfurt von den Nationalsozialisten beschlagnahmt und 1939 aufgelöst.

Nach der Trennung von ihrem Mann zog Lette Valeska 1938 nach Los Angeles, wo sie ihren Künstlernamen Lette Valeska annahm. Dort erhielt sie den Auftrag, Kinder einer Grundschule zu fotografieren. Sie arbeitete dabei jedoch nicht im Studio, sondern fotografierte die Modelle in ihrer gewohnten Umgebung. Damit erregte sie großes Aufsehen bei den Filmschaffenden in Hollywood und bekam weitere Aufträge. Dies war der Beginn ihrer Karriere als Porträtfotografin.

Im Alter von 54 Jahren begann Lette Valeska, ermutigt von ihrer Freundin Galka Scheyer (18891945), der ebenfalls aus Braunschweig stammenden Malerin und Kunstsammlerin, mit der Malerei, später auch mit der Bildhauerei. Die Erfahrungen mit dem NS-Regime motivierten sie, ihre jüdischen Wurzeln wiederzuentdecken. Ihre expressionistischen Bilder zeigen daher vor allem Motive jüdischen Lebens.

In Los Angelos studierte Lette Valeska jüdische Geschichte und Literatur und war Mitglied in mehreren jüdischen Organisationen. So initiierte sie im November 1945 ein Freundschaftsprojekt zwischen Kindern aus Los Angeles und Rijswijk, das die Kinder der niederländischen Stadt mit Nahrung und Kleidung versorgte. Die Bevölkerung von Rijswijk hatte jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger vor der Deportation durch die Nationalsozialisten gerettet.

Nach dem Tod von Galka Scheyer 1945 in Hollywood ordnete Lette Valeska den Nachlass und das Archiv der Freundin und veröffentlichte ein Buch über sie. Für ihre Verdienste wurde ihr 1973 das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse verliehen. Lette Valeska starb 1985 in Los Angeles.

 

Die Mitglieder des Stadtbezirksrates werden zu den Aufstellungsveranstaltungen eingeladen.

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