Rat und Stadtbezirksräte
Mitteilung - 22-17631
Grunddaten
- Betreff:
-
Biodiversitätsprojekte mit Fördermitteln fertiggestellt
- Status:
- öffentlich (Vorlage freigegeben)
- Vorlageart:
- Mitteilung
- Federführend:
- 68 Fachbereich Umwelt
- Beteiligt:
- DEZERNAT VIII -Umwelt-, Stadtgrün-, Sport- und Hochbaudezernat; 67 Fachbereich Stadtgrün und Sport; 0100 Steuerungsdienst
- Verantwortlich:
- Herlitschke
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
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●
Erledigt
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Umwelt- und Grünflächenausschuss
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zur Kenntnis
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21.01.2022
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Sachverhalt
Sachverhalt:
Wie in der Mitteilung „Fördermittelakquise im Fachbereich Umwelt“ (Drs. 21-16115) dezidiert dargestellt, ist das Akquirieren von Geldern aus Förderprogrammen zur Durchführung von Umweltprojekten und -maßnahmen unerlässlich und Teil der regelmäßigen Arbeit des Fachbereichs Umwelt.
Zum Jahresstart möchte die Verwaltung die Fertigstellung dreier wesentlicher Naturschutzprojekte im Jahre 2021 herausgreifen und vorstellen, die mit einer Förderquote von bis zu 80 % wesentlich über den gemeinsamen Förderantrag von FB 67 und FB 68 "Förderung der biologischen Vielfalt in Braunschweig" finanziert worden sind.
Die im letzten Jahr umgesetzten Maßnahmen beinhalten den Um- und Neubau von insgesamt sieben Fledermauswinterquartieren, die Instandsetzung von fünf Schutzeinrichtungen bei Amphibienwechseln sowie die Neugestaltung der Außenanlage Haus Entenfang. Diese Maßnahmen haben ein finanzielles Gesamtvolumen von ca. 225.000 Euro und werden im Folgenden nochmal jeweils einzeln kurz dargestellt und erläutert:
Neugestaltung der Außenanlagen Haus Entenfang
Das Außengelände des Naturerlebniszentrums wurde im Jahr 2021 neugestaltet und mit verschiedenen Elementen wie einem Holzdeck, mehreren Stegen am Tümpel, einer „Entenfanganlage“, einem Gerätehaus, einer Sitzmauer sowie verschiedenen Staudenpflanzungen ausgestattet. Dadurch ist das Gelände um einige weitere Attraktionen reicher, insbesondere für Kindergärten, Schulklassen, Familien und Besuchergruppen.
Der Zugang zum Tümpel wurde durch einen Holzsteg und mehrere Knüppeldämme deutlich erleichtert. Kinder können unter anderem eine „Entenfanganlage“ entdecken. Staudenpflanzungen im Wasser und in einem Steingarten mit zahlreichen heimischen Arten bieten vielen Tieren, insbesondere auch den hier lebenden Honigbienen und den Wildbienen, neue Nahrungsquellen.
Die Außenanlagen wurden am Sonntag, den 13. September 2021, feierlich eröffnet. Die Eröffnungsfeier ist unter dem nachfolgenden Link in einem filmischen Beitrag aufgearbeitet und festgehalten, so dass diese dort, neben vielen anderen Informationen über die Tätigkeiten von Haus Entenfang, angesehen werden kann.
Um- und Neubau von sieben Fledermauswinterquartieren
Eine der wesentlichen Gefährdungsursachen von Fledermäusen ist der Mangel an geeigneten Quartieren. Insbesondere durch die Sanierung von altem Baubestand gehen zahlreiche potentielle Quartiere verloren und werden aufgrund der heutigen Baustandards auch nicht wieder neu geschaffen. Um dieser Quartiernot für gebäudebewohnende Fledermausarten entgegenzuwirken wurden seitens der Verwaltung Quartierstrukturen geschaffen, die möglichst vielen Fledermausarten zur Überwinterung dienen können.
So wurden vier Bunker- oder alte Kelleranlagen, die zum Teil schon für Fledermäuse hergerichtet waren, durch verschiedene Umbaumaßnahmen optimiert, um bessere Strukturen für Hangplätze von Fledermäusen und mikroklimatisch günstigere Bedingungen zu schaffen sowie einen möglichst Vandalismus sicheren Verschluss der Quartiere.

Abb. 1: Fransenfledermaus, die bevorzugt unterirdische Spaltenquartiere als Winterquartier nutzt. Foto: Uwe Kirchberger
Gerade die Anzahl der bekannten Winterquartiere ist in unserer Region zu gering, aber von besonderer Bedeutung für die lokale Fledermausfauna.
Daher erfolgte auch der komplette Neubau von drei Winterquartieren für Fledermäuse. Dabei handelt es sich um kleine Gebäude mit einer Grundfläche von 16 m2, in denen verschiedene Kompartimente eingerichtet wurden.
Dadurch entstehen unterschiedliche klimatische Verhältnisse, sodass die Fledermäuse entsprechend den Witterungsbedingungen und den artspezifischen Lebensraumansprüchen unterschiedliche Bereiche des Quartiers aufsuchen können. Die Quartiere wurden anschließend mit Erde überdeckt, damit der Innenraum frostfrei bleibt und die Bauten sich gut in das Landschaftsbild einfügen. Die Wände und insbesondere die Decken weisen eine Vielzahl an Spalten und Fugen auf, die den Fledermäusen als Schlafnischen dienen.

Abb. 2: Quartierneubau mit zahlreichen Niststeinen in Wand und Decke. Rechts Bild zeigt den Deckenbereich vor dem oberseitigen Verschluss der Niststeine. Foto: Uwe Kirchberger
Vor diesem Hintergrund kann zur Artensituation in Braunschweig erfreulicherweise mitgeteilt werden, dass im Stadtgebiet aktuell 17 Fledermausarten nachgewiesen werden konnten. Die meisten Arten wurden in den verschiedenen Braunschweiger Waldgebieten nachgewiesen, was die besondere Bedeutung der Waldgebiete für die Fledermausfauna bekräftigt.
In Niedersachsen sind Vorkommen von insgesamt 19 Fledermausarten bekannt. Bundesweit gibt es 25 Arten. Somit sind allein in Braunschweig ca.90 % aller landesweit vorkommenden Fledermausarten vertreten, was ein Beleg für die grundsätzlich gute Biotopausstattung darstellt.
Instandsetzung von Schutzeinrichtungen an fünf Amphibienwechseln
Der Verlust amphibischer Lebensräume sowie die durch Straßen zerschnittene Landschaft sind die Hauptursachen für die Gefährdung der Amphibien. Aktuell werden auf dem Gebiet der Stadt Braunschweig 18 Amphibienwechsel durch ehrenamtliche Helfer betreut. An mehreren stark frequentierten Standorten wurden bereits dauerhafte Leiteinrichtungen etabliert.
Im Rahmen des Förderprojektes wurden die Amphibienwechsel Bienroder Weg, Ohefeld, Madamenweg, Peterskamp und Lindenbergallee durch Einbau von gebrauchten Autobahnleitplanken saniert, optimiert und verlängert. So wurden beispielsweise durch die Schaffung von Erdwällen an den Leitplanken die Querungsmöglichkeiten für rückwandernde Amphibien verbessert.

Abb. 3: Amphibien-Stopprinne am Messeweg. Foto: Katrin Hacke
An zwei Wechseln wurden Amphibienstopprinnen eingebaut um den Lückenschluss an Rad- und Fußwegen zu schaffen. Am Bienroder Weg wurde der Wechsel bis unter die Schunterbrücke verlängert, um eine stärkere Leitwirkung unter der Fahrbahn hindurch zu schaffen. Zusätzlich wurden zwei Amphibiengewässer renaturiert.
Insgesamt wurden 361 m Amphibienleiteinrichtung neu gebaut, 9 m Amphibienstopprinnen eingesetzt und 2 Gewässer renaturiert und damit die Habitatbedingungen für die 13 im Stadtgebiet von Braunschweig vorkommenden Arten deutlich verbessert.
Fazit
Durch den gezielten Einsatz von Ressourcen zur Fördermittelakquise bzw. der Umsetzung von Förderprojekten im Bereich des Natur- und Artenschutzes, kann zielgerichtet der weitergehende Ausbau, die Optimierung und Umsetzung von Artenschutzkonzepten, Umweltbildungsangeboten, Biotopverbund und Steigerung der Biodiversität im Stadtgebiet erfolgen. Die dargestellten Maßnahmen zeigen beispielhaft, dass in Braunschweig bereits viele erfolgreiche Projekte in diesem Bereich umgesetzt wurden. Abhängig von den gegebenen Ressourcen, soll dies in Zukunft aber weiter fokussiert werden.
