Rat und Stadtbezirksräte
Stellungnahme - 21-17434-01
Grunddaten
- Betreff:
-
Wie viel WissensWandel gab es für Braunschweig?
- Status:
- öffentlich (Vorlage freigegeben)
- Vorlageart:
- Stellungnahme
- Federführend:
- 41 Fachbereich Kultur und Wissenschaft
- Verantwortlich:
- Dr. Hesse
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
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●
Erledigt
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Ausschuss für Kultur und Wissenschaft
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zur Kenntnis
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28.01.2022
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Sachverhalt
Sachverhalt:
Zur mit Drs.-Nr. 21-17434 gestellten Anfrage der FDP-Fraktion wird wie folgt Stellung genommen:
Der Prozess der Digitalisierung hat seit Jahren erhebliche Auswirkungen auf die Arbeit von Stadtarchiv und Stadtbibliothek. Es ist dabei zwischen der Digitalisierung von Arbeitsprozessen und Serviceleistungen, der Langzeitspeicherung und Nutzbarmachung digitaler Daten bzw. Medien sowie der Digitalisierung von analogem Archiv- bzw. Bibliotheksgut zu unterscheiden.
In beiden Einrichtungen gibt es eine Digitalisierungsstrategie, die jeweils mit langfristig angelegten Planungen verknüpft ist.
Das im November 2020 aufgelegte Förderprogramm „WissensWandel. Digitalprogramm für Bibliotheken und Archive“ ist Teil des Rettungs- und Zukunftsprogramms NEUSTART KULTUR der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und wird vom Deutschen Bibliotheksverband organisatorisch umgesetzt. Der Gesamtumfang beträgt 25 Mio. Euro. Es soll einen Beitrag dazu leisten, die Folgen der Corona-Pandemie für Bibliotheken und Archive zu mildern. Ziel ist es, Bibliotheken und Archive dabei zu unterstützen, den Zugang zu ihren umfangreichen Angeboten und Beständen zukünftig auch unabhängig von einer Nutzung vor Ort in deutlich größerem Umfang als bisher sicherzustellen. Dies vorausgeschickt können die gestellten Fragen wie folgt beantwortet werden:
Zu 1: Wie viele Mittel sind aus dem Programm „Wissenswandel“ nach Braunschweig geflossen oder fließen noch hierher?
Bisher hat es im Programm Wissenswandel zwei Ausschreibungsrunden gegeben. Das Stadtarchiv hat sich beide Male um Fördermittel beworben, beide Anträge waren erfolgreich. In der ersten Runde ist eine Förderung von 181.500 Euro (für 2021) nach Braunschweig geflossen. Die Mittel der zweiten Runde wurden vor kurzem bewilligt. Dieses Mal hat das Stadtarchiv eine Zusage über Fördermittel in Höhe von 161.900 Euro (für 2022) erhalten. Die Höchstfördersummen für Einzelprojekte lagen jeweils bei 200.000 Euro.
Digitalisiert wurden bzw. werden Teile der vielbenutzten Standesamtsregister (Geburten und Todesfälle) (Signatur E 34) sowie zwei umfangreiche Nachlässe der Fotografen Gerhard Stoletzki (G IX 160) und Helmuth Wesemann (G IX 78). Beide Nachlässe mit insgesamt ca. 260.000 Fotografien (Abzüge und Negative) sind von erheblichem Wert für die Braunschweiger Geschichte nach dem Zweiten Weltkrieg. Nach Abschluss der Digitalisierung werden die Bestände mittelfristig online benutzbar sein.
Zu 2: Welche Digitalisierungsbemühungen gibt es über dieses Programm hinaus für die Stadtbibliothek und das Stadtarchiv Braunschweig? (Bitte einen Ausblick und keine Bestandsaufnahme)
1. Stadtbibliothek
Die Digitalisierungsprojekte der Stadtbibliothek wurden bisher ohne Drittmittel realisiert. Es besteht zu diesem Zweck eine Kooperation mit der Universitätsbibliothek Braunschweig, auf deren Server die Digitalisate der Stadtbibliothek veröffentlicht werden. Außerdem beteiligt sich die Stadtbibliothek momentan an einem Projekt der Universität Münster zur Digitalisierung mittelniederdeutscher Frühdrucke. Für die Zukunft ist die Digitalisierung des Fragmentenbestandes sowie des Handschriftenbestandes geplant.
2. Stadtarchiv
Mit der Digitalisierung der Arbeit der Stadtverwaltung ist die auf Grund der archivgesetzlichen Bestimmungen bestehende Notwendigkeit der dauerhaften Erhaltung der im Rahmen des Verwaltungshandelns entstehenden archivwürdigen Daten und elektronischen Akten durch das Stadtarchiv als Querschnittsaufgabe verknüpft. Voraussetzung dafür ist der kontinuierliche Ausbau des Digitalen Langzeitarchivs und die Anpassung der digitalen Infrastruktur des Stadtarchivs (Speicherung und Benutzung). Weitere Schwerpunkte sind die Verbesserung der digitalen Nutzbarkeit der Angebote des Stadtarchivs (Einrichtung eines virtuellen Lesesaals) sowie die Digitalisierung von analogem Schriftgut.
Bei der Digitalisierung von analogem Schriftgut werden auf Anforderung Digitalisate für die internen und externen Nutzer des Stadtarchivs angefertigt, die zugleich auch im digitalen Langzeitarchiv abgelegt werden. Darüber hinaus werden auch ganze Archivbestände systematisch - gegebenenfalls durch externe Dienstleister - digitalisiert. Maßgeblich für die Entscheidung für die Digitalisierung ist einerseits eine hohe Nachfrage in der Benutzung und andererseits der Erhaltungszustand des Archivguts. Analoges Archivgut muss auf Grund der archivgesetzlichen Bestimmungen auch nach der Digitalisierung dauerhaft erhalten werden. Die Präsentation der Digitalisate erfolgt teilweise in Kooperation mit der Universitätsbibliothek Braunschweig bzw. mit der Deutschen Digitalen Bibliothek (Archivportal-D).
Konkret geplant sind derzeit der Abschluss der Digitalisierung der Standesamtsregister (Heiraten), der Plakatsammlung sowie des Urkundenbestandes (1031–1671). Mittelfristig sollen die Filmüberlieferung, der Zeitungsbestand, die Ratsüberlieferung, die Überlieferung mittelalterlicher Stadtbücher sowie die internationale Theaterzettelsammlung des Stadtarchivs folgen.
