Rat und Stadtbezirksräte
Mitteilung - 22-18708
Grunddaten
- Betreff:
-
Förderung der biologischen Vielfalt in der Stadt Braunschweig-Statusbericht zum Förderprojekt
- Status:
- öffentlich (Vorlage freigegeben)
- Vorlageart:
- Mitteilung
- Federführend:
- 67 Fachbereich Stadtgrün und Sport
- Verantwortlich:
- Herlitschke
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
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●
Erledigt
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Umwelt- und Grünflächenausschuss
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zur Kenntnis
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05.05.2022
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Sachverhalt
Sachverhalt:
Im Jahr 2017 stellte die Stadt Braunschweig den Förderantrag zur Anlage und Aufwertung naturnaher Biotope und Landschaftselemente in urbanen Bereichen, die die Biodiversität im Siedlungsraum fördern sowie den Wasserhaushalt und das Stadtklima verbessern.
Dem modular aufgebauten Sammelantrag, der vom Fachbereich Stadtplanung und Umweltschutz sowie dem Fachbereich Stadtgrün- und Sport untereinander abgestimmt worden war, wurde als Gesamtpaket stattgegeben. Die Übergabe des Förderbescheides im Rahmen des Projekts Biodiversität in Städten erfolgte durch den Umweltminister Olaf Lies am 21. Dezember 2017.
Der Stadt Braunschweig sind 2.745.613,08 Euro aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung - EFRE (50%) und aus Mitteln des Landes Niedersachsen (30%) für das Projekt „Förderung der biologischen Vielfalt in der Stadt Braunschweig" zur Verfügung gestellt worden. Insgesamt stehen damit 3.432.016,35 Euro der zuwendungsfähigen Ausgaben, davon 80 % vom Land Niedersachsen zur Verfügung gestellt, für verschiedene Maßnahmen zur Steigerung der Biodiversität in der Stadt Braunschweig bereit. Davon wurden 188.268,34 € nicht zuwendungsfähige Ausgaben aus dem Antragsteil des Fachbereiches Umwelt gestrichen.
Der Förderzeitraum wurde bis 31. Mai 2022 bewilligt, eine Beantragung zur Verlängerung des Förderprojekts bis zum 31. März 2023 gestellt und vor kurzem bewilligt..
Ein besonders wichtiger Aspekt der urbanen Artenvielfalt ist, dass diese einen direkten Kontakt der Stadtbevölkerung zur Tier- und Pflanzenwelt ermöglicht: die Natur kann direkt im Alltag erlebt werden, die Lebensqualität wird erhöht und prägt die Wertvorstellungen und die eigene Erfahrungswelt. Aus diesem Grund werden alle Maßnahmen in der sogenannten Gebietskulisse angelegt, d.h. in unmittelbarer Nähe von angrenzenden Wohnbebauung, so z. B. in Parks und Grünanlagen, als Straßenbegleitgrün, in Flussauen, an stehenden Gewässern, in Kleingartenanlagen, in der freien Landschaft sowie in Natur- und Landschafts-schutzgebieten.
Insgesamt sind acht thematische Module ausgearbeitet worden, wobei die Module eins bis sieben vom Fachbereich Stadtgrün und Sport bearbeitet werden.
Dabei handelt es sich um die Herstellung artenreicher Wiesen und die Anlage von Blühstreifen (Modul I), die Pflanzung von Kopfweiden (Modul II), die Anlage von Streuobstwiesen (Modul III), Teichentschlammung (Modul IV), Urban Gardening (Modul V), Fischteichentschlammung (Modul VI), und Anlage einer Trockenmauer (Modul VII). Modul VIII ‚Artenschutz‘ wurde vom Fachbereich Umwelt bereits umgesetzt. Hierzu liegt ein Abschlussbericht vor mit der Nr. 22-17631 aus der Sitzung des Umwelt- und Grünflächenausschusses vom 21.01.2022.
Die Module eins bis sieben werden im Folgenden jeweils kurz dargestellt und erläutert, und durch einen aktuellen Statusbericht ergänzt.
Modul I Entwicklung von 100.000 m2 artenreichen Wiesenflächen, Anlage von rund 20.000 m² mehrjähriger Blühstreifen und 7.500 m² artenreicher Staudenmischpflanzungen
Gemeinsam mit den Naturschutzkreisverbänden BUND und NABU wurden bereits 2015 modellhaft auf 9 Flächen im Braunschweiger Stadtgebiet Versuche unternommen die Pflege von Scherrasenflächen umzustellen, um eine biodiversitätsfördernde und traditionelle Bewirtschaftungsform zu testen. Auf diesen Flächen, bei denen zuvor hohes Potential für die Entwicklung von Artenreichtum identifiziert wurde, ist die Pflege- und Bewirtschaftungsumstellung getestet worden. Die Erfahrungen aus dem kleinen Modellprojekt werden im Rahmen dieses Förderprogramms auf größeren Flächen umgesetzt, um die Biodiversität der städtischen Grünanlagen zu erhöhen und möglichst biotopvernetzende Strukturen zu schaffen. Die Wahl der Flächen, die Form der Bewirtschaftung, sowie ein engmaschiges Biotop-Monitoring, erfolgt in Zusammenarbeit mit dem BUND und dem NABU.
Darüber hinaus hat der Fachbereich Stadtgrün und Sport in den letzten Jahren auf kleineren Flächen an städtebaulich exponierten Standorten Blühstreifen aus einjährigen Blütenpflanzen angelegt. Von der städtischen Bevölkerung gab es eine enorme positive Resonanz als Reaktion auf diese Blühstreifen. 2016 wurde darüber hinaus eine Testfläche mit gebietsheimischen mehrjährigen Arten angelegt, um die Biodiversität dieser Fläche zu steigern - direkt durch die Pflanzenzusammensetzung und indirekt durch die daran gekoppelte Förderung von Insekten und Vögeln, denen die Pflanzen als Nahrungs- und Lebensraum dienen. Im Rahmen des Projektes „Förderung der biologischen Vielfalt in der Stadt Braunschweig" sollen weitere Blühstreifen aus gebietsheimische Arten angelegt werden.
Im Rahmen dieses Projektes sind Investitionen zum Erwerb von Maschinen für dieses veränderte Grünflächenmanagement geplant, so bspw. der Aebi Hanggeräteträger, eine Schlepperkombination mit Anbaugeräten.
Die angelegten Flächen sollen in Form einer extensiven Wiesenmahd bewirtschaftet werden. Dabei werden die abgemähten Pflanzen nicht zerkleinert, sondern in einem weiteren Arbeitsgang unter weitgehender Schonung der dort vorkommenden Fauna von der Fläche als Mähgut entfernt werden. Diese traditionelle Methode schafft durch das sogenannte „Aushagern“, sprich das Entziehen von Nährstoffen, potentiellen Lebensraum für eine Vielzahl weiterer Pflanzenarten und in Folge dessen auch für verschiedene Tierarten.
Im Januar 2019 wurde eine Kooperationsvereinbarung zwischen der Stadt Braunschweig und dem Institut für Bienenschutz des Julius-Kühn-Institutes (JKI) geschlossen. Ziel der Vereinbarung ist die Umsetzung des Projektes „Bienenstadt Braunschweig“ durch den gezielten Einsatz der Mittel aus den Förderprojekten „Braunschweig – integrierter Klimaschutz mit urbanem Grün. Makroklimatische Regulierung durch Pflanzen" und „Förderung der biologischen Vielfalt in der Stadt Braunschweig".
Die Standorte für die Realisierung der im Jahr 2020 geplanten Blühstreifen musste so gewählt werden, dass sie sowohl den Anforderungen des Förderprojektes (siedlungsnahe Bereiche) als auch den Zielen der „Bienenstadt Braunschweig“ gerecht werden. Aus diesem Grund erfolgte die Flächenauswahl in enger Abstimmung mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des JKI.
Innerhalb der vom JKI vorgegebenen Suchräume wurden im Stadtgebiet insbesondere Parkanlagen, Spielplätze, Grünverbindungen innerhalb von Baugebieten, Straßenbegleitgrün und auch Stadtplätze in die Suche einbezogen. Vorzugsweise sollten die Flächen eine Präsenz für die Bevölkerung aufweisen und im öffentlichen Raum erlebbar sein. Die Einzelflächen sollten gemäß der Vorgabe des JKI Flächengrößen von 500 m² aufweisen.
Im Hinblick auf die Gestaltung der mehrjährigen Blühstreifen sollte das sogenannte Regio-Konzept (RSM-Regio) gemäß FLL-Regelwerk zur Anwendung kommen, um einer Florenverfälschung des natürlichen Artenspektrums entgegen zu wirken. Auf der Grundlage einer Standardblumenmischung für Schmetterlinge und Bienen sollte die Artenmischung spezifisch zugeschnitten werden. Durch dieses Konzept wird sichergestellt, dass neben einem Höchstmaß an ökologischer Vielfalt auch der ästhetische Anspruch der Bevölkerung durch das Gesamtkonzept Berücksichtigung findet. Die Streifen mit gebietsheimischen Arten sind optisch weniger auffallend, aber nicht weniger ansprechend als Kultursorten. Diese überjährigen und blütenreichen Mischungen bestehen aus ausdauernden gebietsheimischen Arten ohne Gräser, teilweise aus dem Sorteninventar der Ackerbegleitflora und gebietsheimischen Ruderalflurvegetationsarten.
Zur Verbesserung der Biotopstruktur wurden neben der Ausbringung geeigneter Saatpflanzen auch geeignete Nistmöglichkeiten angeboten. Wildbienen benötigen als Nistplatz offene Bodenflächen, sandige Böden, nicht versiegelte Naturwege, Steilwände, Abbruchkanten, Trockenmauern, Steinhaufen, Asthaufen, stehengelassene Pflanzenstängel und vieles mehr. Entsprechend wurden die Flächen mit geeigneten Nistmöglichkeiten ausgestattet.
Ein mit dem JKI abgestimmtes Mähkonzept für die Wiesen- und Blühflächen sieht eine einmalige späte Mahd im Jahr vor, um den noch bis Ende September fliegenden Wildbienen und anderen Insekten die letzten Nahrungsquellen so lange wie möglich erhalten. Da manche Insekten die Pflanzenstängel als Überwinterungshilfe nutzen, werden Teilbereiche sogar ganz stehengelassen.
Auf insgesamt 40 Flächen wurden im gesamten Stadtgebiet artenarme Rasenflächen in Blühwiesenflächen umgewandelt (siehe Anlage). 25 Einzelflächen mit einer Gesamtfläche von insgesamt 11.300 m² wurden in Zusammenarbeit mit dem JKI in einem ersten Abschnitt im Frühjahr 2020 realisiert. Im Jahr 2021 sind weitere 9.305 m² Blühflächen entstanden. Die im zweiten Abschnitt entstandenen Flächen sollten als Ergänzung zu den 2020 angelegten Blühstreifen verstanden werden und eine möglichst gleichmäßige Verteilung von Blühstreifen im Stadtgebiet Braunschweigs bewirken. Die Einhaltung der durch das Forschungsprojekt vorgegebenen Einzelfächengröße von 500 m² war nicht mehr erforderlich, sodass die neuen Blühflächen je nach Verfügbarkeit eine Größe zwischen 400 m² und 600 m² aufweisen. Eine Ausnahme bildet die Fläche in Timmerlah. Durch die Kooperation mit einem ortsansässigen Landwirt konnte dort eine Flächengröße von rd. 2.500 m² realisiert werden.
Die Maßnahme zur Anlage von Blühstreifen wurde im Herbst 2021 abgeschlossen und hat ein finanzielles Gesamtvolumen von rund 112.500 €.
In einem ersten Abschnitt sind an bisher 30 Standorten artenreiche Staudenmischpflanzungen angelegt worden. Um das Artenreichtum zu erhöhen, das Blühspektrum zu erweitern und gleichzeitig die Attraktivität zur Bestäubung von Wildbienen zu steigern, sind vorwiegend heimische Arten verwendet worden, und Staudensorten, deren Blütenmorphologie auf die Wildbienen abgestimmt ist.
Insgesamt 6.662 m² sind im Jahr 2021 an Verkehrsinseln und im innerstädtischen Bereich realisiert worden, die Flächengrößen variieren von 30 bis 800 m². Weitere 840 m² sind für das Frühjahr 2022 in Planung, entlang von Straßenzügen und an Kreisverkehrsflächen.
Ort | Flächengröße | Anmerkungen Charakter | Aufteilung |
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Kurt-Seeleke-Platz | 224 | Mischpflanzungen, halbschattig | 4 Teilflächen, Nistlinsen |
Radeklint | 57 | Mischungen, sonnig | 5 Hochbeete |
Neuer Weg | 371 | Mischungen, vorwiegend sonnig | 4 Verkehrsinseln |
Celler Straße | 441 | Mischungen mit Lavendelblöcken | 4 straßenbegleitenden Streifen |
Gördelinger Straße | 286 | variiende Mischungen, üppig, +/- sonnig | 4 Teilflächen mit Nistlinsen |
Kälberwiese | 203 | Mischungen, wiesenartig | 5 Teilflächen mit Nistlinsen |
Sackring | 143 | rabattenartige Streifen | 2 Teilflächen |
Pocketpark Sonnenstraße | 42 | Rabattenartig in Drifts | 1 Fläche |
Gieselerwall Park | 362 | Rabattenartig in Drifts, Typ frische Wiese | 3 Teilflächen |
Am Gaußberg | 155 | Mischprinzip, Typ frische Wiese | 1 Fläche mit Nistlinse |
Matthäuskirche | 31 | kompakt, mit klaren Gruppen | 1 Beet |
Gaußstraße | 165 | halbschattig, in klaren Drifts | 1 ovale Fläche |
Max-Beckmann-Platz | 77 | Mix mit Lavendelbändern, sonnig-trocken | 1 Verkehrsrondell |
Olfermannplatz | 109 | ringartige Ergänzung zu Rosen | 1 Verkehrsrondell |
Gieselerwall Inseln | 222 | Sortiment trockenhitzetolerant, flächig | 1 Verkehrsinsel |
Hohetorwall Fl. A | 29 | ringförmiges Beet, halbschattig, kleine Blöcke | 1 Fläche |
Hohetorwall Fl. B | 79 | schattige Mischung, Farne vorhanden | 1 Fläche |
Hohetorwall Fl. C | 88 | lichtschattig, Schmuckbeetartig in Drifts | 1 Fläche |
Hohetorwall Fl. D | 82 | Mischung heimischer Wiesentauden | 1 Fläche |
Hohetorwall Fl. E/F | 210 | Mischung heimischer Wiesentauden | 2 Teilflächen |
Hohetorwall Fl. G | 156 | Driftratige Gehölzvorpflanzung, lichtschattig | 1 Teilfläche |
Hohetorwall Fl. H 1-4 | 254 | Mischungen für lichte-sonnige Standorte | 4 straßenbegleitende Teilfläche |
Badetwete | 205 | Gehölzvorpflanzung, verzahnte Drifts, sonnig | 1 Fläche |
Görgesstraße | 111 | Mischpflanzungen, sonnig-warm | 3 Teilflächen mit Nistlinsem |
Kiryat-Tivon-Park | 476 | großflächige Gruppenpflanzungen von Kulturformen/Sorten mit Einstreuern in voller Sonne | 4 Teilflächen mit Nistlinsen |
Paulikirche Ost | 135 | rabattenartiger Beetstreifen,Driftpflanzung, teils im Schlagschatten der Kirche (nachmittags) | 1 Fläche |
Paulikirche West | 132 | rabattenartiger Beetstreifen,Driftpflanzung, teils im Schlagschatten der Kirche (Vormittags) | 1 Fläche |
Paulikirche Vorplatz | 532 | in großzügigen Drift mit Einstreuern, sonnenexponiert, mit alten Solitärbäumen | 2 Teilflächen |
Quartierspark Wolfenbütteler Straße | 164 | halsbschattige Gehölzvorpflanzungen | 2 Teilflächen |
Fallersleber Tor | 834 | Mischpflanzungen für sonnigen Standort mit Blockpflanzungen | 4 Teilflächen mit Nistlinsen |
Abb.: Staudenflächen im Stadtgebiet Braunschweig
Die Anlage von Staudenpflanzungen ist mit einer Gesamtsumme von ca. 460.000 € eingeplant und zu 80% abgerechnet. Die Finanzmittel stehen in ausreichender Höhe im Teilhaushalt des Fachbereichs Stadtgrün und Sport zur Verfügung.
Modul II Pflanzung von 450 Kopfweiden
Im Rahmen des Projektes ist die Neupflanzung von rund 450 Kopfweiden geplant, um Lücken zwischen in Reihe gepflanzten Kopfweiden zu schließen und Altbestand sinnvoll zu ergänzen. Somit soll die Grünstruktur im Sinne einer Biotopvernetzung innerhalb der Stadt erhöht werden, und der Erhalt als prägendes Kulturlandschaftselements sowie als wichtiger Lebensraum für Tiere gesichert werden. Die Pflanzung erfolgt an verschiedenen innerstädtischen Fließ- und Stillgewässern in einem Abstand von 10 m, teilweise auf einer Gesamtlänge von 200 bis 500 m. So sind mehrere 100 Stecklinge in Riddagshausen, an Wabe, Schunter und der alten Mittelriede geplant (siehe Anlage).
Die Stecklingsgewinnung erfolgt vor Ort an vorhandenen alten Kopfweiden. Darüber hinaus werden an sechs Standorten fertig gezogene Kopfweiden aus einer Baumschule als Hochstämme gepflanzt, die durch ihre exponierte Lage an Wegen und Plätzen sowie an einem Kinderspielplatz im urbanen Siedlungsraum für die Bevölkerung erlebbar sind.
Die Ausführung der Maßnahme läuft aktuell. Die Auftragssumme beläuft sich auf rund 80.000 €. Die Finanzmittel stehen in ausreichender Höhe im Teilhaushalt des Fachbereichs Stadtgrün und Sport zur Verfügung.
Modul III Anlage von mehreren Streuobstwiesen mit Pflanzung von insgesamt 270 Obstbäumen
Im Frühjahr 2021 sind drei Streuobstwiesen mit insgesamt 114 Bäumen auf rund 30.000 m² Gesamtfläche entstanden. Eine große Obstwiese grenzt an das Baugebiet am Moorhüttenteich mit einer Anzahl von ca. 60 Obstgehölzen. Auf einer ehemaligen Pferdekoppel in Rühme und einer ehemaligen Ackerfläche in Erweiterung eines Grünzugs in Stöckheim befinden sich zwei weitere kleine Wiesen mit jeweils 22 und 30 Obstgehölzen. Neben der Pflanzung der Bäume ist eine Initialsaat mit gebietsheimischer Saatmischung unter den Bäumen erfolgt, unter anderem auch mit der Wildbienenmischung des Julius-Kühn-Instituts. Der Unterhalt der Wiesenflächen erfolgt in extensiver Form, d.h. es sind nur ein bis zwei Schnitte pro Jahr geplant. Des Weiteren wurden mehrere Kleinbiotope angelegt in Form von Lesestein- und Totholzhaufen, um Insekten und Kleinstlebewesen zusätzlichen Lebensraum zu ermöglichen.
Im Frühjahr 2022 entstehen aktuell drei weitere Streuobstwiesen mit insgesamt 156 Obstbäumen auf einer Gesamtflächengröße von ca. 28.000 m². Darunter ist eine ehemals landwirtschaftlich genutzte Fläche in Ortsrandlage von Bevenrode mit etwa 80 Obstbäumen angedacht und eine weitere Obstwiese in Lehndorf mit rund 60 Obstgehölzen, die bereits jetzt von Spaziergängern gut frequentiert wird. Auf beiden Flächen sind im Herbst letzten Jahres Blumenwiesenmischungen eingesät worden. Eine vorhandene Streuobstanlage an einem Flüchtlingswohnheim wird durch Anpflanzung von etwa 14 weiteren Obstgehölzen und wegebegleitenden Blühstreifen ergänzt und aufgewertet.
Besonderer Schwerpunkt liegt darin, seltene und historische Sorten wiedereinzuführen und durch Hinweisschilder an den Obstwiesen auf die alten Obstsorten aufmerksam zu machen. Eine spätere Obsternte durch die Bevölkerung ist erwünscht. Ein Überblick über die Standorte der Streuobstwiesen befindet sich im Anhang.
Die Maßnahme hat ein finanzielles Gesamtvolumen von ca. 180.000 €. Die Ausführung der Maßnahme ist in diesem Frühjahr abgeschlossen. Die Finanzmittel stehen in ausreichender Höhe im Teilhaushalt des Fachbereichs Stadtgrün und Sport zur Verfügung.
Modul IV Entschlammung und Renaturierung des Südteichs und des Portikusteichs im historischen Bürgerpark.
Die Aufwertung im Sinne einer Steigerung der Biodiversität von Teichen durch Entschlammung und strukturreiche Gestaltung in einem hochfrequentierten Naherholungsraum wie dem landschaftlich gestalteten Bürgerpark ermöglicht eine erhebliche Steigerung der Ökosystemdienstleistungen dieses Raumes.
Im Rahmen des Projekts sollen der Südteich (4,5 ha) und der Portikusteich (0,85 ha) im Bürgerpark entschlammt werden. Ziel ist es die ursprüngliche Wassertiefe (ca. 1 m) und damit verbunden das originäre Teichvolumen wiederherzustellen. Es ist außerdem vorgesehen, im Verlauf der Entschlammungsmaßnahmen die untere Naturschutzbehörde, die untere Wasserbehörde, die untere Bodenschutzbehörde, das Referat für Denkmalpflege sowie die Stadtentwässerung Braunschweig (SE/BS) miteinzubeziehen.
Aufgrund des Kampfmittelverdachts in beiden Teichen, sind Sondierungen durch eine Kampfmittelfirma im Vorfeld erforderlich. Der Portikusteich wurde im Jahre 2019 auf Kampfmittel untersucht. Die Auswertung ergab ein erhebliches Aufkommen von Verdachtspunkten im Portikusteich, was zur Folge hatte, dass die finanziellen Mittel des dafür vorgesehenen Fördertopfs aufgrund der zusätzlichen Erschwernis nicht ausgereicht hätten, den Teich zu entschlammen.
Eine Fachfirma auf dem Gebiet der Kampfmittelberatung und –sondierung wurde im Frühjahr 2021 mit der Erstellung eines Kampfmittelräumkonzepts für den Südteich beauftragt. Aufgrund eines erheblichen Fachkräftemangels lag das Gutachten und eine Auswertung zur Maßnahme erst im Herbst 2021 vor. Die Sondierung des Südteichs ist für dieses Frühjahr geplant. Da die beantragte Fristverlängerung des Förderprojekts bis zum 31.03.2023 genehmigt wurde, ist, nach Erkenntnissen der Kampfmittelauswertung im Südteich, dessen Entschlammung in Teilbereichen bis zum Frühjahr 2023 vorgesehen.
Seit März 2020 bis Mitte letzten Jahres herrschte zudem ein Evakuierungsverbot im gesamten Stadtgebiet im Falle einer eventuellen Kampfmittelbergung, was die Weiterbearbeitung und Planbarkeit des Projekts bislang zusätzlich erschwerte.
Die geschätzten Kosten belaufen sich auf rund 1.425.000 €. Die Finanzmittel stehen in ausreichender Höhe im Teilhaushalt des Fachbereichs Stadtgrün und Sport zur Verfügung.
Modul V Urban-Gardening Projekt in 10 nicht genutzten Kleingartenparzellen zum gemeinschaftlichen Gärtnern
Kleingärten prägen in Niedersachsen die Stadtbilder seit mehr als 100 Jahren und übernehmen neben ökologischen und stadtklimatischen auch wichtige soziale Funktionen in der Stadt. Neben der traditionellen Nutzung von Kleingärten gibt es Bestrebungen zur Nutzungserweiterung in den Kleingartenvereinen, die die Stadt im Rahmen des Förderprojekts unterstützen möchte.
Gemäß Antragsstellung sollten ursprünglich 12 Kleingartenparzellen in unterschiedlichen Kleingartenvereinen für Jugendgruppen, soziale Vereine und andere Menschen mit Interesse am gemeinschaftlichen Gärtnern zur Verfügung gestellt. Durch die Erweiterung und den Ausbau des Ringgleises sind zwei Kleingartenparzellen im Kleingartenverein Brodweg weggefallen. Die verbliebenen 10 Gartenparzellen liegen alle innerhalb von bestehenden Kleingartenanlagen und befinden sich im gesamten Stadtgebiet (siehe Anlage).
Die Gärten werden so vorbereitet, dass mit der Bewirtschaftung sofort begonnen werden kann. Im letzten Jahr konnten durch eine groß angelegte Bewerbungsaktion (u.a. in der Braunschweiger Zeitung) verschiedene Gruppen, Vereine und Interessierte als Nutzergruppen gewonnen werden. Die jeweilige Parzelle steht der Nutzergruppe daraufhin kostenfrei zur Verfügung und kann zur Anlage von Gemüse-, Obst- und Blumenbeeten genutzt werden.
Die Gruppen des „Urban Gardening“ unterliegen dabei jedoch nicht den Vereinsstrukturen der Kleingartenvereine. Zwischen den Verantwortlichen der entsprechenden Interessengruppe und der Stadt Braunschweig wird eine Nutzungsvereinbarung geschlossen.
Mittlerweile ist eine fertiggestellte Parzelle an eine Nutzergruppe übergeben worden, die Übergabe von neun weiteren Parzellen folgt in diesem Jahr. Ein erheblicher Materialmangel an Holz und anderen Baustoffen sowie Lieferengpässe haben bisher eine zügige Abwicklung der Maßnahme erschwert. Aufgrund der zu erwartenden Fristverlängerung des Förderprojekts ist die Fertigstellung aller Gartenparzellen in diesem Jahr abzusehen.
Die Kosten zur Ausführung der Maßnahme betragen etwa 210.000 €. Die Finanzmittel stehen in ausreichender Höhe im Teilhaushalt des Fachbereichs Stadtgrün und Sport zur Verfügung.
Modul VI Fischteichentschlammung und Entkusselung des Neuen Bleeks-Teichs im Naturschutzgebiet Riddagshausen
Der Neue Bleeksteich mit einer Fläche von 1,41 ha war aufgrund der eingetragenen Nährstoffe verschlammt. Im Rahmen des Projektes wurde der Teich 2018/2019 entschlammt und entkusselt; aufkommende Gehölze am Gewässerrand wurden beseitigt und der Schlamm mechanisch entfernt. Als eine notwendige Erhaltungsmaßnahme wurde einer zunehmenden Verschlammung entgegengewirkt, indem die ursprüngliche Wassertiefe und das damit verbundene Teichvolumen wiederhergestellt wurden.
Der Schlamm wurde auf einer landwirtschaftlich genutzten Fläche aufgebracht und nach Trocknung fachgerecht entsorgt. Die Arbeiten wurden zum Schutz des Bestandes an Muscheln und Kleinfischen durchgeführt und unter Beachtung der naturschutzrechtlichen Verbotszeiträume begleitet.
Die Baumaßnahme ist abgeschlossen und mit einem finanziellen Gesamtvolumen in Höhe von 209.000 € abgerechnet.
Modul VII Anlage von Trockenmauern 30 m
Im Schul- und Bürgergarten am Dowesee sind Trockenmauerelemente mit einer Gesamtlänge von 30 m geplant. Eine mittlerweile vollkommen überwachsene, ursprünglich als Steingarten angelegte Stützmauer soll in diesem Zuge ersetzt werden. Durch die sonnige Standortauswahl und die besondere Bauart der Trockenmauer bietet sie Lebensraum für verschiedenste Tiere und Pflanzen. Der Bau von Trockenmauern ist ein altes anspruchsvolles Handwerk, das die Niedersächsische Kulturlandschaft prägt.
Die Ausführung ist für dieses Frühjahr geplant.
Die geschätzten Kosten belaufen sich auf rund 15.000 €. Die Finanzmittel stehen in ausreichender Höhe im Teilhaushalt des Fachbereichs Stadtgrün und Sport zur Verfügung.
Modul VIII Artenschutz
Ein Abschlussbericht des Fachbereichs Stadtplanung und Umweltschutz liegt bereits vor. Siehe Mitteilung Nr. 22 17631 aus der Sitzung vom 21.01.2022.
