Rat und Stadtbezirksräte

ALLRIS - Vorlage

Antrag (öffentlich) - 22-18530

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Beratungsfolge

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Beschlussvorschlag

Die Verwaltung wird gebeten, an drei ausgewählten Stellen Lebenstürme als umweltpädagogische Projekte zu errichten.

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Sachverhalt

Sachverhalt:

 

Braunschweig ist bekanntlich Bienenhauptstadt. In der Schweiz wurden für Insekten und weitere Tierarten schon viele sogenannte „Lebenstürme“ aufgestellt, welche den unterschiedlichsten Tierarten Unterschlupf gewähren. Das Konzept wird wie folgt beschrieben:

Was ist ein Lebensturm?

Ein Lebensturm ist Artenförderung auf einem Quadratmeter und bietet verdichteten Wohnraum für verschiedene Tiere auf mehreren Etagen. Neben der ökologischen Leistung bereichert ein Lebensturm das Landschaftsbild und sensibilisiert den Betrachter auf das Thema.

Das Grundgerüst des Lebensturms besteht aus drei bis fünf Meter hohen Holzstangen, die zu einem Quadrat fixiert werden. Die Etagen des Turms werden mit unterschiedlichem Material bestückt. Außen am Gerüst gibt es Platz für verschiedene Tierwohnungen: Nistkästen für Höhlenbrüter, Wildbienenhotels, Fledermauskästen, Marienkäferhäuschen. Beim Lebensturm wird die vertikale Fläche als erweiterter Lebensraum für Nützlinge gewonnen.

Rundherum kann man den Turm mit Ranken bepflanzen. Zum Beispiel schätzen Vögel die Kletterpflanzen als Brutplatz und Nahrungsquelle. Geeignet sind etwa Efeu, Waldrebe, Geißblatt, Jungfernrebe (Wilder Wein), Blauregen, Pfeifenwinde oder Kletterrosen.

Wozu dient ein Lebensturm?

Der Lebensturm fördert die biologische Vielfalt. Insbesondere dient er der gezielten Schaffung von Lebensräumen für Nützlinge wie Flor- und Schwebfliegen, Marienkäfer, Ohrwurm, Schlupfwespe und viele weitere Arten. Igel, Vögel, Spinnen, Fledermäuse und Wildbienen finden im Turm ein Zuhause und leisten so ihren Beitrag zum ökologischen Gleichgewicht.

 

Biologische Vielfalt ins Bewusstsein rücken

Mit der Errichtung eines Lebensturms soll ein Zeichen gesetzt werden. Der Lebensturm dient als Symbol zur Erhaltung der biologischen Vielfalt. Lebenstürme sind in erster Linie umweltpädagogische Projekte. Sie können besonders dann auch eine positive Wirkung auf Flora und Fauna erzielen, wenn sich im Umfeld standortgerechte Wildblumen, Kräuter, Sträucher und Gräser befinden.

Weitere Informationen zu Lebenstürmen inklusive Baukonzepten, findet man zum Beispiel hier:

https://lebensturm.ch/

Der Archehof Schweiz, der bereits 48 Lebenstürme in der Schweiz aufgestellt hat, gibt auf seiner Webseite die Kosten für einen Lebensturm mit rund 2.800,00 CHF an, was umgerechnet rund 2.725,00 € entspricht. Die Verwaltung schätzt diese Kosten aufgrund der aktuellen Marktlage als eher zu niedrig ein, realistisch sind daher eher 4 bis 5 Tausend Euro pro Lebensturm.

Die Verwaltung schreibt dazu in der Vorlage 22-18051-01:

Nach Einschätzung der Verwaltung eignen sich die Lebenstürme in erster Linie als umweltpädagogisches Projekt. Eine spürbare Förderung der biologischen Vielfalt durch Errichtung eines Lebensturms ist aus Sicht der Verwaltung nicht zu erwarten. 

Allerdings kann ein Lebensturm durchaus einen nicht zu unterschätzenden umweltpädagogischen Wert darstellen und ist natürlich ein Prestigeobjekt und echter „Hingucker“. Aus Sicht der Verwaltung sollte die Aufstellung daher an Standorten erfolgen, an denen eine nachhaltige Begleitung des Projektes erfolgen kann, um z. B. über die Bereitstellung und den Erhalt von Habitaten, Austauschbeziehungen und Nahrungsgrundlagen zu informieren.

Besonders geeignet als Standorte wären daher beispielsweise der Schul- und Bürgergarten oder das Umfeld des Miscanthus-Labyrinthes im Westpark. Darüber hinaus wäre eine Aufstellung in Schulgärten von Umweltschulen denkbar.

Im Schul- und Bürgergarten wäre eine Kooperation mit dem dort ansässigen Regionalem Umweltbildung Zentrum Dowesee vorstellbar, der u. a. mit Schülern aller Altersstufen Informationen zu den Themen „Lebenselement Wasser, Lebenselement Boden, Naturerfahrung mit allen Sinnen“ anbietet. Ein Lebensturm könnte dieses Konzept sinnvoll ergänzen.

Im Miscanthus-Labyrinth befinden sich aktuell drei grüne Klassenzimmer in der Planungsphase. Diese sollen nach baulicher Errichtung für schulische oder sonstige pädagogische Veranstaltungen genutzt werden können. Dadurch soll zusätzlich ein wichtiger umweltpädagogischer Beitrag zum Thema Klimaschutz und nachwachsende Rohstoffe geleistet werden. Die Errichtung eines Lebensturmes in diesem Umfeld würde sich aus Sicht der Verwaltung ebenfalls anbieten.“

Weiter führt die Verwaltung aus:

„Der Organisator der Lebenstürme aus dem Rhein-Pfalz-Kreis empfiehlt aus der Erfahrung heraus, das Aufstellen von einem kleineren professionellen Team durchführen zu lassen, da alleine aufgrund der Größe des Turmes durchaus sicherheitsrelevante Aspekte zu berücksichtigen sind.

 

Die Verwaltung würde im Falle der Errichtung solcher Lebenstürme in Braunschweig daher die Materialien beschaffen und das Aufstellen übernehmen. Die Befüllung und Kontrolle der Lebenstürme kann sehr gut über Mitmach-Aktionen von z. B. Schulklassen oder engagierten Bürgerinnen und Bürgern erfolgen. Eine fachliche Beratung kann von der Verwaltung sichergestellt werden.“

Als Gruppe "Direkte Demokraten" setzen wir uns für den interfraktionellen Dialog ein und freuen uns daher sehr über konstruktive Ergänzungs- und Änderungsanträge!

 

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