Rat und Stadtbezirksräte

ALLRIS - Vorlage

Beschlussvorlage - 22-18809

Reduzieren

Beratungsfolge

Reduzieren

Beschlussvorschlag

Beschluss:

 

Der Verlegung sogenannter Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig im öffentlichen

Straßenraum vor dem in der Vorlage bezeichneten Grundstück wird zugestimmt.


 

Reduzieren

Sachverhalt

Sachverhalt:


Gemäß § 93 Abs. 1 Ziffern 5 und 10 des Niedersächsischen Kommunalverfassungsgesetzes

(NKomVG) in Verbindung mit § 16 Abs. 1 Ziffer 8 der Hauptsatzung der Stadt Braunschweig

vom 8. November 2011 in der derzeit geltenden Fassung entscheiden die Stadtbezirksräte

über die Aufstellung von Kunstwerken. Vorliegend handelt es sich bei der Verlegung

sogenannter Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig um derartige Kunstwerke.

Entsprechend dem Konzept des Projektes Stolpersteine enthalten jeweils neu zu verlegende

Steine den Namen der Opfer des Nationalsozialismus sowie kurze Angaben zum

Geburtsjahr und zum jeweiligen Schicksal.

Der Verein „Stolpersteine für Braunschweig e. V.“ hat die folgenden Daten zu der Person

ermittelt und der Verwaltung mitgeteilt:

 

 

Kohlmarkt 3-4

 

Alfred Littauer

Geboren: 19.12.1899 in Braunschweig-Riddagshausen

Lebenslauf/ Schicksal:   Alfred, auch Freddy genannt, war der Sohn von Nathan und Flora Littauer. Nach dem Tod seines Vaters im Jahre 1908 heiratete seine Mutter Bruno Mielziner, dessen Stiefsohn Alfred fortan war. Er arbeitete einige Jahre im Kaufhaus Hamburger & Littauer.

Ausbildung/ Beruf:   Er war Kaufmann, interessierte sich aber auch sehr für Kunst und Literatur.

Wohnort:    Bis 1930 lebte er in Braunschweig in der Jasperallee 35a (Wohnung von Flora und Bruno Mielziner), ab dem 6.9.1930 in Hannover.

Grund der Verfolgung:  Er wurde als Jude verfolgt.

Verfolgung:  Ab 3./4.9.1941 wurde er ins “Judenhaus” in Hannover gebracht und am 31.3.1942 nach Riga oder Warschau deportiert. Dort starb er 1944 entweder im Ghetto Riga oder in einem Vernichtungslager.

Verlegungsort:   Kohlmarkt 3-4 (ehemals “Hamburger & Littauer”)

Recherche durch:  Sozialistische Jugend Die Falken (als Reaktion auf die Bitte eines in den Niederlanden lebenden Mitglieds der Familie Mielziner)

 

 

 

Neuer Weg 9

 

Abraham Schipper

Geboren: 13.1.1893 in Zolynia/Galizien

Lebenslauf/ Schicksal:   Er lebte seit 1913 in Braunschweig.

Ausbildung/ Beruf:   Er war Kaufmann (Trödelhändler) mit einem Geschäft im Meinhardshof 7.

Wohnort:    Neuer Weg 9 

Grund der Verfolgung:  Er wurde als Jude verfolgt.

Verfolgung:  1938 zwang man ihn zur Geschäftsaufgabe. Am 4.7.1939 floh er nach Brüssel. Im Jahr 1942 wurde er von der deutschen Besatzung ins Sammellager Malines (Mechelen) und von dort am 04.08.1942 mit dem Transport I Nummer 469 in das KZ Auschwitz deportiert. Am 8.5.1945 wurde er für tot erklärt.

Verlegungsort:   Neuer Weg 9

Recherche durch:  Realschule John-F.-Kennedy-Platz

 

Rosa Schipper, geb. Munz

Geboren: 11.10.1895 in Rozniatow/Galizien

Lebenslauf/ Schicksal:   Sie lebte seit 1913 mit ihrem Mann Abraham in Braunschweig. Beide hatten drei gemeinsame Kinder.

Ausbildung/ Beruf:   unbekannt, vermutlich Hausfrau

Wohnort:    Neuer Weg 9 

Grund der Verfolgung:  Sie wurde als Jüdin verfolgt.

Verfolgung:  Sie floh mit ihrem Mann Brüssel und wurde mit ihm zuerst in das Sammellager Malines (Mechelen) und anschließend in das KZ Auschwitz deportiert. Auch sie wurde am 8.5.1945 für tot erklärt.

 

Verlegungsort:   Neuer Weg 9

Recherche durch:  Realschule John-F.-Kennedy-Platz

 

Bernhard Schipper

Geboren: 21.9.1919 in Braunschweig als Sohn von Abraham und Rosa Schipper

Lebenslauf/ Schicksal:   1935 wurde er wegen seines jüdischen Glaubens der Schule verwiesen, woraufhin er die Thoraschule in Frankfurt und eine jüdische Anlernwerkstatt in München besuchte.

Ausbildung/ Beruf:   unbekannt

Wohnort:    Neuer Weg 9 

Grund der Verfolgung:  Er wurde als Jude verfolgt.

Verfolgung:  Im April 1939 flüchtete er nach Enschede in den Niederlanden. Nach der Besetzung durch die Deutschen versteckte er sich mit seinem Bruder auf einem Dachboden bis zur Befreiung am 02.04.1945 durch die kanadische Armee. Anschließend wanderten beide in die USA aus.

 

Verlegungsort:   Neuer Weg 9

Recherche durch:  Realschule John-F.-Kennedy-Platz

 

Heinrich Schipper

Geboren: 20.1.1921 in Braunschweig als Sohn von Abraham und Rosa Schipper

Lebenslauf/ Schicksal:   

Ausbildung/ Beruf:   

Wohnort:     

Grund der Verfolgung:  Er wurde als Jude verfolgt.

Verfolgung:  Auch er wurde wegen seines jüdischen Glaubens von der Schule verwiesen und ging den weiteren schulischen Weg wie sein Bruder Abraham. Er floh 1939 mit ihm nach Enschede/ Niederlande, wo sie sich bis zur Befreiung durch die kanadische Armee auf einem Dachboden versteckten. Anschließend wanderte er gemeinsam mit Abraham in die USA aus.

Verlegungsort:   Neuer Weg 9

Recherche durch:  Realschule John-F.-Kennedy-Platz

 

Paula Schipper

Geboren: 20.1.1921 in Braunschweig als Zwillingsschwester von Heinrich

Lebenslauf/ Schicksal:   

Ausbildung/ Beruf:   unbekannt

Wohnort:    Neuer Weg 9

Grund der Verfolgung:  Sie wurde als Jüdin verfolgt.

Verfolgung:  Am 20.03.1939 emigrierte sie mit einer Jugendorganisation nach Dänemark und floh 1943 vor den Deutschen nach Schweden. Im Jahr 1945 wanderte sie nach Haifa in Israel aus.

Verlegungsort:   Neuer Weg 9

Recherche durch:  Realschule John-F.-Kennedy-Platz

 

 

Wolfenbütteler Straße 81

 

Edith Hildegard Salfeld, verh. Bremer

Geboren: 05.10.1907 in Braunschweig als Tochter von James und Henny Clara Salfeld

Lebenslauf/ Schicksal:   Sie war verheiratet mit dem Dipl. Ingenieur Adalbert Bremer, welcher Christ war. 1935 kehrte sie mit ihrem Mann nach Braunschweig zurück. Sie hatten drei gemeinsame Kinder.

Ausbildung/ Beruf:   nach 1945 Kauffrau

Wohnort:    Wolfenbütteler Straße 81

Grund der Verfolgung:  Sie wurde als Jüdin verfolgt.

Verfolgung:  Am 14. August 1940 musste sie zusätzlich den Vornamen Sara annehmen. Die Gestapo versuchte mehrmals eine “Evakuierung nach Polen” durchzuhren. 1945 sollte Edith schließlich deportiert werden. Die Deportation wurde jedoch zurückgestellt, da sie ihr drittes Kind erwartete. Sie flüchtete mit ihren Kindern in die Heide, wo sie sich bis Kriegsende sicher aufhalten konnten.

Verlegungsort:   Wolfenbütteler Straße 81

Recherche durch:  Realschule John-F.-Kennedy-Platz

 

Adalbert Bremer

Geboren: 07.06.1902 in Steyerberg

Lebenslauf/ Schicksal:   Er war verheiratet mit Edith. Adalbert starb am 3.8.1948 an Herzversagen als Folge des Lageraufenthalts und der Verfolgung seiner Familie.

Ausbildung/ Beruf:   Er war Diplom-Ingenieur aber verlor 1933 wegen der Ehe mit einer Jüdin seine Stellung bei AEG in Berlin. Ab 1935 war er Kaufmann und übernahm nach dem Tod seines Schwiegervaters dessen Geschäft in Braunschweig.

Wohnort:    Wolfenbütteler Straße 81

Grund der Verfolgung:  Er war verheiratet mit einer Jüdin.

Verfolgung:  Er wurde durch die Gestapo drangsaliert und schließlich am 15.11.1944 im Lager Blankenburg inhaftiert. Am 15. Januar 1945 brachte man ihn in das Lager Derenburg. Nach drei Monaten wagte er einen Fluchtversuch, welcher missglückte, sodass er für 48 Stunden in der Leopoldstraße in Braunschweig inhaftiert war und anschließend wieder in das Lager Derenburg gebracht wurde. Dort blieb er bis zum Kriegsende.

Verlegungsort:   Wolfenbütteler Straße 81

Recherche durch:  Realschule John-F.-Kennedy-Platz


 

Loading...

Erläuterungen und Hinweise