Rat und Stadtbezirksräte
Beschlussvorlage - 22-18809
Grunddaten
- Betreff:
-
Projekt "Stolpersteine 2022"
- Status:
- öffentlich (Vorlage freigegeben)
- Vorlageart:
- Beschlussvorlage
- Federführend:
- 41 Fachbereich Kultur und Wissenschaft
- Verantwortlich:
- Dr. Hesse
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
|---|---|---|---|---|
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●
Erledigt
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Stadtbezirksrat im Stadtbezirk 130 Mitte
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Entscheidung
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07.06.2022
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Sachverhalt
Sachverhalt:
Gemäß § 93 Abs. 1 Ziffern 5 und 10 des Niedersächsischen Kommunalverfassungsgesetzes
(NKomVG) in Verbindung mit § 16 Abs. 1 Ziffer 8 der Hauptsatzung der Stadt Braunschweig
vom 8. November 2011 in der derzeit geltenden Fassung entscheiden die Stadtbezirksräte
über die Aufstellung von Kunstwerken. Vorliegend handelt es sich bei der Verlegung
sogenannter Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig um derartige Kunstwerke.
Entsprechend dem Konzept des Projektes Stolpersteine enthalten jeweils neu zu verlegende
Steine den Namen der Opfer des Nationalsozialismus sowie kurze Angaben zum
Geburtsjahr und zum jeweiligen Schicksal.
Der Verein „Stolpersteine für Braunschweig e. V.“ hat die folgenden Daten zu der Person
ermittelt und der Verwaltung mitgeteilt:
Kohlmarkt 3-4
Alfred Littauer
Geboren: 19.12.1899 in Braunschweig-Riddagshausen
Lebenslauf/ Schicksal: Alfred, auch Freddy genannt, war der Sohn von Nathan und Flora Littauer. Nach dem Tod seines Vaters im Jahre 1908 heiratete seine Mutter Bruno Mielziner, dessen Stiefsohn Alfred fortan war. Er arbeitete einige Jahre im Kaufhaus Hamburger & Littauer.
Ausbildung/ Beruf: Er war Kaufmann, interessierte sich aber auch sehr für Kunst und Literatur.
Wohnort: Bis 1930 lebte er in Braunschweig in der Jasperallee 35a (Wohnung von Flora und Bruno Mielziner), ab dem 6.9.1930 in Hannover.
Grund der Verfolgung: Er wurde als Jude verfolgt.
Verfolgung: Ab 3./4.9.1941 wurde er ins “Judenhaus” in Hannover gebracht und am 31.3.1942 nach Riga oder Warschau deportiert. Dort starb er 1944 entweder im Ghetto Riga oder in einem Vernichtungslager.
Verlegungsort: Kohlmarkt 3-4 (ehemals “Hamburger & Littauer”)
Recherche durch: Sozialistische Jugend Die Falken (als Reaktion auf die Bitte eines in den Niederlanden lebenden Mitglieds der Familie Mielziner)
Neuer Weg 9
Abraham Schipper
Geboren: 13.1.1893 in Zolynia/Galizien
Lebenslauf/ Schicksal: Er lebte seit 1913 in Braunschweig.
Ausbildung/ Beruf: Er war Kaufmann (Trödelhändler) mit einem Geschäft im Meinhardshof 7.
Wohnort: Neuer Weg 9
Grund der Verfolgung: Er wurde als Jude verfolgt.
Verfolgung: 1938 zwang man ihn zur Geschäftsaufgabe. Am 4.7.1939 floh er nach Brüssel. Im Jahr 1942 wurde er von der deutschen Besatzung ins Sammellager Malines (Mechelen) und von dort am 04.08.1942 mit dem Transport I Nummer 469 in das KZ Auschwitz deportiert. Am 8.5.1945 wurde er für tot erklärt.
Verlegungsort: Neuer Weg 9
Recherche durch: Realschule John-F.-Kennedy-Platz
Rosa Schipper, geb. Munz
Geboren: 11.10.1895 in Rozniatow/Galizien
Lebenslauf/ Schicksal: Sie lebte seit 1913 mit ihrem Mann Abraham in Braunschweig. Beide hatten drei gemeinsame Kinder.
Ausbildung/ Beruf: unbekannt, vermutlich Hausfrau
Wohnort: Neuer Weg 9
Grund der Verfolgung: Sie wurde als Jüdin verfolgt.
Verfolgung: Sie floh mit ihrem Mann Brüssel und wurde mit ihm zuerst in das Sammellager Malines (Mechelen) und anschließend in das KZ Auschwitz deportiert. Auch sie wurde am 8.5.1945 für tot erklärt.
Verlegungsort: Neuer Weg 9
Recherche durch: Realschule John-F.-Kennedy-Platz
Bernhard Schipper
Geboren: 21.9.1919 in Braunschweig als Sohn von Abraham und Rosa Schipper
Lebenslauf/ Schicksal: 1935 wurde er wegen seines jüdischen Glaubens der Schule verwiesen, woraufhin er die Thoraschule in Frankfurt und eine jüdische Anlernwerkstatt in München besuchte.
Ausbildung/ Beruf: unbekannt
Wohnort: Neuer Weg 9
Grund der Verfolgung: Er wurde als Jude verfolgt.
Verfolgung: Im April 1939 flüchtete er nach Enschede in den Niederlanden. Nach der Besetzung durch die Deutschen versteckte er sich mit seinem Bruder auf einem Dachboden bis zur Befreiung am 02.04.1945 durch die kanadische Armee. Anschließend wanderten beide in die USA aus.
Verlegungsort: Neuer Weg 9
Recherche durch: Realschule John-F.-Kennedy-Platz
Heinrich Schipper
Geboren: 20.1.1921 in Braunschweig als Sohn von Abraham und Rosa Schipper
Lebenslauf/ Schicksal:
Ausbildung/ Beruf:
Wohnort:
Grund der Verfolgung: Er wurde als Jude verfolgt.
Verfolgung: Auch er wurde wegen seines jüdischen Glaubens von der Schule verwiesen und ging den weiteren schulischen Weg wie sein Bruder Abraham. Er floh 1939 mit ihm nach Enschede/ Niederlande, wo sie sich bis zur Befreiung durch die kanadische Armee auf einem Dachboden versteckten. Anschließend wanderte er gemeinsam mit Abraham in die USA aus.
Verlegungsort: Neuer Weg 9
Recherche durch: Realschule John-F.-Kennedy-Platz
Paula Schipper
Geboren: 20.1.1921 in Braunschweig als Zwillingsschwester von Heinrich
Lebenslauf/ Schicksal:
Ausbildung/ Beruf: unbekannt
Wohnort: Neuer Weg 9
Grund der Verfolgung: Sie wurde als Jüdin verfolgt.
Verfolgung: Am 20.03.1939 emigrierte sie mit einer Jugendorganisation nach Dänemark und floh 1943 vor den Deutschen nach Schweden. Im Jahr 1945 wanderte sie nach Haifa in Israel aus.
Verlegungsort: Neuer Weg 9
Recherche durch: Realschule John-F.-Kennedy-Platz
Wolfenbütteler Straße 81
Edith Hildegard Salfeld, verh. Bremer
Geboren: 05.10.1907 in Braunschweig als Tochter von James und Henny Clara Salfeld
Lebenslauf/ Schicksal: Sie war verheiratet mit dem Dipl. Ingenieur Adalbert Bremer, welcher Christ war. 1935 kehrte sie mit ihrem Mann nach Braunschweig zurück. Sie hatten drei gemeinsame Kinder.
Ausbildung/ Beruf: nach 1945 Kauffrau
Wohnort: Wolfenbütteler Straße 81
Grund der Verfolgung: Sie wurde als Jüdin verfolgt.
Verfolgung: Am 14. August 1940 musste sie zusätzlich den Vornamen Sara annehmen. Die Gestapo versuchte mehrmals eine “Evakuierung nach Polen” durchzuführen. 1945 sollte Edith schließlich deportiert werden. Die Deportation wurde jedoch zurückgestellt, da sie ihr drittes Kind erwartete. Sie flüchtete mit ihren Kindern in die Heide, wo sie sich bis Kriegsende sicher aufhalten konnten.
Verlegungsort: Wolfenbütteler Straße 81
Recherche durch: Realschule John-F.-Kennedy-Platz
Adalbert Bremer
Geboren: 07.06.1902 in Steyerberg
Lebenslauf/ Schicksal: Er war verheiratet mit Edith. Adalbert starb am 3.8.1948 an Herzversagen als Folge des Lageraufenthalts und der Verfolgung seiner Familie.
Ausbildung/ Beruf: Er war Diplom-Ingenieur aber verlor 1933 wegen der Ehe mit einer Jüdin seine Stellung bei AEG in Berlin. Ab 1935 war er Kaufmann und übernahm nach dem Tod seines Schwiegervaters dessen Geschäft in Braunschweig.
Wohnort: Wolfenbütteler Straße 81
Grund der Verfolgung: Er war verheiratet mit einer Jüdin.
Verfolgung: Er wurde durch die Gestapo drangsaliert und schließlich am 15.11.1944 im Lager Blankenburg inhaftiert. Am 15. Januar 1945 brachte man ihn in das Lager Derenburg. Nach drei Monaten wagte er einen Fluchtversuch, welcher missglückte, sodass er für 48 Stunden in der Leopoldstraße in Braunschweig inhaftiert war und anschließend wieder in das Lager Derenburg gebracht wurde. Dort blieb er bis zum Kriegsende.
Verlegungsort: Wolfenbütteler Straße 81
Recherche durch: Realschule John-F.-Kennedy-Platz
