Rat und Stadtbezirksräte
Anfrage (öffentlich) - 22-18930
Grunddaten
- Betreff:
-
WC-Anlagen in Braunschweig: Geschlechtergerechtigkeit ja, aber dann richtig
- Status:
- öffentlich (Vorlage freigegeben)
- Vorlageart:
- Anfrage (öffentlich)
- Federführend:
- 0100 Steuerungsdienst
- Verantwortlich:
- Fraktion BIBS im Rat der Stadt / Braunschweig, Bianca
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
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●
Erledigt
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Wirtschaftsausschuss
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zur Beantwortung
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14.06.2022
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Sachverhalt
Sachverhalt:
Kaum wurde die lang ersehnte WC-Anlage Südstraße im Kultviertel von Braunschweig im letzten Jahr eröffnet, häuften sich die Beschwerden über die Toilette. Bemängelt wurde, dass Männer kostenlos Urinale nutzen können, während Frauen bei der Nutzung einer klassischen Toilettenvorrichtung eine Kabine weiter 20 Cent bezahlen müssen. Sogar in das Satiremagazin extra 3 schaffte es der Toilettenkubus mit „gender-pee-gap“.
Nach der berechtigten Kritik vieler BraunschweigerInnen wurde die Kabine mit kostenlosem Zugang vor Kurzem mit einem Unisex-Urinal ausgestattet. Dieses soll, so die Idee, nun von allen Geschlechtern verwendet werden können. Da die Kabine abschließbar ist, daher die oft gewünschte Privatsphäre ermöglicht und einen sicheren Raum für Frauen bietet, ist diese Lösung möglicherweise ein erster Schritt zu Geschlechtergerechtigkeit bei der Benutzung der Toiletten.
Eine Benutzung dieser Unisex-Urinale durch körperlich beeinträchtige Menschen ist leider nicht möglich. Entsprechend fehlt hier der inklusive Gedanke, der doch erst kürzlich durch den beschlossenen „KAP“ als klares Ziel der Stadt Braunschweig formuliert wurde.
Bei der im letzten Jahr in Betrieb genommenen Toilettenanlage am Inselwall bietet sich leider weiterhin ein noch weniger geschlechtergerechtes und inklusives Bild. Dort kostet die klassische Toilette 20 Cent Nutzungsgebühr. Das danebenliegende Pissoir hingegen ist kostenlos und frei zugänglich, aber nur für Männer geeignet, die keine körperliche Beeinträchtigung haben. Im Gegensatz zur Anlage im Kultviertel wurde hier auf das Anbringen eines Unisex-Urinals verzichtet.
In Anbetracht der unterschiedlichen und ungerechten Situation der Toilettenanlagen stellt sich die Frage des wirtschaftlichen Nutzens und damit der Sinnhaftigkeit der Einnahmen in Höhe von 20 Cent je Toilettengang. Ein Verzicht auf diese Einnahmen könnte dafür sorgen, dass diese Ungleichbehandlung an Braunschweiger Toilettenanlagen ein Ende findet und jede/r NutzerIn das passende WC für sich findet.
Des Weiteren ist es unklar, ob für die weiteren im Stadtgebiet geplanten Toilettenanlagen die neueren Unisex-Urinale umgesetzt werden sollen, oder ob diese der traditionelleren Aufteilung der neuen Toilettenanlage am Inselwall gleichen.
Daher fragen wir:
- Wie hoch sind die aktuellen und zu erwartenden jährlichen Einnahmen der kostenpflichtigen WC-Kabinen an den jeweiligen neuen Standorten Inselwall und Südstraße?
- Wie hoch sind die jeweiligen jährlichen laufenden Kosten (Wartung, Reinigung, etc.) für a) die kostenpflichtigen Toiletten und b) die frei zugänglichen Pissoire an der Südstraße und am Inselwall?
- Wie hoch waren die tatsächlichen gesamten Kosten für Planung und Umbau der Toilettenkabine in der Südstraße zu einer abschließbaren Kabine mit Unisex-Urinal?
