Rat und Stadtbezirksräte

ALLRIS - Vorlage

Mitteilung - 22-19134

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Beratungsfolge

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Sachverhalt

Sachverhalt:

Die Stadtentwässerung der Stadt Braunschweig wurde zum 01.01.2006 privatisiert. Im Rahmen einer europaweiten Ausschreibung wurde die Stadtentwässerung Braunschweig GmbH (SE|BS) als Dienstleister beauftragt. Zu den Aufgaben der SE|BS gehören u.a. der Betrieb und die erforderlichen Investitionen in das Abwassernetz im Auftrag und in Abstimmung mit der Stadt Braunschweig.

 

Gemäß dem abgeschlossenen Abwasserentsorgungsvertrag (AEV) zwischen den Vertragsparteien stehen der SE|BS zur Umsetzung von Baumaßnahmen vertragliche Investitionsmittel zur Verfügung. Die bauliche Umsetzung und Planung von Baumaßnahmen erfordert die Freigabe der Investitionsplanung durch die Stadtverwaltung. Während der Planungs- und Realisierungsphase findet eine enge Abstimmung zwischen Stadtverwaltung und der SE|BS als Dienstleister statt.

 

In enger Abstimmung und nach Freigabe durch die Verwaltung, plant die SE|BS den Neubau des Hauptpumpwerks Ölper und die Erneuerung der Abwasserüberleitung zur Kläranlage, die als zwei eigenständige Projekte erfasst und im Folgenden erläutert werden.

 

 

Projekt 1: Neubau des Hauptpumpwerks 1 am Biberweg, Ölper

 

Im Fokus der Planung steht aktuell die Grunderneuerung des Hauptpumpwerks 1 am Biberweg im Stadtteil Ölper. Es handelt sich dabei um das zentrale und größte Abwasserpumpwerk in Braunschweig. Aufgrund des Alters, des Zustandes der technischen und baulichen Anlagen und einer fehlenden Notfallreserve (Redundanz) ist eine umfangreiche Erneuerung des Pumpwerks zwingend notwendig.

 

Die Durchführung der Arbeiten ist im laufenden Betrieb geplant. Eine Einschränkung der Abwasserentsorgung aus der Stadt Braunschweig ist nicht zu erwarten.

 

1.   Einführung in den Bestand

Das Pumpwerk 1 in Ölper ist das Haupt-Abwasserpumpwerk der Stadtentwässerung Braunschweig. Das Pumpwerk fördert ca. 90 % der Abwassermengen aus dem Stadtgebiet Braunschweig über eine rd. 6 km lange Abwassertransportleitung (DN 1500) zum Klärwerk Steinhof. Das derzeitige Pumpwerk besitzt eine hydraulische Pumpleistung von 60.000 /Tag.

 

Neben den Bauwerken der Pumpentechnik und den zugehörigen Transportleitungen, befinden sich auf dem Gelände des Pumpwerks ein Regenüberlaufbecken sowie diverse Nebengebäude. Die Komponenten des Pumpwerks haben die technische und wirtschaftliche Nutzungsdauer überschritten. Eine Sanierung der vorhandenen Technik und Bauwerke ist nicht mit finanziell vertretbarem Aufwand durchzuführen. Aufgrund des altersbedingten technischen und baulichen Zustands der Anlagen ist die grundlegende Erneuerung des PW 1 notwendig. Aktuell stehen im Falle eines Ausfalls des Pumpwerks u.a.  Notstromaggregate zur Verfügung, die eine Teilredundanz des Pumpwerkes ermöglichen. Im Zuge des Neubaus soll eine Vollredundanz geschaffen werden.

 

Bauwerke

An den Bauwerken des Pumpwerks Ölper liegen erhebliche bauliche Mängel vor. Dazu zählen:

  • bauliche Mängel am Pumpwerkgebäude
  • umfangreiche Korrosionsschäden an diversen wasserführenden Bauelementen
  • bautechnisch schlechter Zustand des Regenüberlaufbeckens
  • baulich bedingte Nichteinhaltung von Brand- und Arbeitsschutzvorschriften

 

Technik

Das PW Ölper und seine technische Ausstattung stammen aus dem Jahr 1957. Für die verbaute Pumpen-, Elektro-, Maschinen- und Steuerungstechnik sind teilweise keine Ersatzteile verfügbar, so dass Reparaturen an den vorhandenen Anlagen nur eingeschränkt glich sind. Das Baujahr bedingt zudem Defizite im Bereich der elektrotechnischen Anlagen, da diese nicht mehr den aktuell geltenden Vorschriften entsprechen.

 

Betrieb

Eine derzeitige Herausforderung im Bereich des Betriebsablaufs stellt die eingeschränkte Notfall-Redundanz dar. Im Falle eines Ausfalls der verbauten Technik, besteht nur eine eingeschränkte glichkeit die Funktionen des Hauptpumpwerkes Ölper kurzfristig zu kompensieren. Hierzu müssen im Notfall Notstromaggregate und Pumpen eingesetzt werden um einen sicheren Betrieb zu gewährleisten.

 

Die angesichts des technischen und baulichen Zustands dringend notwendige Sanierung des Hauptpumpwerks ist aufgrund des Zustandes und um langfristige Betriebsunterbrechungen zu vermeiden, nicht mit vertretbarem Aufwand möglich.

 

2.   Geplante Baumaßnahmen

Das Projekt 1 „Neubau des PW 1“ umfasst mehrere Einzelmaßnahmen, die nachfolgend vorgestellt werden.

 

Neubau Abwasserpumpwerk mit Sozialräumen

Das neue Pumpwerk wird als Doppelpumpwerk mit jeweils zwei eigenständigen Pumpwerken mit einer Gesamtleistung von 4,4 m³/s geplant (derzeit 2,83 m³/s). Die hydraulische Pumpkapazität des PW 1 erhöht sich damit um 55%. Die Ausführung mit zwei eigeständigen Pumpwerken ermöglicht störungsfreie Wartungs- und Reparaturarbeiten an den Pumpen, ohne Ausfall der Funktionsfähigkeit des Pumpwerks.

 

Im Obergeschoss des Pumpwerkgebäudes ist zudem die Errichtung neuer Sozialräume und sanitärer Einrichtungen geplant.

 

Neubau Regenüberlaufbecken

Das vorhandene Regenüberlaufbecken (RÜB) ist aufgrund von Standsicherheitsproblemen im Bereich der Bodenplatte erneuerungsbedürftig. Aktuell umfasst es ein Fassungsvolumen von 5.600 m³. Im Rahmen des RÜB Neubaus soll die Kapazität auf 6.000 m³ angehoben werden. Im Rahmen der Planungen wurden umfangreiche hydraulische Berechnungen durchgeführt. Eine größere Kapazitätserweiterung des RÜB ist aus technischer und wirtschaftlicher Sicht nicht sinnvoll. Zum einen wird die Pumpenleistung der Pumpen zukünftig erhöht, zum anderen ist der Zulauf hydraulisch beschränkt.

 

3.   Zukünftige Mitnutzung des Geländes durch Fachbereiche der Stadt Braunschweig

Neben der SE|BS nutzen auch verschiedene Fachbereiche der Stadt Braunschweig das Gelände. Dazu gehören der FB 67, FB 10, FB 32. Im Rahmen der Planungen werden alle betroffenen Fachbereiche involviert. Auch mit dem Neubau des Pumpwerkes verbleiben die FB mit Ihren (Teil)aufgaben auf dem Pumpwerksgelände.

 

4.   Aktueller Planungsstand (wird fortlaufend aktualisiert)

Aktuell befindet sich das Projekt in der Leistungsphase 3 (Entwurfsplanung). Die grundsätzlichen Entscheidungen zur Objektanordnung und Dimensionierung sind weitestgehend abgeschlossen.

 

Zeitraum

Der Baubeginn ist aktuell für das Jahr 2025 anvisiert. Aufgrund der aktuell sehr angespannten Lage am Markt (Baupreissteigerungen, Baufirmenverfügbarkeit, Fachkräftemangel) ist eine Verschiebung des Realisierungszeitraums nicht auszuschließen.

 

Kosten

Aktuell wird in einer Schätzung mit Kosten in Höhe von ca. 28 Mio. € gerechnet. Die Kosten dafür sind im Rahmen der Haushaltsplanung einkalkuliert und abgedeckt. Angesichts der aktuell dynamischen Marktlage in der Baubranche sind potenzielle Kostensteigerungen aufgrund von Materialpreissteigerungen sowie mangelnder Firmenverfügbarkeit grundsätzlich nicht auszuschließen.

 

 

Projekt 2: Abwassertransportleitung zum Klärwerk Steinhof

 

Im Anschluss an die Pumpwerkerneuerung sind umfangreiche Baumaßnahmen an den Abwassertransportleitungen zum Klärwerk Steinhof geplant. Aktuell findet die Vorplanung mit Variantenvergleich statt. Nach Festsetzung der Variante und Vorliegen detaillierterer Planungsunterlagen, erfolgt eine gesonderte Mitteilung an den AMTA, die dann eine Kostenschätzung und Zeitplanung enthält.

 

1.   Einführung in den Bestand

Aktuell führen drei verschiedene Leitungen vom PW 1 in Ölper zur Kläranlage in Steinhof. Die Abwasserhauptleitung ist dabei eine Freigefälleleitung Baujahr 1992 mit 1,5 m Durchmesser. Neben der Hauptleitung existieren 2 Leitungen aus den Jahren 1895 und 1957, die aktuell z.T. als Notreserve genutzt werden.

 

Leitungsart

Durchmesser

Baujahr

Funktion

Freigefälleleitung

DN 1500

1992

Regelbetrieb

Druckleitung

DN 800

1895

Notbetrieb / Reserve

Freigefälleleitung

DN 1000

1957

Notbetrieb / Reserve

 

Der genaue Zustand der beiden älteren Leitungen ist aufgrund der baulich schwierigen Zugänglichkeit der Anlagen aktuell nicht näher bekannt. Das Alter lässt jedoch auf einen mindestens sanierungsbedürftigen Zustand schließen.

 

Die aktuelle Hauptleitung DN 1500 bedarf in den nächsten 10-15 Jahren einer umfangreichen Sanierung, da verschiedene Abwasserbestandteile im Verlauf der Jahre zu Korrosionsschäden am Stahlbeton des Kanals führen. Die beiden Reserveleitungen DN 800 und DN 1000 bieten aktuell bereits die Option der Teilredundanz. Die Reserveleitungen können hydraulisch die aktuelle Hauptleitung nicht vollständig kompensieren, da die Leistungsfähigkeit nicht proportional zum Durchmesser steigt.

 

Um der Herausforderung für den Sanierungszeitraum und zukünftigen Wartungs- und Reparaturarbeiten gerecht werden zu können, ist es das Ziel aller Planungsbeteiligten eine vollständige Redundanz für die DN 1500 Abwassertransportleitung zu schaffen. Aktuell ist die Entwicklung einer Vorzugsvariante Betrachtungsgegenstand in der Vorplanung. Dabei sollen verschiedene bauliche Vorgehensweisen grundsätzlich überprüft und hinsichtlich ihrer Umsetzbarkeit bewertet werden.

 

2.   Entwicklung eines Erneuerungskonzepts

Die Bewertung der verschiedenen Varianten erfolgt unter verschiedenen Gewichtungspunkten, die gemeinsam von einem externen Ingenieurbüro, der Stadtverwaltung Braunschweig sowie der SE|BS festgelegt wurden. Es werden derzeit verschiedene bauliche Vorgehensweisen geprüft, die ggf. auch miteinander kombinierbar wären, wie die Sanierung von Leitungen, der Neubau von Leitung (Freigefälle/Druckleitung), Umstellung der Betriebsart (Freigefälle/Druckleitung), Prüfkriterien sind dabei u.a. die bauliche Umsetzbarkeit, rechtliche Aspekte, die Betriebsführung, Besitzverhältnisse/ Leitungsrechte sowie die Wirtschaftlichkeit der Varianten unter Bau- und Betriebskostensicht.

 

3.   Aktueller Planungsstand (wird fortlaufend aktualisiert)

Momentan befindet sich das Projekt in der Vorplanung. Eine endgültige Entscheidung für eine Vorzugsvariante steht noch aus.

 

Zeitraum

Nach aktuellem Planungsstand ist die Umsetzung der Vorzugsvariante nach dem Neubau des PW vorgesehen. Aufgrund der aktuell sehr angespannten Lage am Markt (Baupreissteigerungen, Baufirmenverfügbarkeit, Fachkräftemangel) ist eine Verschiebung des Realisierungszeitraums nicht auszuschließen.

 

Kosten

Da aktuell noch keine endgültige Variantenentscheidung getroffen wurde, ist auch noch keine Aussage zu den Projektkosten möglich.

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Anlagen

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