Rat und Stadtbezirksräte
Anfrage (öffentlich) - 22-19274
Grunddaten
- Betreff:
-
Die Stricknadelfalle - oder wie in Braunschweig der "Polizei-Computer" erfunden wurde
- Status:
- öffentlich (Vorlage freigegeben)
- Vorlageart:
- Anfrage (öffentlich)
- Federführend:
- 0100 Steuerungsdienst
- Verantwortlich:
- Gruppe Direkte Demokraten im Rat der Stadt
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
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Erledigt
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Ausschuss für Kultur und Wissenschaft
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zur Beantwortung
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06.10.2022
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Sachverhalt
Sachverhalt:
1965 wurde vom Braunschweiger Wilhelm Bode der erste analoge Polizei-Computer erfunden.
Die Geschichte dazu wird im Buch „Polizei im Rückspiegel – die Geschichte der Polizeidirektion Braunschweig“ von Volker Dowidat wie folgt beschrieben:
„Anfang 1965 sann der Braunschweiger Kriminaloberkommissar Wilhelm Bode darüber nach, wie er die Stammkunden der Polizei besser erfassen könnte.
Bisher wurden die Merkmale wie Gewicht, Geschlecht, Größe, Haarfarbe, besondere Merkmale, Arbeitsweise bei der Tatausführung usw. in den Akten niedergeschrieben.
Bei neu auf den Tisch gekommenen Anzeigen war der Kriminalist nun gefordert, durch Lesen dieser Anzeigen die in seinem Gedächtnis vorhandenen Auffälligkeiten abzugleichen, in den Akten gegebenenfalls zu überprüfen und so einen Hinweis auf den möglichen Täter zu erhalten. Ein mühsames, langwieriges und nicht gerade erfolgreiches Verfahren. Es fehlte an einer Systematik.
Wilhelm Bode hatte eine Idee: Er nahm einen Schuhkarton und stibitzte seiner Gattin mehrere Stricknadeln. In Karteikarten schnippelte er an bestimmten Stellen kleine Rechtecke und Streifen. Der Schuhkarton wurde an beiden Enden mit exakt gegenüberliegenden Löchern versehen. Durch diese Löcher im Karton und die einsortierten Karteikarten steckte Wilhelm Bode nun die Stricknadeln. Als der Karton nun auf den Kopf gestellt wurde, fiel eine bestimmte Karteikarte nach unten. Sie war an bestimmen Stellen mit Löchern versehen worden.
In diesem Versuch war der gesuchte Ganove männlich, zwei Meter groß und rothaarig. Diese Merkmale waren als Langloch in seine Karteikarte geschnitten worden. Steckte man diese Karte zwischen andere „Verdächtige“, die z.B. weiblich, 1,60 Meter groß und schwarzhaarig waren, fiel beim Umdrehen des Schuhkartons nur diese eine Karte nach unten.
Das Prinzip wurde verfeinert und schon bald wagte es Wilhelm Bode die Erfindung seinen Vorgesetzten zu präsentieren. Skeptisch, aber doch bereit, gaben sie ihr Einverständnis und schließlich wurde eine Firma gefunden, die das Prinzip auf professionelle Weise löste. 5000 verschiedene Merkmale hatte Bode in monatelanger Kleinarbeit in sechsstellige Codezahlen verschlüsselt.
Akten von Gewohnheitsverbrechern und unaufgeklärten Mordfällen wurden auf diese Weise neu aufgerollt. Bestimmte Merkmale von bekannten Straftätern, wie Dialekte, Spitznamen, Tätowierungen, bevorzugte Werkzeuge und andere Auffälligkeiten wie Hinken oder bevorzugte Zigarettenmarke, ob er Jägerlatein oder Seemannsflüche beherrschte, wurden mit einer speziellen Maschine in die Karteikarten eingestanzt.
Zur Auswertung wurden nach dem gleichen Prinzip Nadeln hindurchgeschoben, und auf einem Rütteltisch fiel schließlich die Karte nach unten, die den Hinweis auf den möglichen Täter lieferte. Eine Fachkraft konnte auf diese Weise bis zu 50 000 Karten pro Stunde auswerten.
Gewohnheitsverbrechern blieb kaum eine Chance, sobald ihre Karteikarte in dieser Nadelfalle hing. Die „WiBo“-Maschine war viele Jahre erfolgreich in Betrieb. Erst mit dem Siegeszug der elektronischen Datenverarbeitung verlor sie an Bedeutung.
Der Schuhkarton mit den Stricknadeln ist noch erhalten. Er befindet sich in der „Polizeigeschichtlichen Sammlung Niedersachsen“ in Hannover.“
Braunschweig ist bekanntlich die „Stadt der Wissenschaft“, doch diese bedeutende Erfindung mit großem Einfluss auf die Kriminalistik wird bisher noch an keiner Stelle der Stadt ansprechend gewürdigt.
Daher fragen wir für einen Freund und Helfer:
Welche Möglichkeiten sieht die Verwaltung, die Erfindung des analogen Polizei-Computers durch Kriminaloberkommissar Wilhelm Bode in Braunschweig angemessen zu würdigen?
Anlagen
| Nr. | Name | Original | Status | Größe | |
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1
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(wie Dokument)
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1,6 MB
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