Rat und Stadtbezirksräte

ALLRIS - Vorlage

Anfrage (öffentlich) - 22-19415

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Sachverhalt

Sachverhalt:

Im Energiesparprogramm der Stadtverwaltung wird geplant, die Temperatur in den Schulen bis auf 19 Grad zu senken, sobald die rechtliche Grundlage dafür geschaffen ist.

Dass wir gemeinschaftlich daran arbeiten müssen, dringend Energie zu sparen, ist uns allen klar, jedoch ist fraglich, ob kalte Klassenräume wirklich das einzige Mittel dafür sind. Bleibt es bei 19 Grad in den Klassenräumen, stellt diese Temperatur grundsätzlich keine Gesundheitsgefahr dar. Allerdings werden die zu erwartenden erneut steigenden Infektionszahlen von Covid-19 im Herbst und Winter wieder zum Verfahren des intermittierenden Stoßlüftens führen, sodass diese 19 Grad zwischen den Phasen des Lüftens wohl nicht erreicht werden können und es gegebenenfalls noch kälter in den Klassenräumen wird.

Bereits in den vergangenen Wintern froren viele SchülerInnen während des Unterrichts, wo sie ruhig sitzen und sich konzentrieren sollten. Die Phasen zwischen dem Lüften konnten genutzt werden, um sich wieder aufzuwärmen. Reduziert man nun die Temperatur auf 19 Grad, so besteht kaum eine Möglichkeit, diese nach den Phasen des Stoßlüftens auch wieder zu erreichen, da die Raumlufttemperatur zuvor rapide abgesunken ist. Durchgehend kalte Klassenräume und Kinder und Lehrkräfte, die in Daunenmantel und Mütze an den Schultischen sitzen müssen, könnten die Folge sein. Was Erwachsenen an ihren Arbeitsplätzen sicher zugemutet werden kann, sollte für SchülerInnen genauestens geprüft werden. Lernen im Zuge der Pandemie war schon in den vergangenen beiden Jahren eine große Herausforderung und die Kinder sollten nun die Möglichkeit bekommen, ihre entstandenen Wissenslücken zu füllen.

Noch mehr Frieren in den Klassenräumen sollte dabei sicher nicht der einzig mögliche Weg sein. Der Verband der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, der der Träger der gesetzlichen Schülerunfallversicherung ist, gibt in seinen Empfehlungen für gesundheits- und lernfördernde Klassenzimmer eine Mindesttemperatur von 20 Grad an, damit die SchülerInnen im ruhigen Sitzen am Platz gut lernen können.1

Energiesparen in den Schulen - das muss auch anders gehen! Einfach umzusetzende Maßnahmen wären der konsequente Einsatz von Energiesparlampen, die Neuanschaffung von energiesparenden Geräten, das Ausschalten von Druckern, Computern und anderen Geräten in Zeiten der Nichtbenutzung oder eine Beleuchtung mit Bewegungsmeldern. Ein weiterer langfristigerer Schritt wäre die dringend notwendige weitere energetische Sanierung vieler Schulen und deren Ausstattung mit Photovoltaikanlagen. So produziert beispielsweise die Wilhelm-Bracke-Gesamtschule in Braunschweig mit einer großen PV-Anlage mehr Energie als im Schulgebäude benötigt wird. Daneben sorgen Maßnahmen wie eine gute Wärmedämmung, Lüftungssteuer und Dreifachverglasung der Fenster im Schulneubau dafür, dass die Schule als CO2-neutral gilt und extrem energiesparend ist.2 Dies sollte wegweisend für alle Schulen in Braunschweig gelten.

Wir fragen daher:

1. Welche der oben genannten Energiesparmöglichkeiten in den Schulen hat die Verwaltung neben der Reduzierung des Heizens bereits geprüft und zu welchem Ergebnis ist sie gelangt?

2. Wie möchte die Verwaltung sicherstellen, dass die Konzentration der SchülerInnen erhalten bleibt und diese in den Klassenräumen nicht stark frieren?

3. Wie kann an anderer Stelle (entfernt von Räumen für Kindern und Jugendlichen) mehr Energie eingespart werden, um in den Schulen normale Temperaturen für eine angenehme Lernatmosphäre zu erhalten?

 

1 DGUV Information 202-090 (2018): Klasse(n) – Räume für Schulen. Empfehlungen für gesundheits- und lernfördernde Klassenzimmer, S. 25.

2 phovo.de: Klimaschutz in Braunschweig: Wilhelm-bracke-Gesamtschule installiert PV-Anlage, https://www.phovo.de/braunschweig/klimaschutz-in-braunschweig-wilhelm-bracke-gesamtschule-installiert-pv-anlage [abgerufen am 18.08.2022]. 

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