Rat und Stadtbezirksräte

ALLRIS - Vorlage

Beschlussvorlage - 22-19287

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Beratungsfolge

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Beschlussvorschlag

Beschluss:

Frau Renate Wagner-Redding wird in Würdigung ihrer besonderen Verdienste um die Stadt Braunschweig das Ehrenbürgerrecht verliehen.

 

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Sachverhalt

Sachverhalt:


1. Gemäß § 29 Abs. 1 des Niedersächsischen Kommunalverfassungsgesetzes (NKomVG) kann die Stadt Braunschweig Personen, die sich um die Stadt besonders verdient gemacht haben, das Ehrenbürgerrecht verleihen. Über die Verleihung entscheidet nach § 58 Abs. 2 Nr. 3 NKomVG der Rat der Stadt Braunschweig.

 

2. Frau Renate Wagner-Redding ist seit 1993 ehrenamtliche Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde. Darüber hinaus ist sie im Vorstand der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, als Delegierte des Landesverbandes im Zentralrat der Juden in Deutschland, im Kuratorium der Max-Jüdel-Stiftung, im Israel-Jacobson-Netzwerk sowie im Ecclesia und Synagoga/Arbeitskreis Juden und Christentig. Die Jüdische Gemeinde ist zudem Mitglied in der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit.

 

Sie lebt seit 1955 in Braunschweig und steht den rund 200 Mitgliedern ihrer Gemeinde, zu denen auch zahlreiche Jüdinnen und Juden aus der ehemaligen Sowjetunion gehören, stets mit Rat und ganz konkreter Hilfe zur Seite. Frau Wagner-Redding setzt sich gemeinsam mit den Vorstandsmitgliedern für das jüdische Leben als Teil der Braunschweiger Stadtgesellschaft ein. Sie sorgt dafür, dass die Jüdische Gemeinde ein fester Bestandteil des vielfältigen religiösen Lebens in Braunschweig ist.

 

Als die nur knapp 20 Quadratmeter große Synagoge zu klein für die wachsende Gemeinde wurde, hat sie sich besonders um den Bau der Synagoge in Braunschweig verdient gemacht, der 2006 eingeweiht wurde. Dafür hat sie unter anderem finanzielle Mittel aus öffentlichen Geldern angeworben.

 

Die Synagoge ist nicht zuletzt durch ihren Einsatz gleichermaßen zum religiösen Zentrum und kulturellen Veranstaltungsort geworden. Von der großen Bandbreite kultureller Veranstaltungen profitieren alle Braunschweiger Bürgerinnen und Bürger. Dort werden neben jüdischen Feier- und Gedenktagen auch Vorträge, Ausstellungen und Konzerte angeboten, die immer wieder den Austausch zwischen den Religionen voranbringen. Ein Beispiel sind die außergewöhnlichen Konzerte herausragender Künstlerinnen und Künstler, die vom Zentralrat der Juden in Deutschland vermittelt werden. Die Organisation dieser Konzerte obliegt der Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde, Frau Wagner-Redding. Sie versteht es immer wieder in besonderer Weise, Kultur als Mittel des Dialoges zwischen den Religionen einzusetzen.

 

Auch Neujahrsempfänge werden von Frau Wagner-Redding organisiert. Umgekehrt wird sie als Vorsitzende zu Empfängen anderer Institutionen eingeladen, zum Beispiel der Stadt Braunschweig, an denen sie im Rahmen ihrer jüdischen und interkonfessionellen Öffentlichkeitsarbeit teilnimmt, die sie für die Jüdische Gemeinde organisiert.

 

Seit Jahrzehnten ist Frau Wagner-Redding aktiv an der Ausgestaltung des Gedenkens an die Pogromnacht beteiligt. Ihr besonderes Anliegen ist die Einbeziehung ngerer Menschen, insbesondere von Schülerinnen und Schülern, in die gemeinsame Gedächniskultur sowie der Dialog zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Gruppierungen. Dabei schärft sie das kritische Denken, warnt vor Gleichgültigkeit gegenüber antidemokratischen Kräften und zeigt die Gefahren auf, dass rund 20 Prozent der Bevölkerung in Deutschland antisemitische Einstellungen teilen. Auch bei der Gestaltung weiterer Gedenktage wie dem Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar bringt sie sich engagiert ein.

 

Darüber hinaus bietet sie Führungen in der Synagoge und auf dem jüdischen Friedhof an und empfängt Schülergruppen. Auch externe Besucherinnen und Besuchernnen etwa einen Gottesdienst besuchen, denn ein offenes Gemeindewesen ist ihr ebenso wichtig wie der Zusammenhalt innerhalb der Jüdischen Gemeinde und ihrer Mitglieder.

 

Bei ihrem Amtsantritt 1993 hatte die Gemeinde 80 Mitglieder. Seit der Zuwanderung von Bürgerinnen und rgerdischen Glaubens aus den GUS-Staaten ist die Zahl stetig gestiegen. Zur Integration dieser neuen Mitglieder in die Stadtgesellschaft hat Frau Wagner-Redding einen großen Beitrag geleistet. Sie hat in der Gemeinde Deutschkurse angeboten, sowohl für Erwachsene als auch für Kinder und Jugendliche. Darüber hinaus hat sie sich in den Schulen dafür eingesetzt, dass die jungen Menschen eine gute schulische Ausbildung erhalten.

 

Frau Wagner-Redding macht sich für die Verständigung mit anderen Religionsgemein-schaften stark, so beispielsweise mit den muslimischen und den christlichen Gemeinden. Sie nimmt auch an den Neujahrsempfängen sowie an den Fastenbrechen der muslimischen Glaubensgemeinschaften teil, empfängt Bischöfe, um mit den anderen Religionsgemeinschaften im Dialog zu bleiben und sich mit ihnen auszutauschen.

 

Zu den Aufgaben als Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde gehören auch Treffen mit Lokalpolitikerinnen und -politiker, Teilnahme an Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen sowie die Organisation und Durchführung von Literaturveranstaltungen.

 

r sie ist es nicht nur wichtig, den Menschen das Judentum näherzubringen, sondern auch Andersdenkenden gegenüber respektvoll und tolerant zu sein, einander auf Augenhöhe zu begegnen. Bei schweren Konflikten in Israel und im Nahen Osten werden beispielsweise den muslimischen Gemeinden Beileidsbekundungen übermittelt oder Meinungen ausgetauscht.

 

Frau Wagner-Redding zählte zu den Gründungsinitiatoren des Vereins „Stolpersteine für Braunschweig“, der in Kooperation mit Schulen die Geschichte unserer Bürgerinnen und Bürger jüdischen Glaubens während des NS-Regimes mit großem Erfolg recherchiert. Sie ist Mitglied des „Runden Tisches gegen Rassismus, Antisemitismus und Diskriminierung“, der gemeinsam mit der Evangelisch-Lutherischen Propstei und der Stadt Braunschweig im Sommer des vergangenen Jahres ins Leben gerufen wurde. Auch die Solidaritäts-bekundungen gegenüber der Ukraine unterstützt sie stets.

 

Bereits 2012 erhielt Frau Wagner-Reddingr ihr langjähriges Engagement um die jüdische Gemeinschaft und die christlich-jüdische Verständigung das Bundesverdienstkreuz am Bande.

 

Renate Wagner-Redding wäre neben den jetzigen Ehrenbürgern Gerhard Glogowski, Richard Borek und Sally Perel nach Martha Fuchs, der 1964 die Ehrenbürgerwürde verliehen wurde, die zweite Ehrenbürgerin der Stadt Braunschweig.

 

Frau Wagner-Redding hat durch ihr persönliches unermüdliches ehrenamtliches Engagement einen außerordentlich wichtigen Beitrag zum gesellschaftlichen Dialog und zu einem friedlichen Zusammenleben von Christeninnen und Christen, Jüdinnen und Juden sowie Musliminnen und Muslime in Braunschweig geleistet. Sie hält nicht nur die Erinnerung an die Zeit der Verfolgung jüdischer Bürgerinnen und Bürger während des Nationalsozialismus für eine historische Verpflichtung, sondern sie trägt durch ihr interreligiöses Wirken in Braunschweig zum besseren Verständnis der Menschen und Religionen bei. Mit ihrem Namen ist verbunden, dass es wieder ein aktives jüdisches Leben in Braunschweig gibt. Durch ihr Wirken für das jüdische Leben in unserer Stadt setzt sie ein Zeichen, das Mut macht, sich entschlossen gegen Antisemitismus und Rechtspopulismus in der Gesellschaft zu behaupten.

 

Vor diesem Hintergrund wird vorgeschlagen, Frau Renate Wagner-Redding das Ehrenbürgerrecht zu verleihen.

 

Die Übertragung der Ehrenbürgerwürde wird im Rahmen eines städtischen Empfangs erfolgen.

 

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Anlagen

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