Rat und Stadtbezirksräte
Anfrage (öffentlich) - 22-19576
Grunddaten
- Betreff:
-
Alles muss raus? - Wie zügig soll die Rückgabe kolonialer Beutekunst in einen aktuellen Stammeskonflikt ablaufen?
- Status:
- öffentlich (Vorlage freigegeben)
- Vorlageart:
- Anfrage (öffentlich)
- Federführend:
- 0100 Steuerungsdienst
- Verantwortlich:
- AfD-Fraktion im Rat der Stadt / Wirtz, Stefan
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
|---|---|---|---|---|
|
●
Erledigt
|
|
Ausschuss für Kultur und Wissenschaft
|
zur Beantwortung
|
|
|
|
06.10.2022
|
Sachverhalt
Sachverhalt:
Im Zusammenhang mit der Rückgabe der Benin-Bronzen hat sich zuletzt eine neue Entwicklung abgezeichnet: laut Presseberichten war schon früher umstritten, ob die Gegenstände dem Staat Nigeria, einer Regionsregierung, einer Institution oder Einzelpersonen ausgehändigt werden sollen; aktuell zeichnet sich jedoch ab, dass die Bronzen aus Metallen gefertigt wurden, mit denen zuvor die Bezahlung für Sklaven an afrikanische Mittelsmänner geleistet worden war, die als Beutekunst eingeordneten Artefakte also an Nachfahren von Profiteuren des afrikanischen Sklavenhandels zurückgegeben werden müssten. (https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/edition/benin-bronzen-streit-um-die-kunst-der-sklavenhaendler-18248578.html)
Hier wird klar, dass im Rahmen dieser Restitution zwar rechtmäßige Eigentümer ermittelt werden können, die ethische Herkunft und weitere Verwendung solcher Rückgaben aber durchaus weniger deutlich ist.
In den vergangenen Monaten bereiste eine Delegation unter Vorsitz des Königs von Fontem, Asabaton Fontem Njifua, mehrere europäische Länder und auch Städte in Deutschland, in deren Museen auch Artefakte kamerunischer Herkunft katalogisiert sind, darunter Braunschweig.
Anlässlich der Diskussion zur Rückgabe eines sogenannten Lefem im Rautenstrauch-Joest-Museum Köln äußerten Delegationsmitglieder, dass der seit 2016 schwelende Konflikt zwischen den separatistischen "Amba Boys" und den Regierungstruppen seinen Schwerpunkt im Gebiet Fontem hat; die Rückkehr des "Lefem"-Objektes solle den Bewohnern "Hoffnung geben" und den "Krieg beenden", das Königreich Fontem solle nach langer Stagnation "wieder wachsen".
Auf Fragen nach dem geplanten weiteren Verbleib dieses Objektes antworteten die Vertreter Fontems recht vage mit Formulierungen, dass der Lefem "heimkehre", in "seine natürliche Umgebung" (https://www.youtube.com/watch?v=wor5ue-TPqg&t=6923s, Antworten auf Zuhörerfragen). Auch wenn in diesem Fall die Eigentumsverhältnisse klar scheinen, wären Verbleib und weitere Verwendung dieser Rückgabe nicht eindeutig absehbar.
Laut BZ-Artikel vom 14.07. (https://www.braunschweiger-zeitung.de/kultur/article235899573/Koenig-aus-Kamerum-will-seine-Schaetze-von-Braunschweig-zurueck.html) besuchte die Delegation Braunschweig, um zunächst 3 Artefakte zu identifizieren, die hier bereits als dem Königshaus Fontem zugehörig erkannt waren. Bei diesem Anlass wurden zusätzlich 43 weitere Gegenstände in diesen Zusammenhang eingeordnet, was offenbar vorher noch nicht eindeutig feststand. Die Museumsexpertin Isabella Bozsa wird etwas irritierend auf die Frage, ob nun alle 46 Objekte zurückgegeben werden sollen, mit der Antwort "das hoffe ich doch sehr!" zitiert.
Dafür wäre aber unter anderem noch ein Ratsbeschluss notwendig.
Unsere Fragen dazu:
- sind alle 43 Gegenstände für die Museumsexperten erkennbar und plausibel nachvollziehbar als höfische Fontem-Objekte identifiziert? (bitte die Objekte einzeln mit einer Kurzbeschreibung auflisten und das jeweilige Eigentumsmerkmal benennen)
- ist die Möglichkeit von Ansprüchen Dritter auf diese Objekte (z.B. andere Zweige der Königsfamilie oder Vorbesitzer/Hersteller) eindeutig ausgeschlossen?
- werden diese Objekte nach dem Prinzip des "digitalen Zwillings" für weitere Forschungen vor ihrer Rückgabe noch katalogisiert/digitalisiert?
