Rat und Stadtbezirksräte
Anfrage (öffentlich) - 22-20128
Grunddaten
- Betreff:
-
Ein Hundebrunnen in Gedenken an "Harras - der erste Polizeihund Deutschlands"
- Status:
- öffentlich (Vorlage freigegeben)
- Vorlageart:
- Anfrage (öffentlich)
- Federführend:
- 0100 Steuerungsdienst
- Verantwortlich:
- Gruppe Direkte Demokraten im Rat der Stadt
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
|---|---|---|---|---|
|
●
Erledigt
|
|
Ausschuss für Planung und Hochbau
|
zur Beantwortung
|
|
|
|
07.12.2022
|
Sachverhalt
Sachverhalt:
Diese Anfrage ist etwas umfangreicher, da sie drei Ideen miteinander sinnvoll verknüpft: das Gedenken an Harras, den ersten Polizeihund Deutschlands, den Vorschlag, einen Hundebrunnen in Braunschweig einzurichten, und die Finanzierung eines solchen Brunnens durch kommunales Crowdfunding.
Daher zunächst zu Harras. Wie sicherlich alle wissen, ist der Polizeihund eine Innovation aus Braunschweig. Die Geschichte dazu beschreibt Volker Dowidat wie folgt:[1]
„Polizeiinspektor Heinrich Bussenius entsprach wahrscheinlich unserer Vorstellung eines alten Schutzmanns: ein gewaltiger Schnurbart, wohlgenährt und scheinbar nicht aus der Ruhe zu bringen. Doch Letzteres traf wohl nicht zu, ein eher unruhiger Geist schien er gewesen zu sein, ständig auf der Suche nach Neuerungen. Ihm hat die Polizei die vierbeinigen Kollegen zu verdanken, deren Aufgaben heute so vielfältig sind.
Heinrich Bussenius hatte sich schon immer mit der Zucht von Hunden beschäftigt. Das Abrichten von Hunden war seine große Leidenschaft. Jagdhunde waren schon lange bekannt und Hunde, die zum Schutz von Haus und Hof verwendet wurden, waren auch nicht neu. Doch Bussenius machte sich den besonderen Spürsinn der Tiere zu Nutze und bildete sie für den polizeilichen Zweck aus.
1903 wurden erstmals Hunde in den Dienst der Polizei gestellt - in Braunschweig.
Spektakulär trat er im Sommer 1904 mit seinem Schäferhund „Harras“ in Erscheinung. Auf einem Bauernhof in der Nähe von Königslutter war ein elfjähriges Mädchen einem Sexualmord zum Opfer gefallen. Der Verdacht richtete sich schon früh gegen den Futterknecht, der die Tat jedoch abstritt. Die Ermittler erinnerten sich des Braunschweigers Bussenius, der im ganzen Herzogtum Werbung für seine Tiere und deren Fähigkeiten gemacht und schon durch einige erfolgreiche Einsätze von sich Reden gemacht hatte, und holten ihn nach Königslutter. Bussenius führte den Hund zu einem Blutfleck des Opfers. Danach wurden alle Anwesenden auf dem Bauernhof versammelt und „Harras“ losgelassen. Wie von Sinnen stürzte sich der Hund auf den Futterknecht und verbiss sich in dessen Hose. Dieser Vorgang wurde noch zweimal wiederholt - das Ergebnis blieb das Gleiche. Unter diesem Druck brach der Verdächtige zusammen und legte ein Geständnis ab. Er hatte das Mädchen getötet, weil er eine sexuelle Beziehung zu ihm hatte, deren Entdeckung er befürchtete. „Harras“ hatte winzigkleine Blutspritzer auf der Hose des Mörders entdeckt, die mit dem menschlichen Auge nicht wahrnehmbar waren.
Die Zeitungen überschlugen sich nun endgültig vor Begeisterung. Die „Neuesten Nachrichten“ schrieben: „Der Nutzen des Polizeihundes ist in diesem Fall auf das Eklatanteste bewiesen und wird dazu führen, dass die Kriminalbehörde sich der findigen Vierfüßler im Ermittlungsverfahren bedienen wird.“
Die „Leipziger illustrierte Zeitung“ vom 16. März 1905 widmete ihm einen Artikel: „Schon früher ist der Hund vereinzelt hier und da im öffentlichen Sicherheitsdienst gebraucht worden; das Verdienst der zweckdienlichen Dressur und planmäßigen Indienststellung des Hundes bei der Polizei in großem Maßstab gehört unbestritten dem Polizeiinspektor Bussenius aus Braunschweig. Während der letzten beiden Jahrzehnte hat sich die Stadt Braunschweig hinsichtlich ihrer Einwohner- und Häuserzahl verdoppelt. Die neuen Stadtteile jenseits der herrlichen Wallpromenaden bedecken einen so gewaltigen Flächenraum, wie er bei vielen anderen Großstädten mit noch größerer Einwohnerzahl nicht zu finden sein dürfte. In den Vorstädten sind die Häuserreihen nicht eng aneinandergeschlossen; fast jedes Grundstück hat hier vielmehr seinen besonderen Garten. Zwischen zwei Häusern liegen fast stets die mit Bosketts gezierten, mehrere Meter breiten Eingänge. Eine Menge Straßenzüge erstreckten sich weit hinaus über die Felder.
Unter diesen Umständen gestaltet sich der Nachtwachdienst trotz erheblicher Vermehrung des Polizei- und Nachtwächterpersonals immer schwieriger. Da kam Bussenius im Jahre 1902 auf den Gedanken, eine größere Anzahl selbstgezogener Hunde verschiedener Rassen, nach entsprechender Dressur dem Polizeidienst nutzbar zu machen. Für die Unterhaltung und die Dienstleistungen seiner Meute erhält er eine Entschädigung vom Staate und der Stadt.“
Weit über die Grenzen Braunschweigs hinaus ging der Ruf Bussenius‘. Er verkaufte Hunde aus seiner Zucht in ganz Europa, der Zarenhof in St. Petersburg orderte gleich mehrere, die Polizei in Südwestafrika bestellte ebenso, wie die Polizeien anderer deutscher Länder. Bussenius reiste mit seinen Hunden in andere Städte des Deutschen Reiches und 1906 sogar nach Paris, wo es galt einen Mord aufzuklären.
Doch die Polizei hat Bussenius nicht nur den Hund zu verdanken. Angesichts der großen Ausdehnung der Stadt war er es, der schon 1890 Fahrräder für die Polizei beschaffte. Der Erfolg sollte ihm Recht geben: Als es Jahre später einem Festgenommenen gelang, aus dem Polizeigebäude zu entfliehen, wurde dieser von Bussenius auf dem Fahrrad verfolgt und wieder dingfest gemacht. […]“
So viel zu Harras, nun zur Idee des Hundebrunnens, die im Innenstadtdialog wie folgt beschrieben wird:[2]
„Ein Hundebrunnen für Braunschweig!
Bei der Stadtgestaltung wird oft den lauten Stimmen gedacht; Kinder und Tiere hingegen kommen nur selten zu Wort. Daher hier ein Vorschlag für die leise bellende Fraktion:
In vielen Städten gibt es Hundebrunnen, an denen Hunde sich in der Stadt mit Wasser versorgen können. Für die Innenstadt wäre ein solcher Hundebrunnen eine echte Bereicherung, zumal damit auch der Tierliebe vieler Braunschweigerinnen und Braunschweiger entsprochen wird.“
Der Gedanke liegt daher nahe, in Erinnerung an den ersten Polizeihund Deutschlands einen Hundebrunnen in der Innenstadt aufzustellen. Die Finanzierung eines solchen Brunnens ist aufgrund der angespannten Lage des städtischen Haushalts jedoch schwer zu vermitteln, aus unserer Sicht wäre ein solches Projekt jedoch gut für kommunales Crowdfunding geeignet, da die Idee sicherlich von vielen Polizisten und Hundeliebhabern unterstützt wird.
Vor diesem Hintergrund fragen wir für einen tierischen Freund und Helfer:
a) Welche Standorte hält die Verwaltung für einen Hundebrunnen in Gedenken an Harras für geeignet?
b) Wie hoch wären schätzungsweise die Kosten für die Errichtung eines Hundebrunnens?
c) Welches Vorgehen hält die Verwaltung für zielführend, um die finanziellen Mittel zur Errichtung eines solchen Brunnens mit Hilfe von kommunalem Crowdfunding einzuwerben?
[1] Volker Dowidat: "Polizei im Rückspiegel - Die Geschichte der Polizeidirektion Braunschweig", Döring, 2003.
Anlagen
| Nr. | Name | Original | Status | Größe | |
|---|---|---|---|---|---|
|
1
|
(wie Dokument)
|
165,2 kB
|
|||
|
2
|
(wie Dokument)
|
207,5 kB
|
