Rat und Stadtbezirksräte

ALLRIS - Vorlage

Anfrage (öffentlich) - 22-20127

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Sachverhalt

Sachverhalt:
Die blinde Schriftstellerin Jennifer Sonntag schreibt auf ihrem Facebook-Profil über einen Besuch im Kunstmuseum Moritzburg:

---ZITAT---

Unser Inklusiver Kulturstammtisch war diesmal zu Besuch im Kunstmuseum Moritzburg in Halle. Wir sind eine Gruppe von Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen und checken die verschiedenen Kultureinrichtungen unserer Stadt gemeinsam auf Barrierefreiheit. Das Kunstmuseum Moritzburg war nach dem Stadtmuseum, dem Opernhaus und dem Lucks-Kino nun unsere 4. Station.

Ich durfte drei Gemälde mit den Fingerspitzen erkunden, die als Tastbilder umgesetzt wurden und gleichzeitig als Audiobeschreibung angehört werden konnten. Diese Kombination fand ich wirklich hilfreich, um mir eine innere Vorstellung vom Kunstwerk machen zu können. Es gibt Motive, die sich perspektivisch schwerer auf einem Tastbild darstellen lassen als andere. Könnt ihr euch durch Tastbilder leicht ein inneres Bild verschaffen?

Ich persönlich komme mit modellierten Tastobjekten besser zurecht als mit flachen Tastbildern. Schade fand ich, dass die haptische Kunst im Museum nicht berührt werden darf, selbst massive Plastiken und Skulpturen stehen nur dem Auge zur Verfügung. Auch wenn es in den Fingerspitzen zuckt, man muss blind daran vorbeigehen, so als sei für sehende Menschen die Kunst vollkommen verhängt und dürfte nicht von den Augen „betastet“ werden. Deshalb war die Idee, zukünftig ausgesuchte Duplikate für blinde Gäste anfertigen zu lassen. Das erlebte ich am Landesmuseum für Vorgeschichte z.B. vor vielen Jahren mit der Himmelsscheibe von Nebra. Ich durfte Original und Duplikat damals sogar miteinander vergleichen.[1][1]

---ZITATENDE---

Das Kunstmuseum Moritzburg gilt als ein Vorreiter bei inklusiven Museumsführungen, so gibt es dort nicht nur Tastführungen für blinde und sehbehinderte Menschen, sondern auch Führungen für Menschen mit Demenz.[2][2]

Ein solches Angebot wäre aus unserer Sicht auch in Braunschweig gut zur Inklusion geeignet, zumal das Herzog Anton Ulrich-Museum als „Louvre des Nordens“ seine Anziehungskraft weit über die Grenzen unserer Stadt entfaltet. Nicht nur blinde Menschen, auch Kinder und kinästhetisch-orientierte Menschen würden sich darüber freuen, Rembrandts Familienbildnis, Vermeers „Mädchen mit dem Weinglas“ oder das Mantuanische Oxyxgefäß ertasten zu können.

Tastbilder entsprechen auch dem 1. Kommunalen Aktionsplan Inklusion, in dessen Vorwort Dr. Thorsten Kornblum schreibt: „Unser Ziel ist es, die volle und wirksame Teilhabe von Menschen mit Behinderungen als gesamtgesellschaftliche Querschnittsaufgabe zu begreifen, umzusetzen und unsere Bürgerinnen und Bürger für dieses Thema zu sensibilisieren.“[3][3]
 

Vor diesem Hintergrund tasten wir uns sanft an das Thema heran und fragen die Verwaltung:

1) Sind Tastbilder für blinde Menschen in Braunschweiger Museen geplant?

2) Wie hoch wären die Kosten, um zum Beispiel mit kommunalem Crowdfunding ein Gemälde als Tastbild umzusetzen?



 

[1] https://kobinet-nachrichten.org/2022/10/20/besuch-des-inklusiven-kulturstammtisch-im-kunstmuseum-moritzburg-in-halle/

[2] www.kunstmuseum-moritzburg.de/kunst-erleben/barrierefrei-inklusiv/#collapseBox-2623

[3]www.braunschweig.de/leben/soziales/inklusion/index.php#:~:text=Ziel%20des%20Kommunalen%20Aktionsplans%20ist,erleichtern.


 

 

 

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