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Sachverhalt

Sachverhalt:
Im Prolog zum Buch: „Die Bruchstraße – Traditionsviertel im Abseits“ steht geschrieben:

„Alte Stadtteile und Straßen, die von Krieg und Stadtsanierung weitgehend verschont geblieben sind, werden heute gern als ‚Traditionsinseln‘ bezeichnet und dienen als dankbare Objekte für die Fremdenverkehrswerbung.

In der Aufzählung der Traditionsinseln Braunschweigs fehlte bislang die Bruchstraße, die doch mit Fug und Recht diesen Titel verdient hätte, da sich hier über sehr lange Zeit eine bemerkenswerte Kontinuität in sozialer und zum Teil auch in baulicher Struktur erhalten hat.“[1]

Die Bruchstraße ist eine der wenigen Straßen der Innenstadt, die praktisch unbeschadet den Zweiten Weltkrieg überstanden hat; 33 der Fachwerkhäuser wurden von den Bombenangriffen verschont.[2] Seit langem besteht daher die Forderung, die architektonische Substanz der Bruchstraße wieder mehr ins Zentrum zu rücken, und die Eisentore zu entfernen, um eine freie Sicht auf die Bruchstraße zu ermöglichen.

So zitiert die Neue Braunschweiger am 21. August 2015 den Architekten Rainer Ottinger:

„Wissen Sie eigentlich, was für eine schöne Sichtachse die Straße bildet? Welche neuen Perspektiven entstünden, wenn man die Tore öffnen, die Straße ans Viertel anbinden würde? […] Das Friedrich-Wilhelm-Viertel mit seiner Flanier- und Partymeile braucht mehr Durchmischung. In Amsterdam gelingt das auch. Dort sind diese Quartiere inklusive Rotlicht Kult. Warum sollte das Friedrich-Wilhelm-Viertel das nicht auch schaffen?“[3]

Und Harald Duin schrieb schon am 30.12.2003 in der Braunschweiger Zeitung:

„Ferner könnte man als Stadt beschließen, die Bruchstraße zu öffnen und nicht mehr als Tabuzone zu behandeln – als Konsequenz auch der liberaleren Bewertung von Prostitution. Und in diesem Sinne ist nicht die Bruchstraße obszön, sondern das eiserne Tor davor.

Man könnte überlegen, diese Straße mit ihrer teils denkmalgeschützten Bausubstanz aus der geistigen Schmuddelecke herauszuholen, mit Glamour, Varieté, Strip und Dolce Vita aufzupeppen und damit eine Seite von Stadt zu fördern, die immer fasziniert hat. Braunschweig bei Nacht: heute eine eher trostlose Angelegenheit. Im Vergleich dazu war diese Stadt in den fünfziger Jahren mit ihren Bars und schrägen Kneipen ein Doll-Haus. Es hat noch immer dem Ruf einer Großstadt geschadet, wenn hier zu früh die Bürgersteige hochgeklappt werden.“[4]

Ebenso fordert der Arbeitsausschuss Innenstadt: „Öffnet die Tore der Bruchstraße!“[5]

Im Innenstadt-Dialog findet man diese Forderung auch mit der berechtigten Begründung: „Funktional ist das Tor nicht wirklich sinnvoll, denn von der Südseite aus kann man die Bruchstraße auch ohne die Umschreitung eines Tores betreten.“[6]

Eine solche Öffnung kann mit einer helleren Gestaltung des Eingangsbereiches der Bruchstraße auch die gefühlte Sicherheit erhöhen; so sieht der Arbeitsausschuss Innenstadt dringenden Handlungsbedarf zur Verbesserung der Sicherheit im Bereich der Bruchstraße und der Friedrich-Wilhelm-Straße und fordert: mehr Licht![7]

Vor diesem zwielichtigen Hintergrund fragen wir die Verwaltung:

1) Ist die einseitige Absperrung der Bruchstraße durch ein eisernes Tor weiterhin zeitgemäß?

2) Welche Möglichkeiten sieht die Verwaltung, das Tor zu entfernen und gleichzeitig die Arbeitsbedingungen der Sexarbeiter*innen zu verbessern?

3) Wie lässt sich durch ein Lichtkonzept die gefühlte Sicherheit im Bereich Friedrich-Wilhelm-Straße/Bruchstraße erhöhen?


[1] Wolfgang Gülzow, Wilfried Schnitzer: „Die Bruchstraße – Traditionsviertel im Abseits. Dokumente zur Prostitution in Braunschweig 1807 – 1927“, S. 7

[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Bruchstra%C3%9Fe_(Braunschweig)#Geschichte

[3] www.neue-braunschweiger.de/der-park-das-ist-zuhause/

[4] www.braunschweiger-zeitung.de/braunschweig/article150166780/Fesche-Dolly-und-das-eiserne-Tor.html

[5] https://aai-bs.de/allgemein/aai-fordert-oeffnet-die-tore-der-bruchstrasse/

[6] www.innenstadtdialog-braunschweig.de/

[7] www.braunschweiger-zeitung.de/braunschweig/article235434217/City-Check-Braunschweig-Sechs-Ideen-fuer-eine-schoenere-Innenstadt.html
 

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