Rat und Stadtbezirksräte

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Mitteilung - 23-20970

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Sachverhalt

Sachverhalt:

 

Die Flächen rund um den Hauptbahnhof in Braun­schweig stehen seit einigen Jahren im Fokus der Stadtentwicklung. Unter dem Titel „BAHNSTADT Braunschweig“ wurde ein Rahmenplanprozess initiiert, der sich mit Chancen, Potenzialen und Entwicklungsmöglichkeiten der wertvollen Flächen für eine moderierte und perspektivi­sche Innentwicklung beschäftigt. In einer Teilfläche im Bereich des Hauptgüterbahnhofes wird die Chance für die Entwicklung eines neuen und urbanen Stadt­quartiers mit attraktiven Wohn-, zukunftsgerichteten Gewerbenutzungen, sowie einer sich aus dem Enga­gement „vor Ort“ gegründeten Kulturnutzung gese­hen.

 

Über den städtebaulich-freiraumplanerischen Realisierungswettbewerb „Urbanes Quartier Hauptgüterbahnhof“ sollte die langfristige Perspekti­ve für die ca. 21 ha große Fläche des ehemaligen Hauptgüterbahnhofs aufgezeigt und eine zeitlich gestaffelte Umsetzungs­strategie erarbeitet werden. Ziel ist es, die wertvollen stadtnahen Flächen langfristig als urbanes und lebendiges Quartier zu entwickeln, neue Nutzungen zu etablieren und gleichzeitig mit den umgebenden Gebieten zu vernetzen bzw. verzahnen.

 

Der Wettbewerb wurde im Dialog mit der Öffentlich­keit und den Akteuren vor Ort durchgeführt. Es wurden im Vorfeld Einzelge­spräche mit den verschiedenen Grundstückseigentü­mer*innen durchgeführt, um deren Entwicklungsoptionen auszuloten und insgesamt in einen integrativen Prozess zu starten. Zwei der großen Flächeneigentümerinnen, die Aurelis Asset GmbH und die IntReal International Real Estate Kapitalverwaltungsgesellschaft mbH, vertreten durch LIP Invest GmbH, waren als Kooperati­onspartnerinnen auch aktiv am Wettbewerbsverfah­ren beteiligt.

 

Der städtebaulich-freiraumplanerische Wettbewerb wurde gem. Richtlinie für Planungswettbewerbe (RPW 2013) mit 20 Teilnehmenden, jeweils bestehend aus Architekt*innen und / oder Stadtplaner*innen mit Landschaftsarchitekt*innen durchgeführt. Die 19 abgegebenen Beiträge wurden am 07. März 2023 von einer Jurysitzung unter dem Vorsitz von Prof. Christa Reicher, Aachen, diskutiert und bewertet. Die Jury empfiehlt, den ersten Preis zur Grundlage der weiteren Ausarbeitung und des Bebauungsplans zu machen.

 

Das Konzept des Bearbeitungsteams prasch buken partner architekten partG mbB, Hamburg mit GHP Landschaftsarchitekten, Hamburg konnte sich mehrheitlich mit dem 1. Preis durchsetzen. Der 2. Preis ging an das Bearbeitungsteam holger meyer gmbh, Frankfurt am Main mit Lützow7 Müller Wehberg Landschaftsarchitekten PartGmbB, Berlin. Mit dem 3. Preis wurde das Bearbeitungsteam Studio Wessendorf, Berlin mit Atelier Loidl Land­schaftsarchitekten Berlin GmbH, Berlin ausgezeichnet.

Die beiden Anerkennungen gingen an Yellow z Abel Bormann Koch PartGmbB, Berlin mit Holzwarth Landschaftsarchitektur, Berlin sowie André Poitiers Architekt GmbH, Hamburg mit arbos Freiraumplanung GmbH, Hamburg.

 

Das Preisgericht hat zu den Preisträgern u.a. angemerkt:

 

1. Preis: prasch buken partner architekten partG mbB, Ham­burg mit GHP Landschaftsarchitekten, Nikolaus Gurr + Christin Schierstedt, Hamburg (Anlage 1)

Drei übergeordnete Grünzüge werden aus dem Leitmotiv der Gleisharfe entwickelt, um das Wettbewerbs­gebiet sehr nachvollziehbar zu strukturieren und Verbindungen herzustellen und dazwischen tragfähige Baufelder zu generieren. Es entstehen vier verschiedene Stadtquartiere mit unterschiedlichen Bebauungs- und Nutzungsstruktu­ren. Die Jury honoriert die Grundkonzeption und klare Strukturierung durch das Grün- und Kulturband als Puffer zwischen Wohnen und Gewerbe.

 

Der Arbeit gelingt es, ein sehr gut differenziertes Frei­raumangebot mit hohem Nutzungsangebot zu ent­wickeln. Gut dimensionier­te Quartiersplätze sorgen für urbane Treffpunkte und fördern die Nachbarschaften. Die Grünzüge haben eine spezifische Identität und eine thematische Programmierung.

 

Der Entwurf zeichnet sich auch dadurch aus, dass neben dem Wohnen auch Orte für Handwerk und lärminten­sives Gewerbe zusammenspielen – ein echtes urbanes Quartier. Die H_LLE bildet das Zentrum des Entwurfs und kann stark zur Identitätsbildung beitragen.

Das Quartier wird größtenteils vom Verkehr freigehal­ten, was durch schlüssig positionierte Mobilität-Hubs hergestellt wird. Die Straßenräume werden neu gedacht und mit hoher Aufenthalts- und Freiraumqualität versehen.

 

2. Preis: holger meyer gmbh, Frankfurt am Main mit Lützow7 Müller Wehberg Landschaftsarchitekten PartGmbB, Berlin (Anlage 2)

Die Arbeit entwickelt mittels geschickt angeordneter Baufelder eine eigenständige Haltung für das neue Stadtquartier. Die Übergänge zu den angrenzenden, bestehenden Bauflächen werden sinnfällig besetzt. Es entsteht ein dichtes Quartier in guter Nachbarschaft und mit selbst verständlichen Übergängen. Der Arbeit gelingt es, ein stark durchgrüntes Quartier mit angenehm bemessenen Freiräumen zu entwickeln.

 

Die städtebauliche Grundstruktur verspricht im Hinblick auf die Einordnung von Nutzungen in den Blockrand hohe Flexibilität. Quartiersgaragen mit Mobili­tätsangeboten, Nahversorgung und quartiersbezogene Dienstleistungen werden sachgerecht am Quartiersein­gang eingeordnet.

Es entsteht ein Netzwerk von Freiräumen mit klaren Zuordnungen und gutem Potenzial für Klimaanpassungsmaßnahmen. Der Beitrag setzt sich intensiv mit Innovationspoten­zialen im Bereich der Materialverwendung, energeti­schen Gebäudeversorgung und Klimaanpassung auseinander.

 

Die differenzierte Höhenstaffelung der Gebäude mit moderaten Eckbetonungen der Blockränder ist nachvollziehbar und verspricht die Ausbildung einer bewegten Stadtsilhouette mit unterschiedlichen Pro­grammierungen der Dachlandschaft.

 

3. Preis: Studio Wessendorf, Berlin mit Atelier Loidl Land­schaftsarchitekten Berlin GmbH, Berlin (Anlage 3)

Die Arbeit besticht durch eine klare und kompakte städtebauliche Struk­tur, orientiert entlang der früheren Erschließungsstruktur und den Gleisanlagen. Es entsteht ein neues urbanes Quartier mit klar definierten Straßenräumen und einem Quartiersplatz, aber auch mit guten Anbin­dungen an die Nachbarquartiere.

 

Die trapezförmigen, gut proportionierten fünfge­schossigen Baublöcke gruppieren sich um einen zen­tralen Platz an der H_LLE. Der Arbeit gelingt es generell, ein gut differenziertes Freiraumangebot zu entwickeln.

 

Am Entrée Richtung Innenstadt befinden sich die Quartiersgarage und ein Nahversorger. Außerdem betont ein Hochhaus mit 15 Geschossen den Eingangsbe­reich an der richtigen Stelle. Im östlichen Bereich wird ein lärmabschirmender Zei­lenbau für Dienstleistungen errichtet, teils unter Nut­zung bestehender Hallen. Das gesamte Quartier ist autofrei gestaltet, die Wege zwischen den Blöcken sind jedoch notfalls entlang des Loops befahrbar. Die separaten Konzepte zur Energie und Schwamm­stadt sind nachvollziehbar und gut mit dem Städtebau verknüpft. Zur Wärmeversorgung ist eine kaltes Nahwärmenetz vorgesehen, außerdem sind PV-Anlagen auf den Dächern geplant.

 

Somit entsteht ein kompaktes und teils nutzungsge­mischtes Stadtquartier der kurzen Wege, das eine klare Mitte ausbildet, aber auch die Umgebung ein­bindet. Über die Wegefüh­rungen und Einbindung von Bestandsbauten wird eine starke Identität befördert.

 

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