Rat und Stadtbezirksräte
Beschlussvorlage - 23-21255
Grunddaten
- Betreff:
-
Projekt "Stolpersteine 2023"
- Status:
- öffentlich (Vorlage freigegeben)
- Vorlageart:
- Beschlussvorlage
- Federführend:
- 41 Fachbereich Kultur und Wissenschaft
- Beteiligt:
- DEZERNAT IV - Kultur- und Wissenschaftsdezernat
- Verantwortlich:
- Dr. Hesse
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
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●
Erledigt
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Stadtbezirksrat im Stadtbezirk 130 Mitte
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Entscheidung
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30.05.2023
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Sachverhalt
Sachverhalt:
Gemäß § 93 Abs. 1 Ziffern 5 und 10 des Niedersächsischen Kommunalverfassungsgesetzes (NKomVG) in Verbindung mit § 16 Abs. 1 Ziffer 8 der Hauptsatzung der Stadt Braunschweig vom 8. November 2011 in der derzeit geltenden Fassung entscheiden die Stadtbezirksräte über die Aufstellung von Kunstwerken. Vorliegend handelt es sich bei der Verlegung sogenannter Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig um derartige Kunstwerke. Entsprechend dem Konzept des Projektes Stolpersteine enthalten jeweils neu zu verlegende Steine den Namen der Opfer des Nationalsozialismus sowie kurze Angaben zum Geburtsjahr und zum jeweiligen Schicksal.
Der Verein „Stolpersteine für Braunschweig e. V.“ hat die folgenden Daten zu den Personen ermittelt und der Verwaltung mitgeteilt:
Bruchtorwall 1
Hugo Wertheim
Geboren: 05.03.1875 in Wolfhagen als Sohn von Israel und Lina Wertheim
Lebenslauf/Schicksal: Hugo Wertheim kam 1883 mit seinen Eltern und vier Geschwistern nach Braunschweig. Er führte seit dem Tod seines Vaters 1901 die Geschäfte des angesehenen Bankhauses I. Wertheim weiter. Im Juni 1919 heiratete er Rosa Friedmann. Seine Töchter Anita und Margot wurden 1920 und 1922 geboren. Infolge der Bankenkrise 1931 geriet sein Bankhaus in Schwierigkeiten. Hugo Wertheim stellte einen Antrag auf ein Vergleichsverfahren zur Abwendung eines Konkurses. Dieser wurde vom Amtsgericht (gezeichnet von Friedrich Alpers, NSDAP-Mitglied und SS-Sturmbannführer) abgelehnt. Angesichts des wirtschaftlichen und finanziellen Niedergangs und vor dem Hintergrund der seit 1931 in Braunschweig regierenden NSDAP sah er keinen Ausweg und nahm sich am 10.01.1933 das Leben.
Ausbildung/Beruf: Sein Beruf war Bankier.
Wohnort: Bruchtorwall 1, 38100 Braunschweig
Grund der Verfolgung: Als Jude verfolgt.
Verfolgung: Als Jüdischer Bankier hatte er keine Aussicht auf die Abwendung eines Konkurses und erlebte antijüdische Beleidigungen.
Verlegungsort: Bruchtorwall 1
Grund der Verlegung: Mit Bitte der Nachkommen der Familie Wertheim sowie von Dr. Anike Rössig, Lehrerin an der IGS Weststadt, welche zudem die Rechercheergebnisse zusammengestellt hat.
Rosa Wertheim, geb. Friedmann
Geboren: 26.10.1897 in Oschersleben als Tochter von Viehhändlern
Lebenslauf/Schicksal: Rosa heiratete Hugo Wertheim im Juni 1919 in Oschersleben und zog mit ihm nach Braunschweig. Ihre Töchter Anita und Margot wurden 1920 und 1922 geboren. Sie zog mit ihren beiden Töchtern Ende 1933 zu ihren Eltern nach Oschersleben und war auf deren Unterstützung angewiesen. Aufgrund von antijüdischer Anfeindungen zog die Familie 1935 nach Magdeburg und 1936 nach Berlin. Angesichts der wachsenden Bedrohung und der Pogrome im November 1938 floh Rosa mit ihren beiden Töchtern im Herbst 1939 über Genua in die USA.
Ausbildung/Beruf: Rosa war Hausfrau und Mutter. Sie führte einen bürgerlichen Haushalt.
Wohnort: Bruchtorwall 1, 38100 Braunschweig
Grund der Verfolgung: Als Jüdin verfolgt.
Verfolgung: Sie erlebte antijüdische Anfeindungen und Einschränkungen aufgrund der „Nürnberger Gesetze“.
Verlegungsort: Bruchtorwall 1
Grund der Verlegung: Mit Bitte der Nachkommen der Familie Wertheim sowie von Dr. Anike Rössig, Lehrerin an der IGS Weststadt, welche zudem die Rechercheergebnisse zusammengestellt hat.
Anita Wertheim
Geboren: 08.06.1920 in Braunschweig
Lebenslauf/Schicksal: Anita lebte bis zum Jahreswechsel 1933/1934 in Braunschweig. Danach lebte sie in Oschersleben, Magdeburg und Berlin. Sie floh mit ihrer Mutter Rosa Wertheim und ihrer Schwester Margot Wertheim im Herbst 1939 über Genua in die USA.
Ausbildung/Beruf: Sie war Schülerin. Später in den USA hat sie als Modezeichnerin gearbeitet.
Wohnort: Bruchtorwall 1, 38100 Braunschweig
Grund der Verfolgung: Als Jüdin verfolgt.
Verfolgung: Siehe Informationen zu Rosa Wertheim.
Verlegungsort: Bruchtorwall 1
Grund der Verlegung: Mit Bitte der Nachkommen der Familie Wertheim sowie von Dr. Anike Rössig, Lehrerin an der IGS Weststadt, welche zudem die Rechercheergebnisse zusammengestellt hat.
Margot Wertheim
Geboren: 08.11.1922 in Braunschweig.
Lebenslauf/Schicksal: Margot lebte bis zum Jahreswechsel 1933/1934 in Braunschweig. Danach lebte sie in Oschersleben, Magdeburg und Berlin. Sie floh mit ihrer Mutter Rosa Wertheim und ihrer Schwester Anita Wertheim im Herbst 1939 über Genua in die USA.
Ausbildung/Beruf: Sie war Schülerin. Später in den USA hat sie als Modezeichnerin gearbeitet.
Wohnort: Bruchtorwall 1, 38100 Braunschweig
Grund der Verfolgung: Als Jüdin verfolgt.
Verfolgung: Siehe Informationen zu Rosa Wertheim.
Verlegungsort: Bruchtorwall 1
Grund der Verlegung: Mit Bitte der Nachkommen der Familie Wertheim sowie von Dr. Anike Rössig, Lehrerin an der IGS Weststadt, welche zudem die Rechercheergebnisse zusammengestellt hat.
