Rat und Stadtbezirksräte
Beschlussvorlage - 23-21256
Grunddaten
- Betreff:
-
Projekt "Stolpersteine 2023"
- Status:
- öffentlich (Vorlage freigegeben)
- Vorlageart:
- Beschlussvorlage
- Federführend:
- 41 Fachbereich Kultur und Wissenschaft
- Beteiligt:
- DEZERNAT IV - Kultur- und Wissenschaftsdezernat
- Verantwortlich:
- Dr. Hesse
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
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●
Erledigt
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Stadtbezirksrat im Stadtbezirk 330 Nordstadt-Schunteraue
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Entscheidung
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01.06.2023
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Sachverhalt
Sachverhalt:
Gemäß § 93 Abs. 1 Ziffern 5 und 10 des Niedersächsischen Kommunalverfassungsgesetzes (NKomVG) in Verbindung mit § 16 Abs. 1 Ziffer 8 der Hauptsatzung der Stadt Braunschweig vom 8. November 2011 in der derzeit geltenden Fassung entscheiden die Stadtbezirksräte über die Aufstellung von Kunstwerken. Vorliegend handelt es sich bei der Verlegung sogenannter Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig um derartige Kunstwerke. Entsprechend dem Konzept des Projektes Stolpersteine enthalten jeweils neu zu verlegende Steine den Namen der Opfer des Nationalsozialismus sowie kurze Angaben zum Geburtsjahr und zum jeweiligen Schicksal.
Der Verein „Stolpersteine für Braunschweig e. V.“ hat die folgenden Daten zu den Personen ermittelt und der Verwaltung mitgeteilt:
Hildebrandstraße 47
Heinrich Friedrich Henry Rodenstein
Geboren: 12.01.1902 in Braunschweig
Lebenslauf/Schicksal: Im Juli 1933 wurde ein Haftbefehl gegen Heinrich Friedrich Henry Rodenstein erlassen. Zudem wurde seine Wohnung durch die „SA“ durchsucht. Er wurde zum 31.07.1933 aus dem Lehrerberuf entlassen. Rodenstein begann daraufhin am 16.07.1933 seinen Fluchtbeginn aus dem Urlaub in Gifhorn in Richtung Holland. Am 31.07.1933 kam er in Holland an. Seine Frau Marta Rodenstein, geb. Warnecke, kam zum 07.11.1933 zu ihm nach Holland. Heinrich Rodenstein arbeitete zwischen 1933 und 1935 als Lehrer im Völkerbund verwaltetem Saarland. Er floh 1935 nach Südfrankreich. Zwischen 1935 und 1939 befand er sich im Exil in Paris. Er floh im September 1939 wieder zurück nach Südfrankreich und wurde dort bis Ende November 1939 als „feindlicher Ausländer“ interniert. Von 1939 bis 1945 hielt er sich in Revel in Südfrankreich auf, bis er 1945 nach Braunschweig zurückkehrte.
Ausbildung/Beruf: Rodenstein arbeitete 1922 bei der MIAG als Hilfsarbeiter. Gleichzeitig befand er sich in der Ausbildung zum Lehrer. Die erste Lehramtsprüfung bestand er 1922 und arbeitete daraufhin von 1922 bis 1925 als Junglehrer in Braunschweig. In Wolfshagen arbeitete er im Jahr 1926 ebenso als Junglehrer. Die zweite Lehramtsprüfung hat er 1926 bestanden. Er arbeitete von 1928 bis 1933 als Lehrer in Braunschweig.
Wohnort: Hildebrandstraße 47, 38112 Braunschweig
Grund der Verfolgung: Er war politisch links engagiert.
Verfolgung: Heinrich Rodenstein wurde am 31.07.1933 aus dem Lehrberuf entlassen, weil er Mitglied der KPD (1922-1929), KPO (1929-1931) und SAP (1932-1933) war. Zudem war er Mitglied der Internationalen Roten Hilfe (1925-1929) und der „allgemeinen freien Lehrergewerkschaft Deutschlands“ (1921-1933). Aus diesen Gründen lag im Juli 1933 ein Haftbefehl gegen Rodenstein vor. Er erfuhr dies im Urlaub von seinem Freund Robert Meier, der mitbekam, dass seine Wohnung in der Hildebrandstraße von der „SA“ durchsucht worden ist. Nach diesem Ereignis begab sich Rodenstein ins Exil.
Verlegungsort: Hildebrandstraße 47
Grund der Verlegung: Stolperstein als politisch Verfolgter. Recherche durch „Die Falken“ aufgrund der Nachfrage eines Jugendlichen aus Lehndorf. Dieser hatte sich einen Stolperstein in oder in der Nähe von Lehndorf gewünscht.
Marta Alma Agnes Rodenstein, geb. Warnecke
Geboren: 25.05.1902 in Braunschweig
Lebenslauf/Schicksal: Im Juli 1933 floh ihr Mann Heinrich Rodenstein nach Holland. Sie kam daraufhin nach Braunschweig zurück, um den Hausstand aufzulösen. Im Juli 1933 wurde sie verhaftet und im AOK-Gebäude vernommen. Sie floh mit dem Fahrrad nach Holland und kam dort am 07.11.1933 an. Da Heinrich im Saarland Arbeit fand, zogen beide von 1933 bis 1935 dorthin. Sie floh 1935 nach Südfrankreich. Zwischen 1935 und 1939 befand sie sich im Exil in Paris. Marta floh im September 1939 wieder zurück nach Südfrankreich. Von 1939 bis 1945 hielt sie sich in Revel in Südfrankreich auf, bis sie 1945 nach Braunschweig zurückkehrte.
Ausbildung/Beruf: Marta ging von 1908 bis 1916 auf die Volksschule in Braunschweig. Sie wurde Anlegerin im Buchdruckgewerbe und war ab der Heirat mit Heinrich Rodenstein Hausfrau. Im Exil arbeitete sie als Küchengehilfin.
Wohnort: Hildebrandstraße 47, 38112 Braunschweig
Grund der Verfolgung: Sie war politisch links engagiert.
Verfolgung: Marta war in ihrer Jugend in der „freien sozialistischen Arbeiterjugend“ organisiert. Dort lernte sie vermutlich ihren späteren Ehemann Heinrich Rodenstein kennen. Sie wurde zum einen verfolgt, weil sie politisch links engagiert war, und zum anderen, weil sie die Ehefrau Heinrich Rodensteins war. Als die „SA“ sie entführte und im AOK-Gebäude einsperrte, fragte man sie nach dem Aufenthaltsort Heinrichs. Sie schweig allerdings.
Verlegungsort: Hildebrandstraße 47
Grund der Verlegung: Stolperstein als politisch Verfolgte. Recherche durch „Die Falken“ aufgrund der Nachfrage eines Jugendlichen aus Lehndorf. Dieser hatte sich einen Stolperstein in oder in der Nähe von Lehndorf gewünscht.
