Rat und Stadtbezirksräte

ALLRIS - Vorlage

Beschlussvorlage - 23-21314

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Beratungsfolge

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Beschlussvorschlag

Beschluss:

 

  1. Dem durch das Kuratorium für den Künstlerischen Wettbewerb zum Kolonialdenkmal vorgeschlagenen Gewinnerentwurf von Patricia Kaersenhout wird entsprechend der Projektbeschreibung in der Anlage 1 zugestimmt.
     
  2. Die Verwaltung wird beauftragt, die Planungen in Abstimmung mit der Künstlerin voranzutreiben und umzusetzen und dafür entsprechende Gestaltungs- und Umsetzungsaufträge zu erteilen.


 

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Sachverhalt

Sachverhalt:

 

Hintergrund:

Das 1925 in der Jasperallee eingeweihte Kolonialdenkmal ist seit jeher ein Beleg kolonialpolitischer Propaganda und gibt Anlass zu einem breiten kritischen Diskurs.   

Die Diskussionen aufgreifend hat der Verwaltungsausschuss der Stadt Braunschweig in seiner Sitzung am 7. Februar 2023 den Beschluss gefasst, die Verwaltung zu beauftragen, einen künstlerischen Wettbewerb zur zeitgemäßen Kontextualisierung des Kolonialdenkmals ins Leben zu rufen und durchzuführen (DS Nr. 22-20276; VA-Beschluss vom 07.02.2023).

 

Die entsprechende thematische Herleitung sowie die inhaltlichen Details zum künstlerischen Wettbewerb sind in der DS Nr. 22-20276 enthalten.

 

Sachstand zum Künstlerischen Wettbewerb:

Die Verwaltung hat in Abstimmung mit dem Kuratorium die formellen und künstlerischen Grundlagen für den Künstlerischen Wettbewerb erarbeitet. Es wurden insgesamt zwölf Künstlerinnen, Künstler und Kollektive eingeladen. Sechs der Eingeladenen haben vollständige Entwurfsskizzen eingereicht.

Die eingereichten Entwürfe wurden zwischen Februar und April 2023 im Rahmen einer Ausstellung im Städtischen Museum öffentlich ausgestellt.

Parallel zur Ausstellung hat das Kuratorium in seiner Sitzung am 22. Februar 2023 einen der Entwürfe als Gewinnerentwurf deklariert und zur Umsetzung vorgeschlagen. 

 

Der durch das Kuratorium ausgewählte Gewinnerentwurf wird nun, entsprechend der Verfahrensmaßgabe des Verwaltungsausschusses vom 7. Februar 2023, den politischen Gremien zur Beschlussfassung vorgelegt (DS Nr. 22-20276).

 

Gewinnerentwurf:

Der Gewinnerentwurf wurde eingereicht von Patricia Kaersenhout. Die 1966 in den Niederlanden geborene, von surinamischen Eltern abstammende Künstlerin, Aktivistin und Frauenrechtlerin betrachtet ihre künstlerische Praxis auch immer als soziale Praxis. Mit ihren Projekten stärkt sie besonders (junge) People of Colour.

 

Mit ihrem Entwurf (s. Anlage 1) für eine zeitgemäße Kontextualisierung des Kolonialdenkmals in Braunschweig legt die Künstlerin blinde Flecken im Kulturarchiv einer Kolonialgeschichte offen, indem sie in unmittelbarer Nähe des bestehenden Denkmals Heldinnen und Helden des Widerstands aus ehemals kolonisierten Gebieten und deren Geschichten sicht- und erfahrbar macht. Die vor allem aus schwarzem Granit und schwarzem Hartglas konzipierte Arbeit bietet Gelegenheit, über die Vergangenheit hinaus die Gegenwart und die Zukunft mit neuen Augen zu betrachten und die eigene Rolle zu reflektieren.

 

Das Kuratorium hat die Auswahl des Gewinnerentwurfs wie folgt begründet:

Patricia Kaersenhouts Entwurf überzeugt besonders durch seine Qualität auf künstlerische wie auch inhaltliche Weise. Mit ihrer geplanten Installation gelingt ihr eine souveräne Einbettung des bestehenden Denkmals unter Berücksichtigung der städtischen und landschaftlichen Umgebung. Sie denkt Monumentalität neu und schafft eine Kontextualisierung, die weit über die Idee einer skulpturalen Setzung als Gegenentwurf hinausgeht. Die sinnliche und ästhetische Überzeugungskraft des Materials reizt zur Auseinandersetzung. Sie fordert zum Spiel mit Reflexionen im vielfachen Sinn heraus und erzeugt Kommunikation zwischen Werk und Betrachtenden. Im Nähertreten werden Namen lesbar, die für die verschütteten und bewusst gelöschten Biografien von Held:innen des Widerstandes aus ehemals kolonisierten Gebieten stehen. Durch die Abrufbarkeit der individuellen Geschichten per QR-Code wird die Möglichkeit einer Vertiefung erzeugt. So können sich Interessierte mit den Geschichten auseinandersetzen, deren Anzahl im Digitalen unendlich erweiterbar und unabhängig vom Denkmal abrufbar ist. Patricia Kaersenhout regt mit ihrem Entwurf einen Diskurs an, der neue Wege im Umgang mit Erinnerungskultur als Form des Empowerments widerspiegelt.“

 

Weiteres Verfahren:

Nach der Beschlussfassung zum Siegerentwurf werden auf dessen Grundlage die Vorplanungen ausgelöst und auf dieser Basis eine Leistungsbeschreibung erarbeitet. Anschließend wird der Umsetzungsauftrag öffentlich vergeben.  

Der Beginn der baulichen Umsetzung ist derzeit für das 3./4. Quartal 2023 geplant. Die Fertigstellung wird für das erste Halbjahr 2024 erwartet.

 

Finanzierung:

Die Umsetzungskosten für den Gestaltungsentwurf wurden durch die Künstlerin zunächst mit einem Gesamtbetrag i.H.v. 268.000 Euro kalkuliert. Die Gesamtkosten lassen sich in vier Teilabschnitte untergliedern (Gesamtkostenübersicht s. Anlage 2):

-          36.000 Euro für Tiefbauarbeiten,

-          119.000 Euro für die Konstruktion des Granitbodens,

-          104.000 Euro für die Konstruktion der Black Mirrors sowie

-          9.000 Euro für die wissenschaftliche Kontextualisierung.

 

Die für die Umsetzung des Gewinnerentwurfs erforderlichen Mittel sind im FB 41 vorhanden.

Konkret sind im Haushalt 2023/2024 100.000 Euro für die Grundfinanzierung hinterlegt. Ergänzend wird FB 41 aus den Stammansätzen sowie entsprechenden Mittelübertragungen die Finanzierungerfordernisse sicherstellen. Es ist zudem beabsichtigt, im Zuge der Realisierung des Gewinnerentwurfs Drittmittel zu akquirieren. Die Drittmittelakquise kann nach der Beschlussfassung zum Siegerentwurf begonnen werden.



 

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Anlagen

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