Rat und Stadtbezirksräte

ALLRIS - Vorlage

Anfrage (öffentlich) - 23-21766

Reduzieren

Beratungsfolge

Reduzieren

Sachverhalt

Sachverhalt:

Oskar Lafontaine schreibt in seinem Buch: „Ami, its time to go!“:

In meiner Arbeit als Bürgermeister von Saarbrücken habe ich 1975 gemeinsam mit Hermann Wedekind die Städtepartnerschaft Saarbrücken-Tbilissi, der Hauptstadt Georgiens gegründet […].  Es ging dabei nicht nur um die georgische Kultur, es ging auch um unsere Beziehungen zur Sowjetunion. Es ging darum, durch Städtepartnerschaften einen Beitrag zum Frieden zu leisten. Kürzlich machte einer den Vorschlag, die Städtepartnerschaften mit Russland jetzt zu beenden. Welch eine Torheit! Das Gegenteil sollten wir tun: mehr Jugendaustausch, mehr sportlichen Austausch, mehr Städtepartnerschaften. Denn eines wird zwar in den Medien kaum thematisiert, liegt doch aber auf der Hand: Russland wird Putin überleben! In meinen Augen ist Moskau eine europäische Stadt, Russland ein europäisches Land. Ohne die russische Kultur kann ich mir die Entwicklung der europäischen Kultur nicht vorstellen. Was re die beispielsweise die europäische Kultur ohne Dostojewski und Tolstoi.“[1]

 

Ähnlich äerte sich auch Stadtsprecher Stadtsprecher Adrian Foitzik am 10.3.2022 auf eine Anfrage der Braunschweiger Zeitung: „Gerade in Krisenzeiten darf der Kontakt zwischen den Menschen auf zivilgesellschaftlicher Ebene, die den Krieg nicht zu verantworten haben, nicht abreißen. Städtepartnerschaften sind Friedensangebote von der Bürgerschaft zu Bürgerschaft. Wir sind zuversichtlich, dass die Städte Braunschweig und Kasan und alle involvierten Akteure die Beziehungen zu den Menschen in Kasan aufrechterhalten und künftig weiterhin den Dialog suchen.“[2]

 

Oberbürgermeister Dr. Thorsten Kornblum sagte dazu in einem Interview mit der Braunschweiger Zeitung am 11.08.2022: In diesen für uns alle, vor allem aber für die Menschen in der Ukraine, so schrecklichen Tagen stehen wir vor einer besonderen Herausforderung. Es sind die zivilgesellschaftlichen Kontakte, die als letzte noch tragende Brücken zwischen unseren Völkern bestehen bleiben.“[3]

 

Braunschweig hat seit 1988 eine besondere Städtepartnerschaft mit Kasan, der ein reger Schüler- und Jugendaustausch vorausging; der erste überhaupt zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der damaligen Sowjetunion.[4] Aktuell ruht jedoch diese Städtepartnerschaft, praktisch findet kein Dialog zwischen den Städten statt. Worin sich alle einig sind: Die russischen Schülerinnen und Schüler tragen keine Schuld am Krieg in der Ukraine. Und früher oder später werden diese Schülerinnen und Schüler das Russland nach Putin gestalten.

Vor diesem Hintergrund fragen wir:

Was spricht aus Sicht der Verwaltung dafür und dagegen, den Schüleraustausch zwischen Kasan und Braunschweig wieder zu aktivieren?


[1] Oskar Lafontaine: „Ami, it's time to go: Plädoyer für die Selbstbehauptung Europas“, S. 85

[2] www.braunschweiger-zeitung.de/braunschweig/article234784025/Braunschweig-fuerchtet-Anfeindungen-von-Russen.html

[3] www.braunschweiger-zeitung.de/braunschweig/article236130189/Krieg-Braunschweigs-Staedtepartnerschaft-zu-Kasan-ruht.html

[4] www.braunschweig.de/leben/stadtportraet/partnerstaedte/kasan.php

Loading...

Erläuterungen und Hinweise