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Sachverhalt

Sachverhalt:

Spätestens nach dem letzten Starkregenereignis im Juni ist allen Braunschweiger*innen klar, dass auch wir in Braunschweig künftig immer häufiger und immer stärker von den Folgen der globalen Erhitzung betroffen sein werden. So gingen in zahlreichen Teilen der Stadt am 22.06.23 solch große Regenmassen nieder, dass man in vielen Bezirken von ‚Extremem Starkregen sprechen muss Ein Ereignis das nach den Statistiken des Deutschen Wetterdienstes weniger als einmal in 1000 Jahren eintreffen sollte.nftig muss jedoch damit gerechnet werden, dass sich die Wiederkehrzeiten solcher Unwetter stark verkürzen.1

 

In einer aktuellen Pressemitteilung vom 01.08.23 berichtet die Stadt Braunschweig daher von einem neuen 3D-Stadtmodell, das mögliche Gefahren durch Starkregen und Hochwasser für die Bürger*innen anschaulich und leicht verständlich aufbereiten soll. Ziel dieses 3D-Modells ist, „die Bevölkerung für mögliche Gefahren und Risiken zu sensibilisieren und auch eine Datengrundlage zur Selbstvorsorge bereitzustellen.“2

 

Das ist ein folgerichtiger Schritt auf das 2022 veröffentlichte Klimaschutzkonzept 2.0, in dem die Stadt anerkennt, dass die weiter fortschreitende Klimakrise nicht nur den Klimaschutz, sondern auch eine Klimaanpassungsstrategie für Braunschweig notwendig macht. Seit 2021 wird daher an einem Konzept gearbeitet, welches die Gefährdung durch Hitze und Starkregen analysiert und geeignete Maßnahmen zur Anpassung ermittelt, die ab 2025 bei allen stadtplanerischen Maßnahmen berücksichtigt werden sollen.3

 

Schon vor geraumer Zeit hat die Stadt Braunschweig den Leitfaden "Schutz und Vorsorge vor Starkregen" veröffentlicht, der Bürger*innen Tipps zum Schutz vor den Wassermassen gibt. Unter anderem wird dort angeleitet, private Dächer zu begrünen, um Regenwasser zu speichern und damit zur Entlastung der Kanalisation beitragen. Eine weitere vorgeschlagene Maßnahme ist die Entsiegelung von Flächen und die Installation von wasserdurchlässigen Bodenbelägen auf den Grundstücken.4

 

Präventive Maßnahmen wie diese sind jedoch teuer und aufwendig und werden daher wohl eher langsam in den kommenden Jahren im privaten Raum umgesetzt. Auch für akute Überflutungsgefahr und die Zeit nach der Überflutung hält der Flyer Tipps bereit. So sollen nach einer Überflutung die beschädigte Bausubstanz geprüft und verunreinigte Möbel sachgerecht entsorgt werden.5

 

Das Extremereignis im Juni hat verdeutlicht, dass auch niederschwellige Soforthilfe von Seiten der Stadt ein wichtiger Baustein sein kann. Hilfreich wäre z.B. die Möglichkeit in betroffenen Gebieten direkt nach den Wetterereignissen eine unkomplizierte und vor allem kostenlose Entsorgung zerstörter Gegenstände zu gewährleisten. Ein Weg dies umzusetzen, wäre beispielsweise eine Sonderabholung von Sperrmüll, finanziert von der Stadt. Hier darf sich nicht nur auf die Selbstvor- und Nachsorge der Bürger*innen verlassen werden.

Die sicher wertvollen Hinweise an die Bürger*innen zum Selbstschutz vor Starkregen in eigener Zuständigkeit müssen jedoch von der Stadt unterstützt werden, indem sie selbst mit gutem Beispiel vorangeht und vorgeschlagene Maßnahmen wie die Entsieglung von Flächen oder die Installation von Versickerungsanlagen schnellstmöglich auf öffentlichen Flächen und Grundstücken vorantreibt. Das Klima kollabiert zunehmend, eine Umsetzung etwaiger Konzepte ab 2025 reicht nicht mehr aus.

 

Die Stadt Braunschweig berichtet im IKSK vom Thema Schwammstadt als Best-Practice-Beispiel für eine gelungene Klimaanpassung.6 Nun ist es höchste Zeit, auch hier in Braunschweig solchen Best-Practice-Beispielen zu folgen und Maßnahmen im öffentlichen Raum voranzutreiben!

 

Daher fragen wir:

1. Welche Sofortmaßnahmen und Hilfsangebote für die Bevölkerung, z.B. kostenlose Abholung von Sperrmüll nach Überflutungsschäden plant die Verwaltung für künftige Starkregenereignisse und andere Überflutungen anzubieten?

2. Welche Konsequenzen ergeben sich aus den jüngsten Starkregenfällen für das Gefahrenabwehrkonzept für Überflutungsereignisse der Stadt Braunschweig?

3.  Welche Maßnahmen der Klimaanpassung (z.B. Flächenentsiegelung und Schaffung von Regenrückhaltebecken) sollen als Schlussfolgerung aus den letzten Starkregenereignissen wann umgesetzt werden, um die Folgen kommender Überflutungen zu minimieren? 


[1] Vgl. Braunschweiger Zeitung (04.07.23): Unwetter in Braunschweig heftiger als ein Jahrtausend-Starregen, https://www.braunschweiger-zeitung.de/braunschweig/article238858151/Unwetter-in-Braunschweig-heftiger-als-ein-Jahrtausend-Starkregen.html [entnommen am 26.07.23].

[2] Stadt Braunschweig (01.08.23): Pressemitteilung. Starkregen- und Hochwasseranalyse jetzt auch im 3D-Stadtmodell.

[3] Vgl. Stadt Braunschweig (Juni 2022): Integriertes Klimaschutzkonzept 2.0, S.95f..

[4] Vgl. Stadt Braunschweig (o.J.): Fyler. Schutz und Vorsorge vor Starkregen, https://www.braunschweig.de/leben/umwelt_naturschutz/klima/klimawandelanpassung/starkregen/pdf/Flyer_Starkregen.pdf [entnommen am 01.08.23]

[5] Vgl. ebd.

[6] Vgl. Stadt Braunschweig (Juni 2022): Integriertes Klimaschutzkonzept 2.0, S.97.

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