Rat und Stadtbezirksräte
Anfrage (öffentlich) - 23-22165
Grunddaten
- Betreff:
-
Individuelle, barrierefreie und kostengünstige Bücherschränke für Braunschweig?
- Status:
- öffentlich (Vorlage freigegeben)
- Vorlageart:
- Anfrage (öffentlich)
- Federführend:
- 0100 Steuerungsdienst
- Verantwortlich:
- Fraktion BIBS im Rat der Stadt / Braunschweig, Bianca
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
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●
Erledigt
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Ausschuss für Kultur und Wissenschaft
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zur Beantwortung
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05.10.2023
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Sachverhalt
Sachverhalt:
Bereits 2018 wurde beschlossen, dass die Braunschweiger Stadtbezirke um weitere Bücherschränke als Teil des „öffentlichen Mobiliars“ reicher werden sollen. 1
Bereits seit den 1990er Jahren setzt sich der Gedanke, den Zugang zu Büchern kostenfrei, jederzeit und ohne Hürden, wie z.B. durch eine vorherige Anmeldung, allen Menschen zu ermöglichen. Auch in Braunschweig gibt es seit vielen Jahren an unterschiedlichen Orten die Möglichkeit, Literatur auszutauschen oder einfach neue Bücher zu entdecken. Oft wurden die Bücherschränke auf privatem Gelände, z.B. vor Gemeindehäusern oder von Wohnungsgesellschaften, errichtet. Das 2018 beschlossene Konzept dient dazu, die einheitliche Aufstellung von Bücherschränken im öffentlichen Raum in den jeweiligen Stadtbezirken zu ermöglichen. Denn die Nachfrage nach den Bibliotheken im Schrankformat ist hoch und bestehende Schränke wurden bereits sehr gut angenommen.
In einer Mitteilung von 2018 berichtete die Verwaltung, dass die Kosten für das von der Stadt gewählte Bücherschrankmodell bei circa 3.800 Euro liegen. Vorteile der Ausführung seien eine geringe Störanfälligkeit und die Wahrung eines einheitlichen Bildes. Zudem seien die gewählten Bücherschränke wirtschaftlich sinnvoller als die Aufstellung von individuellen Objekten. Auch deshalb, weil die Schränke bereits über ein integriertes Fundament verfügen, wodurch meist auf eine teure Fundamentsetzung verzichtet werden könne und auch die Aufstellung ohne weitere Kosten stattfinden solle. 2
Darüber hinaus berichtete die Verwaltung, dass die Stadtbezirke für die Aufstellung eines Schrankes die geschätzte Summe von 3.800 Euro zu Verfügung stellen sollen, aber die Verkehrssicherungspflicht durch die Stadt übernommen wird. 3
Inzwischen sind 5 Jahre vergangen und immer noch läuft die Ausschreibung für neue Bücherschränke, da die Nachfrage in den Bezirken nach wie vor vorhanden ist. In diesen 5 Jahren hat sich jedoch leider der Preis für die Beschaffung der Schränke mehr als verdoppelt. In einer aktuellen Schätzung der Verwaltung von Juni dieses Jahres wird der Preis für den Kauf eines Bücherschranks bis hin zu seiner Aufstellung mit circa 10.600 Euro beziffert. Davon entfallen unter anderem 4.500 Euro auf die eigentliche Produktion des Schranks und 2.800 Euro auf notwendige Tiefbauarbeiten bzw. die Legung eines Fundaments. 4
Dass der Bausektor in den letzten Jahren starken Preisschwankungen unterliegt und auch die Herstellungskosten für Produkte wie Bücherschränke stark gestiegen sind, ist unstrittig. Unklar bleibt jedoch, weshalb in den aktuellen Verwaltungskalkulationen eine hohe Summe auf die Fundamentslegung der Bücherschränke entfällt. War doch ein entscheidendes Argument für die Aufstellung des einheitlichen Schrankmodells, dass meist eben kein Fundament und weitere Arbeiten zur Vorbereitung der Aufstellung nötig seien. 5
Der Grundsatzbeschluss betont klar die Vorteile des gewählten Modells gegenüber Bücherschränken der Marke Eigenbau. Wohl auch deshalb hält die Verwaltung in diesem Jahr erneut daran fest, dass die Aufstellung von individuellen Bücherschränken nicht vorgesehen ist. 6
Dabei liegt in anderen kreativen Lösungen auch eine große Chance! So könnte nicht nur das knappe Budget der Stadtbezirke durch Alternativen zu den bisher geplanten Schränken geschont werden. Auch bieten andere Konzepte mehr Barrierefreiheit, denn die aktuell eingesetzten Schränke entsprechen aufgrund eines höheren Sockels eben nicht der Idee, dass die Kleinstbüchereien für jeden zugänglich sind.
Daher fragen wir:
1. Weshalb ist in der neuen Kostenschätzung in Höhe von 10.600 Euro die Legung eines Fundaments inbegriffen, wenn ein wichtiger Vorteil der Bücherschränke doch sein sollte, dass diese bereits ein integriertes Fundament besitzen und kaum weitere Installationsarbeiten notwendig seien?
2. Weshalb hält die Verwaltung an der Vorgabe fest, nur das bislang gewählte Bücherschrankmodell zuzulassen, obwohl sich die wirtschaftliche Entscheidungsgrundlage für dieses Modell inzwischen drastisch durch die extreme Preissteigerung geändert hat?
3. Welche Möglichkeiten bestehen, die Stadtbezirke zu unterstützen, doch kostengünstigere, verkehrssichere und dazu noch barrierefreie eigene Bücherschrankmodelle (z.B. Telefonzellen) im öffentlichen Raum aufzustellen?
1 vgl. Stadt Braunschweig (11.05.18): Beschlussvorlage. Konzept zur stadtweiten Einführung von Bücherschränken in Braunschweig, Ds.18-08216.
2 vgl. Stadt Braunschweig (11.05.18): Beschlussvorlage. Konzept zur stadtweiten Einführung von Bücherschränken in Braunschweig, Ds.18-08216.
3 vgl. Stadt Braunschweig (28.08.18): Mitteilung außerhalb von Sitzungen. Stadtweite Einführung von Bücherschränken in Braunschweig, Ds.18-08801.
4 vgl. Stadt Braunschweig (08.06.23): Stellungnahme. Sachstand Aufstellung neuer Bücherschränke, Ds. 23-21441-01.
5 vgl. Stadt Braunschweig (28.08.18): Mitteilung außerhalb von Sitzungen. Stadtweite Einführung von Bücherschränken in Braunschweig, Ds.18-08801.
6 vgl. Stadt Braunschweig (25.01.23): Stellungnahme. Bücherschank in Lehndorf, Ds. 23-20452-01.
