Rat und Stadtbezirksräte
Beschlussvorlage - 23-22188
Grunddaten
- Betreff:
-
Erneuerung des Jugendplatzes Prinz-Albrecht-Park/Rollschuhbahn
- Status:
- öffentlich (Vorlage freigegeben)
- Vorlageart:
- Beschlussvorlage
- Federführend:
- 67 Fachbereich Stadtgrün und Sport
- Beteiligt:
- 41 Fachbereich Kultur und Wissenschaft; 0610 Stadtbild und Denkmalpflege
- Verantwortlich:
- Herlitschke
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
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Erledigt
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Stadtbezirksrat im Stadtbezirk 120 Östliches Ringgebiet
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Anhörung
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11.10.2023
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Erledigt
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Umwelt- und Grünflächenausschuss
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Entscheidung
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12.10.2023
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Sachverhalt
Sachverhalt:
Die Rollschuhbahn befindet sich im nordwestlichen Teil der historischen Parkanlage Prinz-Albrecht-Park, die als Kulturdenkmal unter Denkmalschutz steht.
Der Park wurde bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts landwirtschaftlich genutzt. Ab 1824 erfolgte eine militärische Nutzung bis ab etwa 1900 die Fläche als naturnaher Waldpark angelegt wurde. Aus dieser Zeit stammt auch das bis heute kaum veränderte Wegenetz mit dem 3,5 km langen und 9 m breiten Rundweg, der durch weitere geschwungene Wege ergänzt wird. Im Nordwesten war ein mit Rosen bepflanztes Oval angelegt, das während des 2. Weltkrieges zum Feuerlöschteich umgestaltet und seit 1950 als Rollschuhbahn genutzt wurde.
Heute ist die Rollschuhbahn ein überregional bekannter und beliebter Jugendplatz, der auf einer großzügigen Asphaltfläche mit einer Basketballanlage inkl. zweier Körbe sowie einer Skate-Anlage mit verschiedenen Skate-Elementen ausgestattet ist und als Freizeitsport-, Spiel- und Bewegungsfläche junge Menschen aus der ganzen Stadt anzieht. Der Jugendplatz ist insbesondere als Ort der Entdeckung eines international bekannten Basketballers mit Braunschweiger Wurzeln bekannt und als solcher eine Kultstätte für Nachwuchsbasketballer in der Region.
In den letzten Jahren wurden an der Rollschuhbahn neue Sitznischen angelegt, die mit zeitgemäßen Bänken und ergänzenden Abfallbehältern ausgestattet wurden, um die Aufenthaltsqualität des Platzes zu erhöhen.
Inzwischen ist die 2001 konzipierte Spiel- und Bewegungsfläche im Oval in die Jahre gekommen, die Skateelemente wie bspw. die Mini-Pipe abgängig, die Asphaltoberfläche weist Risse und Unebenheiten auf und die Betonumrandung des Ovals ist nach diversen Instandsetzungs- und Reparaturmaßnahmen dringend erneuerungsbedürftig. Das Angebot stellt sich generell als nicht mehr zeitgemäß dar und der Wunsch nach einer Erneuerung des herausragenden Platzes wurde laut. Der gesamte Bereich mit einer Gesamtfläche von ca. 3.200 m² muss insbesondere zur Wahrung der Verkehrssicherheit grundsaniert und in diesem Zuge generell modernisiert werden.
Mit den geplanten Maßnahmen zur Qualifizierung für freizeitsportliche Aktivitäten sowie der Aufenthaltsfunktion soll im Rahmen der Erneuerung der ehemaligen Rollschuhbahn ein Leuchtturmprojekt entstehen, das der herausragenden Bedeutung des Ortes angemessen ist. Für die Planung konnte ein renommiertes Planungsbüro aus Köln gefunden werden, das bundes- und europaweit zeitgemäße Anlagen für jugendliche Skater und andere Freizeitsportler entwirft.
Jugend- und Nutzerbeteiligung
Eine Jugendbeteiligungsaktion, die im September 2021 durch die städtische Jugendförderung durchgeführt wurde, ergab, dass insbesondere neue freistehende Elemente - so genannte Obstacles (wie z.B. Funbox, Handrail, Bank) -, ein neuer Bodenbelag, eine Bowl und eine Pyramide gewünscht wurden.
Die gewünschte Graffitiwand wurde aufgrund von Denkmalschutzbelangen seitens der Verwaltung kritisch gesehen.
Zusätzlich zur Skateanlage soll der sich im östlichen Teil der Anlage befindliche Basketballplatz überarbeitet und zeitgemäß angepasst werden, da gerade Basketball sich derzeit als Trendsport immer größerer Beliebtheit erfreut. Hierzu gab es separate Gespräche mit aktiven Basketballern, bei denen deutlich wurde, dass insbesondere auf eine hohe Qualität der Körbe und des Belags Wert gelegt wird. Außerdem wurde seitens der Basketballer eine kleine Sitztribüne gewünscht.
Es entstand weiterhin die Idee - insbesondere vor dem Hintergrund, dass sowohl Skaten als auch 3x3-Basketball seit einiger Zeit olympische Disziplinen sind -, die neue Anlage so zu gestalten, dass hier Contests durchgeführt werden können.
In einem weiteren Prozessschritt wurden auf Initiative des beauftragten Fachplanungsbüros aktive Freizeitsportler aus der Skate- und Basketballszene, die aber auch mit den Bedürfnissen anderer Rollsportler (BMX, Rollerblade, Stunt-Scooter, WCMX) vertraut sind, in zwei mehrstündigen Nutzer-Workshops an der Detailplanung beteiligt, um eine möglichst passgenau den vielfältigen Nutzerwünschen entsprechende Anlage zu entwickeln.
Gesamtgestaltung des Jugendplatzes
Ausgehend von den Ergebnissen der verschiedenen Beteiligungsformate soll auf der Fläche des alten Skateparks im Prinz-Albrecht Park ein moderner Skatepark nach neuestem Stand in Ortbetonbauweise entstehen. Ziel ist es, auf der insgesamt ca. 3.200 m² großen Grundfläche einen belebten Bewegungstreffpunkt zu schaffen, der sich zum einen durch seine funktionale Qualität, aber auch durch einen hohen Aufenthaltswert auszeichnet.
Um der Vision einer städtischen Gesamtplanung nachzukommen, die ein möglichst diverses Angebot an Räumen für informelle Bewegungspraktiken vorsieht, wird das zu überplanende Oval in drei Funktionsbereiche geteilt. Im westlichen Bereich befindet sich eine zeitgemäße Skateranlage, die sich an den heutigen Ansprüchen der Nutzerinnen und Nutzer orientiert. Im östlichen Bereich wird eine Basketballanlage mit zwei Körben, die auch wettbewerbstauglich für 3x3 Basketball (olympisches Streetball) ist, sowie eine weitere kleinere Zwei-Korb-Anlage mit abgesenkten Körben für jüngere Spieler vorgesehen.
Zwischen diesen beiden Freizeitsportbereichen befindet sich ein gemeinsamer Aufenthaltsbereich, der durch Sitzmöglichkeiten und Grünstrukturen geprägt ist und Raum für sozialen Austausch lässt. Hier ist zudem eine Trinkbrunnenanlage vorgesehen.
Ziel ist es, einen sicheren Ort mit besonderer Aufenthaltsqualität zu schaffen. Dazu dienen offene Sichtachsen in den Skatepark sowie eine generell blickdurchlässige Gestaltung, um so auch soziale Kontrolle zu ermöglichen.
Bei der gesamten ovalen Anlage von knapp 3.200 m² derzeit komplett mit Asphalt versiegelter Fläche wird die vorhandene Struktur aufgebrochen: Zukünftig werden rd. 600 m² Fläche (18 %) entsiegelt und mit Grünstrukturen versehen und über 550 m² Fläche (17%) mit wasserdurchlässigem Kunststoff teilentsiegelt. Der mit Ortbeton versehene Bereich beansprucht eine Fläche von rd. 1.300 m² (42 %) und der Asphaltanteil des Ovals wird auf rd. 750 m² reduziert (23 %).
Aus Denkmalschutzgründen bleibt die längs durch die Rollschuhbahn verlaufende Sichtachse zwischen Herzogin-Elisabeth-Straße und Prinz-Albrecht-Denkmal durch eine entsprechende höhengerechte Gestaltung der in Ortsbeton hergestellten Skatelandschaft sowie des angrenzenden Sitzstufenbereiches unverbaut.
Die Entwurfsplanung ist im Detail mit dem städtischen Denkmalschutz einvernehmlich abgestimmt.
Die konkrete Planung der drei Teilbereiche wird im Folgenden beschrieben:
- Skatepark
Der Skatepark wird auf einer Fläche von ca. 1.100 m² erneuert. Um einen „Skatepark für alle“ zu schaffen, berücksichtigt das Konzept sämtliche Alters- und Nutzergruppen sowie verschiedene Anforderungsniveaus. Dies spiegelt sich vor allem in der mit einem Meter eher geringen Grundhöhe wider, die stellenweise durch anspruchsvoller geformte Elemente für Fortgeschrittene und teilweise höhere Randelemente ergänzt wird.
Strukturell orientiert sich das Design an einem Street-Flow-Konzept mit Plaza-Charakter, das sich überwiegend an Street-Elementen aus dem urbanen Raum (z.B. Sitzbänke, Geländer, usw.) bedient. Ergänzend finden sich ebenfalls Flow-Elemente (wie z.B. Quarterpipes), die durch ihre organische Form für mehr Fahrfluss sorgen. Durch das ausgearbeitete Multi-Lines-Konzept entstehen zudem eine Vielzahl lineare, kreisförmige und sich kreuzende Fahrwege, was eine kreative Nutzbarkeit der Anlage verspricht.
Im Speziellen zeichnet sich der Skatepark durch einen zweistufigen Aufbau und weitläufig platzierte Street-Elemente aus. Der Hauptbestandteil (das sogenannte Centerpiece) befindet sich mit einer geringen Grundhöhe in der Mitte des Skatebereiches. Dieses ist durch ein London Gap in StreetKicker-Form angeschlossen und es befinden sich hier jeweils ein Bump to Rail inkl. Downrail Feature sowie ein Bump to Ledge inkl. Downledge. Die untere Ebene ist Street-Plaza-typisch über Freiflächen mit verschiedenen Banks und Quarterpipes mit Corner- und Hip-Funktionen angeschlossen. Die bisher bestehenden alten Banks im Prinzenpark werden überarbeitet und als Chinabanks mit in das neue Design einbezogen. Über die gesamte Länge verteilen sich zudem verschieden hohe Ledges, eine ElevatorFlatledge, ein Manual Pad mit Slappy-Funktion und ein langes Flatbar.
Um den Skatepark mit dem Sportrollstuhl nutzen zu können, wurden WCMX-Rampen an den Anfahrtsbereichen der Fläche integriert. Durch die gewählte Bauweise ergeben sich zwischen den Elementen genügend Abstände, die für sogenannte Flat-Tricks verwendet werden können.
Neben diesen funktionalen Aspekten kann zudem eine Besenbox (zur Aufbewahrung von Equipment für die eigenständige Pflege der Anlage) in das Konzept integriert werden.
Auch wenn die Funktionalität und der Fahrfluss der Elemente als oberster Maßstab der Gestaltung gelten, ist es gerade im Hinblick auf eine nachhaltig kreative und hohe Nutzungsfrequenz wichtig, auch ein unverkennbares Design und die optimale Einbindung des Skateparks in die Umgebung mit in die Planung einfließen zu lassen. Durch die Integration von begrünten Bereichen und Baumpflanzungen in das Design fügt sich der Skatepark gestalterisch gut in die naturnahe Umgebung an. Durch den Einsatz von pigmentiertem Beton in verschiedenen Grautönen kann ein individuelles Bodenmuster im Skatepark erreicht werden.
Die gesamte Skate-Anlage wird in Ortbetonbauweise gefertigt. Dabei wird die Bodenplatte (Flat) mit den geplanten Rampen und Hindernissen „in einem Guss“ konstruiert und gebaut. Im Bauablauf werden Rampen und Hindernisse als erste Elemente geschalt, bewehrt und betoniert. Als identitätsstiftendes und gestalterisches Merkmal werden Schalungen aus Metall als sogenannte verlorene Schalung eingesetzt. Die Bodenplatte wird mittels Verbindungseisen, die durch Bohrungen in der Anschlussschalung geführt werden, mit den Rampen konstruktiv verbunden. Zur Erhöhung der Haltbarkeit werden alle Betonoberflächen zweifach imprägniert. Dieser Vorgang erhöht die Lebensdauer und reduziert den Abrieb von Feinanteilen aus der Deckschicht.
- Basketball-Courts
Als zweiter Teil des Vorhabens soll östlich des Skateparks ein moderner Basketball-Fullcourt, (bzw. zwei 3x3-Courts) sowie ein kleines Basketballfeld entstehen. Beide Spielfelder werden mit gelenkschonendem EPDM-Belag versehen.
Das Oberflächen- und Farbdesign soll in enger Abstimmung mit dem gebürtigen Braunschweiger NBA-Profi und Basketball-Weltmeister Dennis Schröder entstehen Die Ausrichtung des Hauptfeldes wird in Nord-Süd Richtung erfolgen. Hierbei ist durch die umliegende Fläche ausreichend Platz vorhanden, um optionale Stellflächen für Tribünen zu gewährleisten und somit die Voraussetzungen zu schaffen, auch größere Veranstaltungen durchführen zu können.
- Aufenthaltsbereich mit Trinkbrunnenanlage
Der Aufenthaltsbereich im mittleren Teil der Anlage grenzt ebenerdig an beide Freizeitsportflächen an. Dieser ist als mehrstufige Sitzebene geplant und kann von beiden Seiten genutzt werden. Auch die Außenseiten der begrünten „Sitzinsel“ können genutzt werden. Zusätzlich zur Begrünung werden einzelne Bäume seitlich der Sitzbereiche integriert, runden so das Gesamtbild des Aufenthaltsbereiches ab und bieten Schatten.
Die ovale Grundform spiegelt sich hier entsprechend der gesamten Sportanlage im Design wider. Es ist vorgesehen, eine Trinkbrunnenanlage und ggf. eine sogenannte „Watercloud“ in die Aufenthaltsfläche zu integrieren, um den Nutzerinnen und Nutzer der Freizeitsportanlage sowie Besucherinnen und Besuchern des Prinz-Albrecht-Parks die Möglichkeit zu geben, sich mit Trinkwasser zu erfrischen. Hierfür wird die Leitung der Trinkwasserversorgung der nahegelegenen Bezirkssportanlage genutzt, von der ausgehend eine Leitung in der Nähe des an das Oval anschließenden Kaskadenbrunnens führt.
Inklusive bzw. barrierefreie Zugänglichkeit und Nutzung
Die gesamte Planung ist komplett barrierefrei ausgerichtet und kann durch Rollstuhlfahrer/ Rollstuhlsportler uneingeschränkt befahren und genutzt werden. Der Behindertenbeirat war bei den Nutzerworkshops eingebunden und die Planung wurde mit dessen Vertretern abgestimmt.
Beleuchtung
Auf der Anlage soll eine spezielle, dimmbare und zeitgeschaltete Beleuchtung nach einem fachlichen Beleuchtungskonzept installiert werden. Die Beleuchtungsanlage soll mit LED-Leuchtmitteln ausgestattet und entsprechend der festgelegten Nutzungszeiten der Freizeitsportanlage (vgl. Park- und Grünanlagensatzung der Stadt Braunschweig) bis 22:00 Uhr angeschaltet werden.
Kostenschätzung
Die aktuelle Kostenschätzung auf Basis des Planungsentwurfs beläuft sich auf ca. 1,4 Mio. € inkl. Herstellungskosten (Freizeitsportanlagen für Skating und Basketball, Beleuchtung, Aufenthaltsbereiche und Trinkbrunnen), Planungskosten und Baunebenkosten (Schadstoffuntersuchungen, Kampfmittelmaßnahmen).
Für das Projekt wurden Fördermittel des Landes im Rahmen des Förderprogramms „Startklar in die Zukunft“ in Höhe von 35.000 € bewilligt.
Des Weiteren hat Dennis Schröder eine Spende in Höhe von 50.000 €für die Sanierung des Jugendplatzes angekündigt.
Finanzmittel stehen im Teilhaushalt des Fachbereiches Stadtgrün und Sport in ausreichender Höhe auf dem PSP 5E.670064 zur Verfügung.
Weiteres Vorgehen
Nach erfolgter Anhörung des Stadtbezirksrat 120 und der Beschlussfassung im Umwelt- und Grundflächenausschuss könnte das Ausschreibungs- und Vergabeverfahren starten. In Abhängigkeit der vergaberechtlich vorgeschriebenen Fristen sowie der gegenwärtigen Lieferzeiten des benötigten Materials könnte mit einer Umsetzung der Maßnahme voraussichtlich ab dem 2. Quartal 2024 gerechnet werden.
Anlagen
| Nr. | Name | Original | Status | Größe | |
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1
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(wie Dokument)
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1,4 MB
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2
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(wie Dokument)
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2,1 MB
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3
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(wie Dokument)
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770,3 kB
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