Rat und Stadtbezirksräte
Anfrage (öffentlich) - 23-22359
Grunddaten
- Betreff:
-
Mehr Urbanes Grün für Braunschweig
- Status:
- öffentlich (Vorlage freigegeben)
- Vorlageart:
- Anfrage (öffentlich)
- Federführend:
- 0100 Steuerungsdienst
- Verantwortlich:
- Fraktion BIBS im Rat der Stadt
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
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●
Erledigt
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Rat der Stadt Braunschweig
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zur Beantwortung
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14.11.2023
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Sachverhalt
Sachverhalt:
Urbanes Grün hat vielfältige Funktionen. Neben Bewegung und Sport, Aufenthalt und Begegnung leistet es auch einen Beitrag zu Gesundheit und Wohlbefinden und verbessert in den städtischen Quartieren das Wohnumfeld. Vor allem aber ist das Stadtgrün ein wichtiger Faktor in der Anpassung an die Klimakrise. Die grüne Infrastruktur verbessert die Luftqualität, reguliert die Temperatur und den städtischen Wasserhaushalt, bietet Lebensraum für zahlreiche Arten, spendet im Sommer den so wichtigen Schatten und kann einen positiven Einfluss auf das gesamte Stadtklima haben. Mehr urbanes, klimaangepasstes und vitales Grün ist daher unverzichtbar für lebenswerte und resiliente Städte.
Es gibt viele Best-Practice-Beispiele für mehr Grün in deutschen Städten. Die Stadt Aachen hat in einem stark verdichteten Viertel mit großem Mangel an Grün- und Freiflächen einen vernetzten Quartierspark geschaffen. Dazu wurde nicht nur eine leerstehende Gewerbeimmobilie abgerissen, sondern auch auf eine neue Bebauung verzichtet, um intensiv klimaangepasstes Grün zu schaffen. Dafür wurde die Stadt letztes Jahr mit dem Bundespreis Stadtgrün ausgezeichnet.1 Ein weiterer Preisträger ist die Stadt Bad Saulgaul, die über 100 Hektar Einheitsgrün in artenreiches Grün verwandelt hat. Von der Jury gelobt wurde dabei insbesondere die „bewunderungswürdige Kontinuität“, mit der trockenheitsresistente und insektenfreundliche Pflanzungen entstanden sind.2
Die Stadt Braunschweig hat 2020 eine Bürger*innenumfrage zum Freiraumangebot im Stadtgebiet durchgeführt, die die Bedeutung von Grün- und Freiflächen in unserer Stadt nochmals betont. So gaben 97,9 Prozent der Befragten an, dass sie öffentliche Grün- und Freiflächen nutzen, davon über die Hälfte sogar mehr als einmal die Woche. Fast alle Beteiligten (99,4 %) schätzen die positiven Effekte aufs Stadtklima, die Artenvielfalt und die individuelle Gesundheit. Knapp die Hälfte der Befragten findet, dass es nicht genügend Grün- und Freiflächen gibt. Knapp 40 % sehen zusätzlich qualitative Mängel. So wünscht sich die Mehrheit der Befragten mehr naturnahe Flächen wie Blühstreifen, oder auch Dachgärten. Ein Drittel sehen weiteren Bedarf für Parkanlagen. Um Raum für neue Grün- und Freiflächen zu schaffen, halten 75 % der Umfrageteilnehmer*innen den Rückbau von Verkehrsräumen für notwendig.3
In einer kürzlich erfolgten Antwort auf die Anfrage eines Bürgermitglieds im Umwelt- und Grünflächenausschuss führt die Verwaltung an, sich seit Jahren um die Entwicklung von Baumbestand und grünbestimmten Freiräumen zu bemühen.4 Und tatsächlich werden aktuell zahlreiche Maßnahmen zur Stadtbegrünung geplant und umgesetzt. Zu nennen sind hier beispielsweise der geplante Pocket-Park an der Kannengießerstraße, die künftige Umgestaltung des Johannes-Selenka-Platzes zu einem Mix aus Stadtplatz und grünem Pocket-Park und die Überprüfung zahlreicher weiterer Flächen für Pocket-Parks.
Zusätzlich wird in der erwähnten Antwort aufgezählt, dass in den kommenden Jahren unter anderem die Pflanzung von 75.000 m2 Energiewald im Stadtgebiet vorgesehen ist. Auch 15.000 m2 horizontale und vertikale Gebäudebegründung, zusätzliche 50.000 m2 Blüh- und Staudenflächen, zahlreiche Baumneupflanzungen und die Etablierung neuer Obstbaumbestände auf den Streuobstwiesen sowie weitere Pocket-Parks sind geplant.5
Wir fragen:
1. Welche konkreten Maßnahmen mit jeweiligem Zeithorizont sind derzeit geplant, um die formulierten Ziele (75.000 m2 Energiewald, 15.000 m2 horizontale und vertikale Gebäudebegrünung, 50.000 m2 Blüh- und Staudenflächen, Baumneupflanzungen etc.) zu erreichen?
2. Welche Best-Practice-Beispiele für besonders klimaangepasstes Grün aus anderen Städten werden in die Planungen der Stadt Braunschweig einbezogen und wohlmöglich adaptiert?
3. Wann ist eine erneute Bürger*innenbefragung zum Freiraumangebot geplant, um die erfolgten Maßnahmen zur Verbesserung des städtischen Grüns von den Befragten bewerten zu lassen?
1 Vgl. Bundespreis Stadtgrün (online): Suermondt-Park: Das ´Grüne Herz` des Quartiers, https://bundespreis-stadtgruen.de/entry/suermondt-park-das-gruene-herz-des-quartiers/?show-details=true [entnommen am 01.11.23].
2 Bundespreis Stadtgrün (online): Umwandlung von Einheitsgrün in artenreiches Grün im Zuge des Klimawandels, https://bundespreis-stadtgruen.de/entry/umwandlung-von-einheitsgruen-in-artenreiches-gruen-im-zuge-des-klimawandels/?show-details=true [entnommen am 01.11.23].
3 Vgl. Stadt Braunschweig (online): Freiräume in Braunschweig – Ergebnisse der Online-Befragung, https://www.braunschweig.de/leben/im_gruenen/projekte_stadtgruen/freiraumentwicklungskonzept.php,
[entnommen am 01.11.23].
4 Vgl. Stadt Braunschweig (31.05.23): Mitteilung. EU-Nature Restoration LAW/EU-Naturwiederherstellungsgesetz“ – Anfrage des Bürgermitglieds Frau Wanzelius in der Sitzung des Umwelt- und Grünflächenausschusses am 27.04.23, Ds. 23-21517.
5 Vgl. ebd.
