Rat und Stadtbezirksräte
Anfrage (öffentlich) - 23-22510
Grunddaten
- Betreff:
-
Mehr Safe-Spaces für queere Geflüchtete
- Status:
- öffentlich (Vorlage freigegeben)
- Vorlageart:
- Anfrage (öffentlich)
- Federführend:
- 0100 Steuerungsdienst
- Verantwortlich:
- Fraktion BIBS im Rat der Stadt
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
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●
Geplant
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Ausschuss für Vielfalt und Integration
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zur Beantwortung
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24.11.2023
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Sachverhalt
Sachverhalt:
In vielen Ländern werden queere Personen und Angehörige der LSBTIQ* Bewegung aufgrund ihrer Geschlechtsidentität verfolgt. Daher ist diese Art der Verfolgung und Verletzung der Menschenrechte ein anerkannter Asylgrund in Deutschland. Auch Personen mit anderen Fluchterfahrungen und Fluchthintergründen, können sich der queeren Community zugehörig fühlen.
Es gibt kaum belastbare Zahlen bezüglich queerer Geflüchteter, jedoch wird angenommen, dass der Anteil in etwa dem Anteil der LGBTIQ* Personen in der Gesamtbevölkerung entspricht.1 Verschiedene Studien ermitteln, dass zwischen 5-10 % der Gesamtbevölkerung in Deutschland dem queeren Spektrum angehören.
Die Stadt München schätzt den Prozentsatz unter Menschen mit Fluchterfahrung sogar höher ein, da besonders LGBTIQ*-Personen verstärkt aus ihren Heimatländern fliehen müssen. Es ist davon auszugehen, dass viele dieser Geflüchteten nicht als LGBTIQ*-Personen erfasst werden, solange sie die Möglichkeit haben, über einen anderen Fluchtgrund Asyl zu beantragen. München geht daher von 10 % queeren Personen unter den Geflüchteten aus.2
Auch in Braunschweig ist von ähnlichen Anteilen auszugehen, weshalb ein Bedarf besteht, die queeren Geflüchteten richtig und angemessen zu unterstützen. Bislang gibt es in unserer Stadt einige Angebote: So bietet z.B. der VSE ein „Queer Refugee Projekt“ an, bei dem queere Geflüchtete sich vernetzen und vielfältige Hilfestellungen erhalten können.3
Damit diese Angebote genutzt werden können, empfiehlt ein queeres Onlineportal, dass beispielsweise Infobroschüren und LSBTIQ*-Symbole sichtbar ausgelegt werden. So kann auch die Offenheit der städtischen Behörden für die Thematik signalisiert werden. Denn viele geflüchtete Menschen trauen sich (zunächst) nicht, sich zu outen, aus Angst vor negativen Folgen.4 Eine vertrauensvolle Atmosphäre, die Schaffung von Safe-Spaces und anonyme und geschützte Möglichkeiten zur Kontaktaufnahme können hier helfen.
Die LAB als Ankunftszentrum in Braunschweig ist der passende Ort, um die LSBTIQ*-Geflüchteten noch besser zu unterstützen und für sie wichtige Informationen zur Verfügung zu stellen. Denkbar wäre neben bereits vorhandenem Infomaterial und Co. auch die Einrichtung und Bewerbung von queeren Wohngruppen, die als besonderer Schutzraum für alldiejenigen dienen können, die spezielle Hilfestellungen und Safe-Spaces benötigen. Hier könnten die queeren Wohngruppen der Stadt Hannover als Inspiration dienen. Insbesondere sollten auch eine oder mehrere Wohngruppen für trans*Geflüchtete eingerichtet werden.
Wir fragen:
1. Ist denkbar, verschiedene queere und insbesondere trans* Wohngruppen als Safe-Spaces für LGBTQI*- Geflüchtete in Braunschweig einzurichten?
2. Wie hoch schätzt die Verwaltung den Bedarf an queeren Unterstützungsangeboten für Geflüchtete (z.B. entsprechende Wohngruppen) in Braunschweig ein?
3. Wie kann eine vertrauensvolle und diskrete Atmosphäre geschaffen werden, in der sich Geflüchtete trauen, sich über Angebote wie queere Wohngruppen zu informieren?
1 vgl. Berlin Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskiminierung (Online): LSBTI-Geflüchtete; https://www.berlin.de/sen/lads/schwerpunkte/gefluechtete/lsbti-gefluechtete/#:~:text=Grunds%C3%A4tzlich%20gibt%20es%20keine%20verl%C3%A4sslichen,4%20bis%208%20Prozent%20LSBTI [entnommen am 08.11.23].
2 vgl. münchen.de. Das offizielle Stadtportal (Online): LGBTIQ* und Flucht, https://stadt.muenchen.de/infos/kgl-lgbtiq-flucht.html [entnommen am 08.11.23].
3 vgl. VSE e.V. (Online): Queer Refugee Projekt, https://vsebs.de/queer-refugee-projekt/ [entnommen am 08.11.23].
4 vgl. Regenbogenportal.de (Online): Inter* und trans* Geflüchtete richtig unterstützen, https://www.regenbogenportal.de/informationen/inter-und-trans-gefluechtete-richtig-unterstuetzen [entnommen am 08.11.23].
