Rat und Stadtbezirksräte
Mitteilung - 23-22466
Grunddaten
- Betreff:
-
Modellprojekt Braunschweiger Senior*innen selbstbestimmt - Präventive Hausbesuche
- Status:
- öffentlich (Vorlage freigegeben)
- Vorlageart:
- Mitteilung
- Federführend:
- 0500 Sozialreferat
- Beteiligt:
- 50 Fachbereich Soziales und Gesundheit
- Verantwortlich:
- Dr. Rentzsch
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
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●
Erledigt
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Ausschuss für Soziales und Gesundheit
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zur Kenntnis
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23.11.2023
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Sachverhalt
Sachverhalt:
Der Förderzeitraum des Landesmodellprojekts „Präventive Hausbesuche“ begann in Braunschweig offiziell zum 01.01.2021. Die Projektarbeit konnte jedoch erst zum 01.06.2021 starten, da der Zuwendungsbescheid des Landes und somit die Bewilligung der Projektmittel erst später vorlag. Im September 2021 wurde das Rahmenkonzept für die präventiven Hausbesuche in einer Auftaktveranstaltung vorgestellt, zu der per öffentlichem Aufruf potentielle Ehrenamtliche in die Stadthalle eingeladen waren. Insgesamt nahmen 60 Personen an der Veranstaltung teil, von denen 42 für das Projekt gewonnen werden konnten.
Im ersten Schritt wurden die Ehrenamtlichen über Grundlagen in der Kommunikation und Gesprächsführung sowie die in Braunschweig bereits vorhandenen Hilfs- und Unterstützungsangebote für Senior*innen informiert. Parallel wurden alle Menschen in Braunschweig ab 80 Jahren angeschrieben, um ihnen die Möglichkeit der Inanspruchnahme eines präventiven Hausbesuches aufzuzeigen. Im Turnus von drei Monaten wurde der Versand der Anschreiben wiederholt, um auch die Personen zu erreichen, die neu in der Altersgruppe hinzugekommen waren. Die Reaktionen und Rückmeldungen der Zielgruppe waren sehr positiv – auch wenn nicht in jedem Fall ein Hausbesuch gewünscht war.
Mit interessierten Senior*innen führten die Ehrenamtlichen dann ein Erstgespräch durch. Ein einheitlicher Gesprächsleitfaden ermöglichte die standardisierte Erfassung von Bedarfen und die aktuelle Wohn- und Lebenssituation. Abgefragt wurden u. a. Themen wie eine benötigte Haushaltshilfe, der Wunsch nach Freizeitgestaltung bzw. Kontakten sowie der Bedarf an Hilfe bei der Beantragung verschiedener sozialstaatlicher Leistungen. Auf Wunsch erfolgte ein zweiter Kontakt durch die Sozialarbeiter*innen der jeweils zuständigen Nachbarschaftshilfe. Im Vordergrund stand hier die Fachberatung, wie beispielsweise die Hilfe zur Selbsthilfe sowie die Vermittlung an weitere relevante Institutionen.
Insgesamt wurden 575 Senior*innen durch die Ehrenamtlichen besucht (Stand 14.09.2023). In 489 Fällen kam es anschließend zu Zweitkontakten durch die Nachbarschaftshilfen. Stichprobenartig wurden zusätzlich 208 Evaluationsbesuche durchgeführt. Es zeigt sich, dass sich besuchte Personen fast ausnahmslos gut bis sehr gut durch das Projekt informiert fühlten. In 53 % der Fälle konnte den Senior*innen direkte Hilfe vermittelt bzw. durch Unterstützung auf den Weg gebracht werden. 47 % hatten ausschließlich Beratungsbedarf.
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Hier wurde deutlich, dass trotz aller bestehenden Hilfs-und Unterstützungsangebote, ein aktives Ansprechen der Senior*innen eine sehr wichtige Ergänzung darstellt. Da die Senior*innen den Wunsch nach neuen Kontakten sehr oft äußerten, wurden in Zusammenarbeit mit den Nachbarschaftshilfen sechs regelmäßig stattfindende Quartiersspaziergänge initiiert, in denen sich die Senior*innen austauschen können und gemeinsam aktiv im Quartier unterwegs sind. Diese werden nach wie vor sehr gut angenommen.
Projektende und Prüfung anschließender Fördermöglichkeiten
Die Förderung durch das Land Niedersachsen endet zum 31.12.2023 und wird nicht fortgesetzt. Die Projektergebnisse zeigen jedoch, dass der Bedarf für eine Präventionsberatung und Information für Senior*innen sehr groß ist und aufgrund des sozio-demografischen Wandels ein steigender Bedarf gesehen wird. Durch die Anschreiben der Stadt konnten Menschen mobilisiert werden, die bisher nicht erreicht werden konnten (erfolgreiche Prävention).
Alternative Finanzierungsmöglichkeiten über Bundes- oder Landesmittel sowie über die Präventionsmittel der Kranken- und Pflegekassen wurden seitens der Verwaltung und Projektteams geprüft. Das Ergebnis: Aktuell gibt es kein Förderprogramm der Kassen, welches explizit auf dieses Projekt zugeschnitten wäre. Auch die auf Bundesebene im Rahmen der durch das BMFSFJ ins Leben gerufenen „Strategie gegen Einsamkeit“ existierenden Fördermittel bieten keine Möglichkeit für die Verlängerung der „Präventiven Hausbesuche“. Grundsätzlich ist zu beachten, dass mit einer Mittelakquise über Drittmittelgeber wieder eine zeitlich befristete Projektierung einhergehen würde.
Nach Förderende 2023 wäre das Seniorenbüro zwar grundsätzlich inhaltlich in der Lage, die Koordination des Projektes sowie den Versand der Anschreiben und des Informationsmaterials zu übernehmen. Die präventiven Hausbesuche würden die Arbeit der Nachbarschaftshilfen als niedrigschwelliges Beratungsangebot im Stadtteil weiter ergänzen bzw. erweitern. Konzeptionell soll die Zielgruppe erweitert und auch etwas jüngere Menschen (z. B. ab 70) angesprochen werden. Mit seinen derzeitigen Aufgaben ist das Seniorenbüro jedoch vollständig ausgelastet und könnte diese Aufgaben nur durch zusätzliche Ressourcen leisten.
