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Mitteilung - 23-22640

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Beratungsfolge

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Sachverhalt

Die Digitalisierung wird als ein für städtische Belange langfristiger Entwicklungsprozess verstanden, durch dessen transformierenden Charakter eine Querschnittswirkung auf nahezu alle Bereiche der kommunalen Daseinsvorsorge erwartet wird. Die Stadt Braunschweig misst dem Thema eine hohe Priorität bei und hat neben der bestehenden IT-Abteilung, die die „innere“ Digitalisierung verantwortet, im Jahr 2021 die Stabsstelle Digitalisierung, Smart City gegndet. Ihre Aufgabe liegt ergänzend darin, die städtischen Ziele umzusetzen, reife Lösungen zu nutzen, eigene Pilotprojekte und Reallabore zu initiieren und die Stadtgesellschaft mitzunehmen. Die Stadtverwaltung begreift sich dabei als Moderatorin und Ermöglicherin des digitalen Wandels. Sie setzt die Rahmenbedingungen, fordert das aktive städtische Netzwerk, schafft Plattformen und Orte des Austausches. Zugleich ist sie selbst aktive Gestalterin des digitalen Wandels und profitiert über das Netzwerk von der Expertise Dritter. Initiativen und einzelne innovative Treiber der Verwaltung werden gezielt gefördert.

Das Ziel dieser Mitteilung liegt darin, einen Einblick über die Digitalisierungs- und Smart City Aktivitäten im Zuständigkeitsbereich des Dezernats II zu geben. Die als Anhang zur Mitteilung beigefügte Broschüre liefert einen ganzheitlichen Überblick der bei der Stadt Braunschweig laufenden Digitalisierungs- und Smart City-Projekte.

 

  1. Digitales Arbeiten

In dem Handlungsfeld Digitales Arbeiten geht es um das Dokumentenmanagementsystem und seine verschiedenen Anwendungsfälle (Stichwort „papierloses Büro“), die Modernisierung der digitalen Infrastruktur in der Verwaltung, die Schulung und Förderung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu den Vorteilen des digitalen Arbeitens und die Schaffung von Akzeptanz für die digitale Transformation der Verwaltung.

Im Jahr 2020 wurde in den Organisationseinheiten der Stadt Braunschweig mit der Einführung des Dokumentenmanagementsystems (DMS) Enaio begonnen. Ziel ist es, bis Ende 2026 eine digitale Vorgangssachbearbeitung in der gesamten Stadtverwaltung einzuführen. Dies beinhaltet die digitale Aktenführung, Aktenhaltung und die Einführung von fachbezogenen Fallakten und elektronischen Akten mit digitalen Arbeitsabläufen. In diesem Zuge werden auch bestehende Akten digitalisiert und in das DMS überführt.

Einige Organisationseinheiten haben bereits mit dem Echtbetrieb des DMS begonnen, darunter der Fachbereich 10 (Zentrale Dienste), die Abteilung 20.3 (Steuern) und der Fachbereich 65 (Gebäudemanagement). Die Zentrale Poststelle im Fachbereich 10 wurde zu einer Post- und Scanstelle umgebaut, um eingehende Post digital zur Verfügung zu stellen und die Aktenführung vollständig digital und medienbruchfrei zu gestalten. Der weitere Ausbau des DMS und die Umstellung weiterer Organisationseinheiten sind für das Jahr 2024 geplant.

Die Umstellung auf ein DMS fördert dabei auch die Möglichkeiten von mobilem Arbeiten oder Telearbeit, da ein ortsunabhängiger Zugriff auf Akten und Vorgänge besteht.

Darüber hinaus finden derzeit verschiedene Digitalisierungsaktivitäten statt. Sie zielen darauf ab, möglichst viele der mit der Digitalisierung verbundenen Vorteile zu realisieren. Unter den laufenden Digitalisierungsvorhaben seien genannt:

-          Digitalisierung von internen Prozessen

-          Modernisierung von Netzwerk-Komponenten

-          Einrichtung einer virtuellen Poststelle

-          Modernisierung von Fachverfahren

 

  1. Online-Services

Um die Digitalisierung des öffentlichen Sektors in Deutschland zu fördern, verabschiedete der Bund im August 2017 das Gesetz zur Verbesserung des Onlinezugangs zu Verwaltungsleistungen (OZG).

In der Stadt Braunschweig hat sich die Anzahl der digital angebotenen Verwaltungsleistungen seit der Freischaltung des Serviceportals im November 2022 stetig erhöht und umfasst zurzeit ca. 140 Dienstleistungen. Mit der Fortführung des OZG, dem OZG 2.0, werden aktuell die Implementierungen des zentralen Bürgerkontos (BundID) und die Bereitstellung des MUK (Mein Unternehmenskonto) in das Serviceportal vorbereitet. Diese Konten dienen zur Identifizierung, Authentifizierung und Kommunikation bei der Nutzung digitaler Verwaltungsleistungen.

 

Bei der Digitalisierung weiterer Verwaltungsleistungen ist das wichtigste Kriterium in der Stadtverwaltung die Priorisierung anhand der Nachfrage durch die Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen. Hier spielt eine große Rolle, ob für die zu digitalisierende Leistung

  • eine Fachanwendung vorhanden ist oder
  • dafür ein städtisches Formular verwendet werden kann oder
  • über den digitalen Marktplatz, eine „Einer-für-Alle“-Leistung (EfA) angeboten wird.

 

  1. Künstliche Intelligenz

Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in der öffentlichen Verwaltung bietet zahlreiche Vorteile, die Effizienz, Transparenz und Bürgerfreundlichkeit verbessern können. So können beispielsweise Chatbots und virtuelle Assistenten häufig gestellte Fragen beantworten, beim Ausfüllen von Formularen assistieren und allgemeine Informationen bereitstellen, was die Erreichbarkeit der Verwaltung verbessert und Wartezeiten reduziert. Einer der Hauptvorteile besteht in der Automatisierung wiederkehrender Aufgaben, wodurch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Aufgaben schneller bewältigen können, was insgesamt zu kürzeren Bearbeitungszeiten und Rückmeldefristen führt. Dies kommt sowohl der Verwaltung als auch Unternehmen und den Bürgerinnen und Bürgern zu Gute. Durch die Entlastung können die Beschäftigten der Verwaltung auch Zeit für komplexe und kreative Aufgaben aufwenden.

Um sich dem Thema KI in der Verwaltung zu nähern, hat im November 2023 ein Workshop mit Microsoft stattgefunden. Die Stadt Braunschweig ist bereits Kundin von Microsoft. Ein Zugang zu der Infrastruktur des Techunternehmens, die auch KI-Anwendungen umfasst, ist durch bestehende Rahmenverträge gegeben. In dem Workshop haben die Stabsstelle Digitalisierung, Smart City und die IT-Abteilung 10.4 gemeinsam mit einem Expertenteam von Microsoft zwei Chatbot-Prototypen entwickelt. Einer der Chatbots kann allgemeine Auskünfte geben und somit Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Verwaltung beim Verfassen von Texten unterstützen. Der andere Chatbot wurde mit Dokumenten aus der Verwaltung trainiert und gibt auf Nachfrage gezielt Antworten. Zuvor war das Durchsuchen der Dokumente nur über eine Stichwortsuche möglich, die unzureichende Ergebnisse lieferte. Eine gezielte Suche war folglich nicht möglich. Durch das neue Tool soll eine ergebnisorientierte Suche geschaffen werden. Im nächsten Schritt sollen hierzu zunächst erste Tests mit einer Testgruppe stattfinden.

 

  1. Urbane Daten

Bei urbanen Daten geht es um das Öffnen von Datensilos und die Etablierung eines standardisierten und offenen Umgangs mit kommunalen Daten in der Verwaltung und darüber hinaus.

Um Anwendungsfälle für die Erhebung und Nutzung von Echtzeitdaten zu erproben, hat die Stadt Braunschweig gemeinsam mit der Digitalagentur KOM|DIA ein interaktives Smart City-Dashboard eingerichtet. Auf einer Karte werden die Messwerte verschiedener Sensoren dargestellt, die im Stadtgebiet an unterschiedlichen Stellen installiert sind. Die Daten werden über das energieeffiziente LoRaWAN-Netzwerk übermittelt. Beispielsweise wurden an insgesamt zehn Braunschweiger Schulen Wetterstationen installiert. Auch das Radverkehrsaufkommen, die Parkhausbelegung, die Fußgängerfrequenzen, der Autoverkehrsfluss sowie Temperatur und Pegelstand der Oker können eingesehen werden. Das Datenangebot wird durch den Ausbau des LoRaWAN-Netzwerkes und der Realisierung neuer Anwendungsfälle stetig ausgeweitet. Der Fachbereich Stadtgrün und Sport nutzt die Technologie für eine smarte Baumbewässerung. So kann dort ressourcenschonender gearbeitet werden.

Das Open Data-Portal der Stadt Braunschweig ist eine Plattform zur Bereitstellung offener Daten aus verschiedenen Themenbereichen. Um „offene“ Daten handelt es sich, wenn die Stadt die Datensätze zur freien Nutzung unentgeltlich und in offenen, maschinenlesbaren Formaten bereitstellt, damit sie beliebig weiterverwendet und weiterverarbeitet werden können. Einzige Voraussetzung ist dabei die Angabe der Quelle und die Berücksichtigung der Lizenz. Mit diesen Datensätzen können innovative Ideen und mobile Anwendungen entwickelt werden, von denen Bürgerinnen und Bürger, der Wirtschaftsstandort Braunschweig, aber auch die Stadtverwaltung selbst profitieren können. Mittelfristig ist auch die Aufnahme offener Daten verschiedener Kooperationspartner geplant.

 

  1. Digitale Infrastruktur

Die digitale Infrastruktur spielt eine zentrale Rolle in Braunschweig als Smart City. Die Schwerpunkte umfassen den Breitbandausbau, die Ausweitung des öffentlichen WLAN-Netzes sowie des LoRaWAN-Funknetzes und die Schuldigitalisierung.

 

Die Stadt Braunschweig fördert den kabelgebundenen Glasfaserausbau in Gewerbegebieten, an unterversorgten Schulen sowie an weiteren privaten Adressen. Die Ausweitung eines schnellen Breitbandnetzes hat nachweislich einen wirtschaftlich bedeutsamen und robusten Wachstumseffekt in den angebundenen Regionen. Fördermittel des Bundes und des Landes sollen dort helfen, wo wirtschaftlich kein ausreichender Ausbau sogenannter „weißer Flecken“ mit grundsätzlichen Bandbreiten von weniger als 30 Mbit/s erfolgt. Darüber hinaus unterstützt die Breitbandkoordinierung des Wirtschaftsdezernats Telekommunikationsunternehmen bei ihrem eigenwirtschaftlichen Engagement, um einen möglichst flächendeckenden Glasfaserausbau zu erzielen. Durch den eigenwirtschaftlichen Ausbau konnten in den letzten Jahren über 100.000 Haushalte mit schnellen und modernen Glasfaseranschlüssen versorgt werden.

 

Durch kostenfreies öffentliches WLAN sollen Bürgerinnen und Bürger ebenso wie Besucherinnen und Besucher an hoch frequentierten Orten, wie der Innenstadt, einen zusätzlichen Kanal zum Internet haben. Das Ziel der Initiative BS|Hotspot (eine Initiative von BS|Energy, htp und Stadt Braunschweig) ist die Ausstattung der Innenstadt sowie der Wasserwelt an der Hamburger Straße mit freiem WLAN.

 

LoRaWAN ist ein Funkstandard mit hoher Reichweite und geringem Energieverbrauch, ideal r die Vernetzung von Objekten mit geringen Datenmengen. Dieses Netz soll im Jahr 2024 weiter ausgebaut werden. Hierzu werden zurzeit im Stadtgebiet neue Standorte identifiziert. Der Nutzen der Technologie wird künftig umso größer werden, je stärker Objekte vernetzt sein werden und je größer die Bedeutung von Echtzeitdaten für Verwaltung, Politik und Wirtschaft wird.

 

  1. Veranstaltungen

Um den direkten Kontakt mit den Bürgerinnen und Bürgern zu fördern, führt die Stabsstelle Digitalisierung, Smart City verschiedene Veranstaltungen durch. So organisierte sie im August 2023 den Digital Day auf dem Platz der Deutschen Einheit, bei dem sich verschiedene Unternehmen und Organisationen vorstellten und zeigten, wie sie neue Technologien in der Praxis und bei ihrer Arbeit einsetzen. Als Aussteller waren dort vertreten: Berufsfeuerwehr Braunschweig, DLR, BS|Energy, KOM|DIA, Internetcafé 50+, Volkshochschule, AWO, Vaarhaft, Verbraucherzentrale und die VirtuaLounge sowie die Stabsstelle Digitalisierung, Smart City der Stadt Braunschweig. Ziel des Digital Days ist es, die digitale Teilhabe zu fördern und Digitalisierung für die gesamte Gesellschaft erlebbar zu machen. Der Digital Day wurde von den Braunschweigerinnen und Braunschweigern sehr gut angenommen, was sich an den vielen Besucherinnen und Besuchern an den Ständen zeigte.

Im Frühjahr 2023 veranstaltete die Stabsstelle Digitalisierung, Smart City im Haus der Wissenschaft eine Podiumsdiskussion zum Thema der Künstlichen Intelligenz, zu der sich über 100 interessierte Personen anmeldeten. Teilnehmer der Podiumsdiskussion waren Herr Prof. Gerald Spindler, Herr Prof. Alexander Ecker, Frau Prof. Simone Kauffeld und Herr Prof. Sebastian Stober. Sie diskutierten in der durch den Leiter der Stabsstelle Digitalisierung, Smart City, Herrn Dr. Josipovic, moderierten Veranstaltung über Recht und Regulierung bei KI, Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt, Gesundheit, Bildung, Mensch und Gesellschaft sowie die Zukunft der KI.

 

  1. Netzwerkaktivitäten

Die Stabsstelle Digitalisierung, Smart City vernetzt sich intern in der Verwaltung sowie extern mit anderen Städten, Kommunen, Institutionen, Unternehmen und Forschungseinrichtungen. So gründete sie im Jahr 2022 das Netzwerk Autonomes Fahren. Ziel des Netzwerkes ist es, einen autonomen fahrenden Linienbus zur Personenbeförderung in den Echtbetrieb zu bringen. Hierzu tauschen sich die Netzwerkmitglieder regelmäßig aus. Zu ihnen gehören Institute der TU Braunschweig, das DLR, die PTB, die IAV, die Automotive Agentur Niedersachsen, der Regionalverband Großraum Braunschweig, die BSVG sowie verschiedene Abteilungen der Stadt Braunschweig. Die nunmehr siebte Sitzung des Netzwerks ist für Anfang 2024 geplant.

Zudem engagiert sich die Stabsstelle Digitalisierung, Smart City in verschiedenen Arbeitskreisen, bspw. des Deutschen Städtetages, des Niedersächsischen Städtetages und der Kommunalen Gemeinschaftsstelle (KGSt). Beim Niedersächsischen Städtetag ist Herr Dr. Josipovic Vorsitzender des Arbeitskreises Digitalisierung. Durch den stetigen Austausch hat sie einen guten Einblick in weitere Digitalisierungsmaßnahmen, die auch für die Stadt Braunschweig relevant sein könnten.

 

  1. Fazit

Die Einblicke über die Digitalisierungs- und Smart City-Aktivitäten der Stadt Braunschweig zeigen die große Vielfalt an innovativen und zukunftsweisenden Projekten, die bereits heute schon umgesetzt werden. Insgesamt zeigt sich, dass die Stadt Braunschweig den digitalen Wandel als Chance begreift und aktiv gestaltet. Hierbei ist es wichtig, dass die Stabsstelle auch zukünftig einen guten Austausch sowohl intern als auch extern pflegt, sich frühzeitig mit innovativen Projekten beschäftigt und diese auf die Einsatzmöglichkeiten innerhalb der Verwaltung prüft. Insbesondere im Bereich der künstlichen Intelligenz werden sich in naher Zukunft viele neue Möglichkeiten ergeben. Diese rechtzeitig zu erkennen und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei diesem Wandel mitzunehmen, ist von hoher Bedeutung.  Perspektivisch werden die Digitalisierung und Smart City Themen weiter an Bedeutung gewinnen und sollen dazu beitragen, dass Braunschweig auch in Zukunft eine lebenswerte und zukunftsfähige Stadt ist.
 

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