Rat und Stadtbezirksräte
Stellungnahme - 24-22922-01
Grunddaten
- Betreff:
-
Renaturierungsgebiet Wabe und Hochwassersituation 2023/24
- Status:
- öffentlich (Vorlage freigegeben)
- Vorlageart:
- Stellungnahme
- Federführend:
- 68 Fachbereich Umwelt
- Beteiligt:
- DEZERNAT VIII -Umwelt-, Stadtgrün-, Sport- und Hochbaudezernat; 0103 Referat Bezirksgeschäftsstellen
- Verantwortlich:
- Herlitschke
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
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Erledigt
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Stadtbezirksrat im Stadtbezirk 212 Südstadt-Rautheim-Mascherode
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zur Kenntnis
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30.01.2024
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Sachverhalt
Sachverhalt:
Das Dezemberhochwasser wurde durch intensive, lang anhaltende Niederschläge in Verbindung mit einer intensiven Vorsättigung der Böden verursacht. In der Wabe/Mittelriede wurde ein knapp 20jährliches Hochwasserereignis ausgelöst, dessen Überschwemmungen sich innerhalb der gesetzlichen Überschwemmungsgebiete abgespielt haben. Die Hochwasserlage in den weiter flussabwärts gelegenen Gebieten war zum Teil deutlich dramatischer als die Lage in Braunschweig.
Die Verwaltung hat die Bürgerinnen und Bürger der Stadt gebeten, Fotos von den höchsten Wasserständen einzusenden. Die Fotos werden ausgewertet und sollen bei der Planung künftiger Hochwasserschutzmaßnahmen berücksichtigt werden. Zur einfachen Datenübertragung wurde ein Link: https://arcg.is/mzi40 eingerichtet. Mit den neuen Erkenntnissen aus den Fotos und den gemessenen Wasserständen sollen die Modellrechnungen überprüft werden. Die Verwaltung bittet, ihr aussagekräftige Fotos über den Link zukommen zu lassen.
Darüber hinaus gibt es angesichts der hohen Jahresniederschläge in 2023 von rund 1000 Litern pro Quadratmeter seit 2017 erstmals wieder sehr hohe Grundwasserstände, die im gesamten Stadtgebiet zu Kellervernässungen führen. In den gewässernahen Bereichen werden die allgemein hohen Grundwasserstände von einem sogenannten Grundhochwasser überlagert, indem sich die hohen Wasserstände aus den Fließgewässern infiltrierend auf das Grundwasser auswirken. Technische Abhilfe durch die Kommune ist nicht möglich. Generell sind Keller auf den höchsten zu erwartenden Grundwasserstand hin auszulegen. Gebäude sind zudem gegen Rückstau aus der Kanalisation so zu sichern, dass kein Wasser aus einer eingestauten Kanalisation in das Gebäude gelangen kann.
Dies vorausgeschickt beantworte ich die Anfrage wie folgt:
Zu 1:
Häuser am östlichen Rand von Rautheim waren nicht überschwemmt. Ob sie - wie viele andere Gebäude im Stadtgebiet - indirekt von den hohen Grundwasserständen oder dem sogenannten Grundhochwasser betroffen waren, ist der Verwaltung nicht bekannt.
Zu 2:
Im Zuge der Renaturierung wurde zusätzlicher Retentionsraum, also Rückhalteraum für das Wasser geschaffen. Durch die Schaffung eines zusätzlichen Gewässerlaufes wurde auch sichergestellt, dass die Wasserstände bei Hochwasser in der Tendenz eher gesunken sind. Das aktuelle Hochwasser war durch lang andauernde Regenfälle geprägt, bei der die durch die Abgrabungen erzeugten zusätzlichen Rückhalteräume keine feststellbare Wohlfahrtswirkung entfalten konnten.
Zu 3:
Die Auswirkungen auf die Artenvielfalt sind noch nicht abgeschlossen. Insbesondere die Entwicklung des Fließgewässerabschnitts wird regelmäßig im Rahmen des Monitorings durch die Stadtentwässerung Braunschweig untersucht. Hierbei konnten bereits Neuansiedlungen von fließgewässertypischen Arten wie der streng geschützten Helm-Azurjungfer (Kleinlibelle) für Braunschweig festgestellt werden. Mit 49 wirbellosen Gewässerarten gehört der renaturierte Wabeabschnitt bereits jetzt zu den artenreichsten Abschnitten der Wabe, darunter sechs gefährdete Arten der Roten Liste.
