Rat und Stadtbezirksräte
Beschlussvorlage - 24-23136
Grunddaten
- Betreff:
-
Projekt "Stolpersteine 2024"
- Status:
- öffentlich (Vorlage freigegeben)
- Vorlageart:
- Beschlussvorlage
- Federführend:
- 41 Fachbereich Kultur und Wissenschaft
- Beteiligt:
- DEZERNAT IV - Kultur- und Wissenschaftsdezernat
- Verantwortlich:
- Prof. Dr. Hesse
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
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●
Erledigt
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Stadtbezirksrat im Stadtbezirk 130 Mitte
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Entscheidung
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27.02.2024
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Sachverhalt
Sachverhalt:
Gemäß § 93 Abs. 1 Ziffern 5 und 10 des Niedersächsischen Kommunalverfassungsgesetzes (NKomVG) in Verbindung mit § 16 Abs. 1 Ziffer 8 der Hauptsatzung der Stadt Braunschweig vom 8. November 2011 in der derzeit geltenden Fassung entscheiden die Stadtbezirksräte über die Aufstellung von Kunstwerken. Vorliegend handelt es sich bei der Verlegung sogenannter Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig um derartige Kunstwerke. Dem Konzept des Projektes Stolpersteine entsprechend enthalten jeweils neu zu verlegende Steine den Namen der Opfer des Nationalsozialismus sowie kurze Angaben zum Geburtsjahr und zum jeweiligen Schicksal.
Der Verein „Stolpersteine für Braunschweig e. V.“ hat die folgenden Daten zu den Personen
der Familien Hamm und Schipper ermittelt und der Verwaltung mitgeteilt:
Wilhelmitorwall 34, 38118 Braunschweig
Dr. Otto Hamm
Geboren: 25.01.1866 in Seesen
Lebenslauf/Schicksal: Dr. Otto Hamm war Sohn des Tierarztes Wolf Hamm und seiner Frau Charlotte Thekla Hamm, geb. Kohlberg. Er wuchs in Seesen auf. Am 31.05.1901 heiratete er Berta Ballin. 1908 ließ sich Otto gemeinsam mit seiner Frau evangelisch taufen.
Nach Enteignung und Inhaftierung floh Otto 1934 mittellos nach Cincinnati, Ohio, USA. Dort starb er am 24.04.1936.
Ausbildung/Beruf: Otto besuchte zunächst die Jacobsonschule in Seesen, danach das Gymnasium in Hildesheim und studierte anschließend Medizin in Göttingen.
1898 eröffnete er eine HNO-Praxis am Wilhelmitorwall 34 in Braunschweig. Während des 1. Weltkrieges war er Stabsarzt und leitete das Lazarett in Braunschweig.
Wohnort: Wilhelmitorwall 34
Grund der Verfolgung: Jude
Verfolgung: 1933 besetzte die SA seine Praxis und er erhielt Berufsverbot. Der größte Teil seines Familienvermögens wurde beschlagnahmt. Vom 30.12.1933 bis 02.01.1934 war Otto in der Untersuchungshaftanstalt Rennelberg inhaftiert.
Verlegungsort: Wilhelmitorwall 34, 38118 Braunschweig
Grund der Verlegung: Stolperstein als jüdisch Verfolgter. Recherche durch Schülerinnen und Schüler der Realschule John-F.-Kennedyplatz aufgrund der Bitte von Prof. Klaus Scheelhaase, Enkel von Otto Hamm.
Bertha Hamm, geb. Ballin
Geboren: 19.01.1874 in Bad Gandersheim
Lebenslauf/Schicksal: Bertha Hamm wuchs in einem gutbürgerlichen Haushalt auf. Am 31.05.1901 heiratete sie Otto Hamm und zog nach Braunschweig. Sie ließ sich 1908 gemeinsam mit ihrem Mann Otto evangelisch taufen.
Am 11.10.1933 starb Bertha an Krebs.
Ausbildung/Beruf: Sie war Hausfrau und Mutter von drei Kindern.
Wohnort: Wilhelmitorwall 34
Grund der Verfolgung: Jüdin
Verfolgung: Sie erlebte das Berufsverbot und die Besetzung der HNO-Praxis ihres Mannes durch die SA.
Verlegungsort: Wilhelmitorwall 34
Grund der Verlegung: Stolperstein als jüdisch Verfolgte. Recherche durch Schülerinnen und Schüler der Realschule John-F.-Kennedyplatz aufgrund der Bitte von Prof. Klaus Scheelhaase, Enkel von Bertha Hamm.
Dorothea (Thea) Burger, geb. Hamm
Geboren: 04.04.1910 in Braunschweig
Lebenslauf/Schicksal: Dorothea Hamm zog mehrfach um, kehrte jedoch immer wieder nach Braunschweig zurück. Sie folgte 1935 ihrem Bruder Hans-Wolfgang in die USA. In den USA heiratete sie und nahm den Namen Burger an. Die Ehe blieb kinderlos.
Ausbildung/Beruf: Unbekannt.
Wohnort: Wilhelmitorwall 34
Grund der Verfolgung: Jüdin
Verfolgung: Antisemitische Anfeindungen als Jüdin
Verlegungsort: Wilhelmitorwall 34
Grund der Verlegung: Stolperstein als jüdisch Verfolgte. Recherche durch Schülerinnen und Schüler der Realschule John-F.-Kennedyplatz aufgrund der Bitte von Prof. Klaus Scheelhaase, Neffe von Thea Hamm.
Elisabeth Hamm, verh. Scheelhaase
Geboren: 03.07.1902 in Braunschweig
Lebenslauf/Schicksal: Elisabeth Scheelhase wuchs in einem gutbürgerlichen Haushalt auf. Sie spielte Tennis im Club im Bürgerpark und lernte dort ihren späteren Ehemann kennen. Am 19.11.1927 heiratete sie Regierungsbauminister Hermann Scheelhaase (geb. 16.09.1890) in Braunschweig. Elisabeth zog später nach Fallersleben zu ihrem dort arbeitenden Mann (Bau des Mittellandkanals).
Ausbildung/Beruf: Hausfrau und Mutter von zwei Kindern
Wohnort: Wilhelmitorwall 34
Grund der Verfolgung: Jüdin
Verfolgung: Elisabeth war Jüdin, ihr Mann Hermann Scheelhaase war Christ. Er wurde nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten von der Behörde aufgefordert, sich von ihr zu trennen. Er lehnte dies ab und wurde daraufhin zwangspensioniert. 1938 zogen beide nach Berlin, in der Hoffnung, untertauchen zu können. Hermann musste Zwangsarbeit leisten, Elisabeth und ihre beiden Söhne wurden drangsaliert und Elisabeth 1944 deportiert. Jedoch überlebte sie, laut Aussage ihres Sohnes Klaus Scheelhaase, weil ihr Transport wegen zerstörter Infrastruktur kein Vernichtungslager mehr erreichte.
Verlegungsort: Wilhelmitorwall 34
Grund der Verlegung: Stolperstein als jüdisch Verfolgte. Recherche durch Schülerinnen und Schüler der Realschule John-F.-Kennedyplatz aufgrund der Bitte von Prof. Klaus Scheelhaase, Sohn von Elisabeth Hamm.
Hans-Wolfgang Hamm
Geboren: 13.05.1901 in Braunschweig
Lebenslauf/Schicksal: Hans-Wolfgang Hamm wuchs in einem gutbürgerlichen Haushalt in Braunschweig auf. Er studierte Maschinenbau in Braunschweig.
Er flüchtete 1933 vor den Nationalsozialisten in die USA
Ausbildung/Beruf: Er arbeitete als Maschinenbauingenieur nach dem Studium in den USA und kehrte 1929 nach Deutschland zurück.
Wohnort: Wilhelmitorwall 34
Grund der Verfolgung: Jude
Verfolgung: Antisemitische Anfeindungen als Jude
Verlegungsort: Wilhelmitorwall 34
Grund der Verlegung: Stolperstein als jüdisch Verfolgter. Recherche durch Schülerinnen und Schüler der Realschule John-F.-Kennedyplatz aufgrund der Bitte von Prof. Klaus Scheelhaase, Neffe von Hans-Wolfgang Hamm.
Museumstraße 5, 38100 Braunschweig
Markus Schipper
Geboren: 03.12.1894 in Zolynia/Galizien
Lebenslauf/Schicksal: Markus Schipper war in den Jahren 1916 bis 1918 im Dienst der Österreichischen Armee und nahm am Ersten Weltkrieg teil.
Er kam 1919 nach Braunschweig, bezog eine Wohnung in der Schuhstraße und eröffnete sein Geschäft. Er starb 1980 an Herzversagen.
Ausbildung/Beruf: Er war Kaufmann und Inhaber einer Rohproduktenhandlung in der Weberstraße 4.
Wohnort: Museumstraße 5
Grund der Verfolgung: Jude
Verfolgung: Am 15.03.1933 wurde er aufgrund angeblich gewerbsmäßiger Hehlerei verhaftet und kam in die Untersuchungshaftanstalt Rennelberg.
Im Oktober 1937 floh er über Frankreich und Italien nach Palästina. Von dort gelangte er 1938 in die USA.
Verlegungsort: Museumsstraße 5
Grund der Verlegung: Stolperstein als jüdisch Verfolgter. Recherche durch Schülerinnen und Schüler der Realschule John-F.-Kennedyplatz aufgrund der Bitte von Larry Schipper, Enkel von Markus Schipper.
Fanny Schipper, geb.Schmidt
Geboren: 23.01.1898 in Jaslo/Galizien
Lebenslauf/Schicksal: Fanny Schipper heiratete Markus Schipper laut Aussage des Enkels in Polen oder Deutschland. Sie starb 1975 an Krebs.
Ausbildung/Beruf: Sie beendete ihre schulische Ausbildung nach der 8. Klasse und arbeitete als Prokuristin bei der Braunschweiger Manufakturwarengesellschaft (Alte Waage 25)
Wohnort: Museumstraße 5
Grund der Verfolgung: Jüdin
Verfolgung: Fanny blieb mit den Kindern in Braunschweig, während ihr Mann Markus 1937 nach Palästina floh. Er schickte Fanny kontinuierlich Geld, um seine Familie zu unterstützen. Deswegen konnten sie Tickets für eine Reise in die USA erwerben und einen Teil ihrer Habseligkeiten nach Bremen verschiffen. Fanny wurde am 28.10.1938 mit ihren Kindern nach Polen in das Lager Neu Bentschen abgeschoben. Sie und die Kinder erhielten dann eine Ausreisegenehmigung und konnten so Markus am 14.11.1938 von Hamburg aus mit der USS Manhattan in die USA folgen.
Verlegungsort: Museumstraße 5
Grund der Verlegung: Stolperstein als jüdisch Verfolgte. Recherche durch Schülerinnen und Schüler der Realschule John-F.-Kennedyplatz aufgrund der Bitte von Larry Schipper, Enkel von Fanny Schipper.
Norbert Schipper
Geboren: 30.12.1922 in Berlin
Lebenslauf/Schicksal: Norbert Schipper verlebte seine Kindheit in Braunschweig. Er spielte Geige. Auf der Flucht in die USA konnte er fünf Geigen retten. Er heiratete 1947.
Ausbildung/Beruf: In den USA übernahm er später das Geschäft seines Vaters Markus, das heute von seinem Enkel Larry geführt wird.
Wohnort: Museumstraße 5
Grund der Verfolgung: Jude
Verfolgung: Er wurde mit seiner Mutter und Schwester am 28.10.1938 nach Neu-Bentschen abgeschoben und es gelang ihnen danach die Flucht in die USA.
Verlegungsort: Museumstraße 5
Grund der Verlegung: Stolperstein als jüdisch Verfolgter. Recherche durch Schülerinnen und Schüler der Realschule John-F.-Kennedyplatz aufgrund der Bitte von Larry Schipper, Enkel von Markus Schipper.
Suse Fromkin, geb Schipper
Geboren: 22.04.1933 in Braunschweig
Lebenslauf/Schicksal: Suse Schipper heiratete Marvin Fromkin 1956, das Paar bekam zwei Töchter. Sie starb am 05.01.2022 im Alter von 88 Jahren in West Orange, New Jersey, USA.
Ausbildung/Beruf: unbekannt
Wohnort: Museumstraße 5
Grund der Verfolgung: Jüdin
Verfolgung: Suse wurde am 28.10.1938 zunächst mit Mutter und Bruder nach Neu-Bentschen abgeschoben. Anschließend gelang ihr mit Mutter und Bruder die Flucht in die USA.
Verlegungsort: Museumstraße 5
Grund der Verlegung: Stolperstein als jüdisch Verfolgte. Recherche durch Schülerinnen und Schüler der Realschule John-F.-Kennedyplatz aufgrund der Bitte von Larry Schipper, Enkel von Markus Schipper.
