Rat und Stadtbezirksräte

ALLRIS - Vorlage

Beschlussvorlage - 24-23138

Reduzieren

Beratungsfolge

Reduzieren

Beschlussvorschlag

Beschluss:

Der Verlegung sogenannter Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig im öffentlichen Straßenraum vor dem in der Vorlage bezeichneten Grundstück wird zugestimmt.


 

Reduzieren

Sachverhalt

Sachverhalt:

Gemäß § 93 Abs. 1 Ziffern 5 und 10 des Niedersächsischen Kommunalverfassungsgesetzes (NKomVG) in Verbindung mit § 16 Abs. 1 Ziffer 8 der Hauptsatzung der Stadt Braunschweig vom 8. November 2011 in der derzeit geltenden Fassung entscheiden die Stadtbezirksräte über die Aufstellung von Kunstwerken. Vorliegend handelt es sich bei der Verlegung sogenannter Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig um derartige Kunstwerke. Dem Konzept des Projektes Stolpersteine entsprechend enthalten jeweils neu zu verlegende Steine den Namen der Opfer des Nationalsozialismus sowie kurze Angaben zum Geburtsjahr und zum jeweiligen Schicksal.

Der Verein „Stolpersteine für Braunschweig e. V.“ hat die folgenden Daten zu den Personen

der Familie Erlanger ermittelt und der Verwaltung mitgeteilt:

 

Pertristraße 25, 38114 Braunschweig

 

Philipp Jacob Erlanger

Geboren: 31.03.1870 in Frankfurt am Main

Lebenslauf/Schicksal: Philipp Erlanger war der Sohn des Weinhändlers Raphael Erlanger und der Büroangestellten Amalie Erlanger, geb. Gross. Er wuchs gemeinsam mit seiner Schwester Josephine Helene in Frankfurt am Main auf. Philipp verbrachte viel Zeit im Frankfurter Zoo, entwickelte dort eine Zuneigung zu Tieren und hielt diese schon als Kind in kleinen Wachsplastiken und Bildern fest. Er leistete 1890/91 seinen Militärdienst, wurde aber trotz „vollen Einsatzes und Liebe zum Dienst“ als Jude nicht über den Rang eines Unteroffiziers hinaus befördert. Am 14.04.1914 heiratete er in Braunschweig Lucie Bielschowsky; hier war seine Schwester Josephine Helene mit dem Nervenarzt Siegfried Loewenthal verheiratet. Am 27.7.1920 wurde der Sohn Ralph geboren. Philipp Erlanger starb am 20.04.1934 an Herzversagen.

Ausbildung/Beruf: Auf Wunsch des Vaters begann Philipp Erlanger, der eigentlich immer Künstler werden wollte, nach der Schullaufbahn am Philanthropin (heute Privatschule der Jüdischen Gemeinde Frankfurt am Main) eine kaufmännische Ausbildung. Nachdem der Künstler Carl Staffeck dem Vater jedoch das künstlerische Talent seines Sohnes bestätigte, schlug Philipp Erlanger den Weg als Künstler ein. Bevor er ab 1914 in Braunschweig lebte und arbeitete, war er u.a. in München, Dachau und Breslau tig. Er hatte mehrere Ausstellungen mit Tier- und Landschaftsbildern sowie Plastiken von Tieren und menschlichen Figuren.

Wohnort: Petristraße 25

Grund der Verfolgung: Jude

Verfolgung: Ab Februar 1933 war Erlanger betroffen vom Ausstellungsverbot r Werke jüdischer Künstler. Er erlebte nicht mehr, dass die von ihm geschaffene Gedenktafel für die Gefallenen des 1. Weltkriegs in der Eingangshalle der Jüdischen Synagoge zerstört wurde. Eine ebenfalls von ihm geschaffene Kopie der Gedenktafel an der Friedhofskapelle des Braunschweiger Hauptfriedhofs wurde von der SA wohl übersehen und befindet sich noch heute dort.

Verlegungsort: Petristraße 25, 38100 Braunschweig

Grund der Verlegung: Stolperstein als jüdisch Verfolgter. Recherche durch Schülerinnen und Schüler der IGS Heidberg aufgrund der Patenschaft für einen Stolperstein in der Nähe der Celler Straße.

 

Lucie Erlanger, geb. Bielschowsky

Geboren: 15.03.1886 in Ratibor/Schlesien

Lebenslauf/Schicksal: Lucie Erlanger war die Tochter des Kaufmanns Isidor Bielschowsky aus Polen. Am 14.04.1914 heiratete sie den Künstler Philipp Erlanger, am 27.07.1920 wurde der Sohn Ralph geboren.

Ausbildung/Beruf: roangestellte, Verkäuferin und Hausfrau

Wohnort: Petristraße 25

Grund der Verfolgung: din

Verfolgung:  Konkrete Ereignisse konnten nicht nachgewiesen werden, aber sie erlebte alle Einschränkungen und Ausgrenzungen, denen jüdische Menschen seit 1933 ausgesetzt waren. Am 01.06.1937 floh sie in die USA.

Verlegungsort: Petristraße 25

Grund der Verlegung:  Stolperstein als jüdisch Verfolgte. Recherche durch Schülerinnen und Schüler der IGS Heidberg aufgrund der Patenschaft für einen Stolperstein in der Nähe der Celler Straße.

 

Ralph Erlanger

Geboren: 27.07.1920 in Braunschweig

Lebenslauf/Schicksal: Ralph verlebte bis zum 15. Lebensjahr seine Kindheit in Braunschweig, liebte Tiere und das Radfahren. Am 31.1.1935 floh er in die USA, lebte dort zunächst bei Cousins und Cousinen. Er lebte in Cleveland, Ohio. Von 1943 bis 1946 diente er als Soldat in der US-amerikanischen Armee. 1952 heiratete er die aus Deutschland geflohene Susi Strauss und bekam mit ihr einen Sohn und eine Tochter. Er starb am 04.11.1984 nach schwerer Krankheit.

Ausbildung/ Beruf:  In den USA machte Ralph seinen Schulabschluss und arbeitete als Maschinenbauingenieur in einem flugtechnischen Betrieb.

Wohnort:  Petristraße 25

Grund der Verfolgung: Jude

Verfolgung: Konkrete Ereignisse konnten nicht nachgewiesen werden, aber er erlebte alle Einschränkungen und Ausgrenzungen, denen jüdische Menschen seit 1933 ausgesetzt waren. Am 31.01.1935 floh er in die USA.

Grund der Verlegung:  Stolperstein als jüdisch Verfolgter. Recherche durch Schülerinnen und Schüler der IGS Heidberg aufgrund der Patenschaft für einen Stolperstein in der Nähe der Celler Straße.


 

Loading...

Erläuterungen und Hinweise