Rat und Stadtbezirksräte

ALLRIS - Vorlage

Stellungnahme - 24-23279-01

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Beratungsfolge

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Sachverhalt

Sachverhalt:

 

Zu der Anfrage der CDU-Fraktion (DS 24-23279) vom 28.02.2024 nimmt die Verwaltung wie folgt Stellung:


Zu Frage 1:

Die Suchtberatung wird in Braunschweig überwiegend durch freie Träger wahrgenommen, ein kleiner Teil der Suchtberatung erfolgt durch den Sozialpsychiatrischen Dienst im Gesundheitsamt. Belastbare Zahlen, Daten und Fakten werden jährlich im Rahmen von Statistiken sowie Jahres- und Geschäftsberichten durch die freien Träger bereitgestellt.

 

In Abstimmung mit der Drogenberatungsstelle (DROBS) wird die Entwicklung in Braunschweig wie folgt eingeschätzt:

 

Es muss unterschieden werden zwischen Statistiken zu Konsumverhalten und Inanspruchnahmeverhalten. Die Tendenz im Inanspruchnahmeverhalten, also die Anzahl an Ratsuchenden in Beratungsstellen, ist steigend. Dabei liegt ein Schwerpunkt der Zunahme vor allem bei den Jugendlichen und Heranwachsenden, bei denen sich die Anzahl der betroffenen Hilfesuchenden in den letzten 10 Jahren etwa verdoppelt hat. Man kann diese Tendenz allerdings nicht 1:1 auf das Konsumverhalten übertragen, da noch andere Faktoren einfließen. Beispielsweise nehmen Präventionskampagnen und Öffentlichkeitsarbeit auch Einfluss auf die Bereitschaft, sich Hilfe zu suchen. Was aber direkt beobachtet werden kann ist, dass die Art des Suchtmittelgebrauchs sich in den letzten fünf Jahren deutlich verändert hat. Aus den Beratungsinhalten wird deutlich, dass es unter den ratsuchenden Jugendlichen und Heranwachsenden kaum noch Monokonsumierende gibt. Der klassische Konsum eines alleinigen Suchtmittels, beispielsweise Cannabis, wurde zunehmend abgelöst durch ein risikobereiteres Verhalten, alles zu konsumieren, was verfügbar ist, vor allem auch über Internet und Darknet. Dabei werden illegale Suchtmittel, NPS („Neue Psychoaktive Substanzen“) und Medikamente gemischt. Das Risiko des Mischkonsums an sich und der Unwissenheit über Zusammensetzung, Wirkung und Wechselwirkungen der verschiedenen Stoffe wird dabei in Kauf genommen.

Da dies bereits vor der Pandemie zu beobachten war, wird diese Veränderung eher auf die Verbreitung durch die sozialen Netzwerke zurückgeführt. Die Coronapandemie hat sicher modulierend Einfluss genommen, da mittlerweile bekannt ist, dass psychische Belastungen durch häusliche Gewalt, Depressionen, Körperbildstörungen etc. zugenommen haben und somit die während des Lockdowns über Internet/Darknet ständig weiterhin verfügbaren Suchtmittel hier vermehrt zur Selbstmedikation eingesetzt wurden. Es war aber auch zu beobachten, dass bestimmte Suchterkrankte von der Lockdownphase „profitiert“ haben könnten. Klassische Monokonsumenten von Alkohol oder Cannabis oder beispielsweise auch Spielsüchtige hatten durch die mangelnde Verfügbarkeit häufig „Zwangsentwöhnungen“.

 

Im Fachbereich Kinder, Jugend und Familie liegen Ergebnisse der CTC-Jugendbefragung (Alter 11-18 Jahre) vor, die Aussagen über die Entwicklung von Substanzkonsum von 2018 bis 2022 ermöglichen. Beispielhaft wird folgende Graphik zur Verfügung gestellt:

 

 

Detaillierte Ergebnisse wurden im September 2023 im Arbeitskreis Suchtprävention vorgestellt, damit die beteiligten Institutionen die Daten in ihrer Arbeit aufgreifen können.

 

Weitere Informationen zur Verwendung der CTC-Daten sind in der Mitteilung außerhalb von Sitzungen an den Jugendhilfeausschuss „DS 23-21568 Datengrundlagen und Berichtswesen im Rahmen des Planungsverfahrens Communities that Care (CTC) in Braunschweig“ zusammengefasst.

 

Zu Frage 2:

 

Es ist in Braunschweig wie in anderen Großstädten auch von Brennpunkten und Szenetreffpunkten auszugehen. Auch an (weiterführenden) Schulen und Clubs ist mit vermehrtem Drogengebrauch und -verkauf zu rechnen. Gesicherte Zahlen und Daten liegen dazu allerdings eher bei der Polizei.

 

 

Zu Frage 3:

 

In der Abteilung 50.4 Gesundheitsförderung des Gesundheitsamts liegt seit Jahren der Schwerpunkt auf der Suchtprävention. Kooperiert wird mit Institutionen des Arbeitskreises „Suchtprävention“, einem der ältesten Arbeitskreise Braunschweigs.

 

Die Gesundheitsförderung im Gesundheitsamt bietet vielfältige Präventionsprogramme zur Nikotin, Alkohol- und Cannabisprävention mit Schulen.

 

Alkoholprävention:

Seit 2000 werden jährlich in Kooperation mit der Jugendberatung mondo X und wechselnden finanziellen Unterstützern 30 40 Präventionsveranstaltungen „Alkohol Alles im Griff?“ durchgeführt. Die Veranstaltung richtet sich an 8. Klassen aller Schulformen und dauert ca. 120 Minuten. Es geht um Vermittlung von Risikokompetenz und die Veranstaltungen werden evaluiert und ausgewertet. Sie werden von den beteiligten Schüler:innen mit der Note 1,8 bewertet.

 

Cannabisprävention:

Analog zur Alkoholprävention wird seit 2015 das in Lörrach entwickelte und bundesweit transportierte Präventionskonzept „Cannabis Quo Vadis?“ in Kooperation mit mondo X und der Drogenberatung durchgeführt. Auch hier sind es pro Jahr durchschnittlich 30 Präventionen mit Schulklassen des 9. Jahrgangs, die in der Beratungsstelle durchgeführt werden(zweistündig).

 

Sucht in Familien: Filmprojekt Zoey

Seit 10 Jahren bietet die Stadt Braunschweig in Kooperation mit sechs anderen Beratungsstellen (EB Domplatz und Jasperallee, Jugendberatung bib und mondo X, Lukas-Werk, Drogenberatung) zwei Mal pro Jahr das Filmprojekt Zoey für jeweils ca. 200 Schüler:innen an. Jedes sechste Kind lebt in einer Familie, in der Suchtprobleme bestehen; meist handelt es sich um Alkohol. Diese Kinder leiden oft, schämen sich für die Alkoholsucht ihrer Eltern und wagen es oft nicht, sich Unterstützung zu holen. Ziel ist es, das Thema aus der Tabu-Zone zu holen und zu sensibilisieren. Dieses Projekt wird sehr gut angenommen und es wird vom Verein „Eine Region für Kinder“ unterstützt.

Das Projekt besteht aus zwei Teilen: an einem Donnerstag erleben die Jugendlichen von sieben 8. Klassen im Universum Kino den Film „Zoey“; am Tag danach besuchen die Jugendlichen in kleinen Gruppen die beteiligten Institutionen zur Nachbesprechung des Films.

 

Rauchprävention:

Seit über 25 Jahren werden Präventionsveranstaltungen von der Gesundheitsförderung für 7. Klassen durchgeführt. Die Nachfrage schwankt über die Jahre zwischen 5 20 Präventionseinheiten pro Jahr.

 

Suchtprävention in Braunschweig hat eine sehr lange Tradition: Die Akteure des Arbeitskreises Suchtprävention arbeiten bereits über Jahrzehnte zusammen und versuchen den jeweiligen gesellschaftlichen Strömungen und Problemen mit entsprechenden Angeboten gerecht zu werden. Aktuell ist Cannabisprävention und Angebote gegen unterschiedlichste Formen der Mediensucht ein großes Thema. Auch hat Corona verschärfend auf die psychische Gesundheit Jugendlicher gewirkt: Depressionen, Essstörungen, soziale Ängste haben zugenommen und alle Akteure des Arbeitskreises beschäftigen sich mit dieser Problematik und versuchen mit entsprechenden Angeboten zu reagieren. Institutionen berichten über eine deutlich höhere Nachfrage nach Beratung. Braunschweig hat eine gute Struktur der Zusammenarbeit in der suchtpräventiven Arbeit entwickelt. 

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