Rat und Stadtbezirksräte
Anfrage (öffentlich) - 24-23711
Grunddaten
- Betreff:
-
Baumbilanz für Braunschweig - Verlust und Ersatz- bzw. Neupflanzungen von Bäumen im Stadtgebiet
- Status:
- öffentlich (Vorlage freigegeben)
- Vorlageart:
- Anfrage (öffentlich)
- Federführend:
- 0100 Steuerungsdienst
- Verantwortlich:
- Fraktion Bündnis 90 - DIE GRÜNEN im Rat der Stadt
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
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●
Erledigt
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Umwelt- und Grünflächenausschuss
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zur Beantwortung
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17.05.2024
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Sachverhalt
Sachverhalt:
Will man sich der Frage nähern, wie eigentlich eine „Baumbilanz“ der letzten Jahre für das Braunschweiger Stadtgebiet aussieht, wie viele Bäume also verloren gegangen sind und wie viele neu gepflanzt wurden, findet man dazu eine Fülle von Informationen. Hier eine unvollständige Auswahl:
In der Mitteilung „Konzept zur Beseitigung der Sturmschäden 'Xavier'” (DS 18-09382) legt die Verwaltung ausführlich dar, wie mit dem Verlust an Bäumen durch die Stürme im Herbst 2017 und Winter 2018 umgegangen werden soll. Den Stürmen Xavier, Herwart und Friedricke fielen 1.287 Bäume zum Opfer, von denen 881 im gesamten Stadtgebiet ersetzt werden sollten. Die Kosten für Pflanzung und Entwicklungspflege schätzte die Verwaltung von 2019 bis 2024 auf insgesamt 1.026.000 €. Zwar gibt es dazu zahlreiche Vorlagen aus einzelnen Stadtbezirksräten. Eine gesamtstädtische Bilanz zu diesen Nachpflanzungen und eine Mitteilung dazu, inwieweit das damalige Konzept umgesetzt werden konnte, steht unserer Wissens nach bislang allerdings noch aus.
Der Abschlussbericht zum Projekt „Braunschweig - integrierter Klimaschutz mit urbanem Grün. Makroklimatische Regulierung durch Pflanzen“ (DS 22-18292) weist aus, dass bis Ende März 2020 insgesamt 650 sog. Klimabäume neu gepflanzt werden konnten. Dieses Projekt sah dabei eine Förderung von 80 % durch Bundesmittel vor.
Zum Haushalt 2022 stellte die CDU-Fraktion eine Anfrage zu Ersatz- und Neupflanzungen von Bäumen (A 26). Hierauf antwortete die Verwaltung wie folgt:
„Die Anzahl der Baum-Ersatzpflanzungen zum Ausgleich des Substanzverlustes aufgrund der Haushaltskonsolidierung 2002 und der aufgrund von Starksturmereignissen beläuft im Jahr 2022 auf insgesamt 194 Bäume. Es handelt sich um Ersatzpflanzungen in Grün- und Parkanlagen sowie im Straßenraum verteilt über das gesamte Stadtgebiet. Die Pflanzungen erfolgen über Auftragsvergaben an Firmen. Die Auftragssumme beträgt 424.000,- €. Die Haushaltsmittel stehen in den Projekten 5S.670036 Ankäufe von Bäumen und 4S.670060 öffentliche Grünflächen / Wiederherstellung zum Teil noch aus den Vorjahren zur Verfügung. Weitere 175 Ersatz-Bäume werden durch den stadteigenen Unterhaltungsbetrieb geplant und gepflanzt. Die geschätzten Kosten in Höhe von insgesamt rd. 70.000,- € für die Beschaffung der Pflanzen und Substrate sind im Projekt 5S.670036 Ankäufe von Bäumen für das Haushaltsjahr 2022 eingeplant. [...]
Über das Förderprojekt „Steigerung der Biodiversität in der Stadt Braunschweig“ werden in 2022 insgesamt 156 Obstbäume auf insgesamt drei Streuobstwiesen (Bevenrode, Lehndorf, Heidberg) neu gepflanzt. Die Kosten in Höhe von 68.826,12 € werden zu 80 % vom Fördermittelgeber und zu 20 % von Stadt Braunschweig getragen.
Ebenfalls über das Förderprojekt „Steigerung der Biodiversität in der Stadt Braunschweig“ werden in 2022 450 Kopfweiden verteilt über das gesamte Stadtgebiet als Neuanlage und als Ergänzung vorhandener Altbestände vorwiegend an Gewässern gepflanzt. Aktuell wird dazu ein Vergabeverfahren durchgeführt. Die geschätzten Kosten in Höhe von 100.000,- € werden zu 80 % vom Fördermittelgeber und zu 20 % von Stadt Braunschweig getragen.”
Nach der mit der Mitteilung 24-22965 vorgelegten Baumfällliste 2023 mussten im vergangenen Jahr insgesamt 473 Bäume gefällt werden. Im Jahr 2022 sind 489 verloren gegangen. In den Jahren davor sogar 1.035 (2021) und 1.032 (2020). Aussagen dazu, wie viele dieser Bäume nachgepflanzt werden konnten, liegen uns bislang noch nicht vor. Das entspricht von 2020 bis heute einem Verlust von 3.029 Bäumen.
Die Situation insgesamt ist also sehr komplex und es ist nur schwer nachzuvollziehen, wie die Bilanz aus verloren gegangenen Bäumen und Ersatz- bzw. Neupflanzungen tatsächlich aussieht. Es steht aber zu befürchten, dass es in den letzten Jahren einen nicht unerheblichen Substanzverlust bei den Baumbeständen im Stadtgebiet gegeben hat. Insbesondere bei den Straßenbäumen ist ein schneller Ausgleich dieses Verlustes aus unserer Sicht dringend geboten, weil Bäume in der Stadt einen wichtigen Beitrag zur Anpassung an den zu befürchtenden Klimawandel leisten.
Hierzu bitten wir um die Beantwortung der folgenden Fragen:
1. Wie viele der 881 Bäume, die nach den Stürmen im Herbst/Winter 2017/2018 ersetzt werden sollten, konnten in den letzten Jahren tatsächlich nachgepflanzt werden?
2. Wie viele der 3.029 Bäume, die seit 2020 gefällt werden mussten, konnten nachgepflanzt werden?
3. Falls mehr Bäume verloren gegangen sind als nachgepflanzt werden konnten: Welche Mittel wären notwendig, um den Substanzverlust der letzten Jahren vollständig auszugleichen?
