Rat und Stadtbezirksräte
Beschlussvorlage - 24-24011
Grunddaten
- Betreff:
-
Einrichtung von Kooperationsklassen der Oswald-Berkhan-Schule, Förderschule geistige Entwicklung, und des Gymnasiums Hoffmann-von-Fallersleben-Schule sowie der Johannes-Selenka-Schule, Berufsbildende Schulen Braunschweig
- Status:
- öffentlich (Vorlage freigegeben)
- Vorlageart:
- Beschlussvorlage
- Federführend:
- 40 Fachbereich Schule
- Beteiligt:
- 20 Fachbereich Finanzen; 65 Fachbereich Gebäudemanagement
- Verantwortlich:
- Dr. Rentzsch
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
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Erledigt
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Schulausschuss
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Vorberatung
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16.08.2024
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Erledigt
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Verwaltungsausschuss
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Entscheidung
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Beschlussvorschlag
Beschluss:
- Der Einrichtung von zwei Kooperationsklassen der Oswald-Berkhan-Schule mit dem Gymnasium Hoffmann-von-Fallersleben-Schule wird gem. § 25 Abs. 2 Niedersächsisches Schulgesetz (NSchG) zugestimmt. Eine Klasse wird mit Beginn des Schuljahres 2024/2025, eine weitere Klasse mit Beginn des Schuljahres 2025/2026 eingerichtet.
- Der Einrichtung von einer Kooperationsklasse der Oswald-Berkhan-Schule mit der
Johannes-Selenka-Schule, Berufsbildende Schulen Braunschweig wird gem. § 25 Abs. 2 NSchG zugestimmt. Die Klasse wird mit Beginn des Schuljahres 2024/2025 eingerichtet.
Sachverhalt
Sachverhalt:
Die Oswald-Berkhan-Schule (OBS) hat nach § 25 Abs. 2 NSchG die Zustimmung der Stadt Braunschweig zur Einrichtung von insgesamt zwei Kooperationsklassen am Gymnasium Hoffmann-von-Fallersleben-Schule (HvF) und einer Kooperationsklasse an der Johannes-Selenka-Schule, Berufsbildende Schulen Braunschweig (JSS) beantragt. Die Schulvorstände dieser Schulen haben sich für diese Kooperation ausgesprochen.
Kooperationsklassen gehören organisatorisch zu einer Förderschule, die auf der Basis einer Vereinbarung pädagogisch eng mit einer allgemeinbildenden Schule zusammenarbeitet. Diese Vereinbarung bedarf der Zustimmung des Schulträgers, wenn durch die Zusammen-
arbeit sächliche Kosten entstehen könnten.
Mit VA-Beschluss vom 07.07.2020 (20-13670) wurde die Verwaltung beauftragt, ein Konzept für die Einrichtung von Kooperationsklassen der OBS mit Grundschulen und Schulen der Sekundarstufe I für die Jahrgänge 1 bis 9 zu erarbeiten.
Die Kooperationsklassen sollen Schülerinnen und Schülern (SuS) mit und ohne sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf im Bereich der geistigen Entwicklung das gemeinsame Lernen ermöglichen. Durch den gemeinsamen Unterricht und das zusammen erfahrene Schulleben haben die SuS der verschiedenen Schulformen die Möglichkeit ein hohes Maß an sozialer Kompetenz zu entwickeln. Alle beteiligten SuS erfahren die Unterschiedlichkeit der menschlichen Existenz und können diese als Bereicherung erleben. Der gemeinsame Unterricht von SuS mit und ohne sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf im Bereich der geistigen Entwicklung setzt gerade wegen der unterschiedlichen Lernausgangslagen das Entwickeln von individuellen Lernzielen voraus. Die unterschiedlichen Lernziele können durch Differenzierung im gemeinsamen Unterricht erreicht werden. Die enge Zusammenarbeit von Kolleginnen und Kollegen unterschiedlichster Ausbildungen und Fachrichtungen
(z. B. Grundschul-, Realschul-, Gymnasial- und Förderschullehrkräfte, pädagogische Fachkräfte sowie Lehrkräfte berufsbildender Schulen in unterrichtsbegleitender und therapeutischer Funktion) erweitert die Kompetenzen aller. Sie ist getragen von gegenseitigem Vertrauen und dem Wissen um die besonderen pädagogischen Chancen, die Kooperationsklassen mit sich bringen. Durch die Einbeziehung sonderpädagogischen Fachwissens innerhalb der Schulen werden die dortige Diagnostik, Prävention und Intervention bei sonderpädagogischen Unterstützungsbedarfen gestärkt.
Bereits seit Beginn des Schuljahres 1998/1999 wurde im Rahmen des Regionalen Integrationskonzepts für Braunschweig eine Kooperation für zwei Klassen des Primarbereichs der OBS mit der Grundschule Bürgerstraße eingerichtet. Diese Kooperation besteht seitdem dauerhaft.
Aufgrund von Baumaßnahmen am Hauptstandort der OBS im Schuljahr 2008/2009 waren einige Klassen der Schule räumlich an den Schulstandort Moselstraße der Realschule LebenLernen der Oskar-Kämmer-Schule ausgelagert worden. Durch die enge räumliche Zusammenarbeit beider Schulen ergab sich der Wunsch nach der Einrichtung von zwei weiteren Kooperationsklassen der OBS an diesem Standort. Diesem Wunsch wurde entsprochen. Aufgrund des schlechten baulichen Zustandes der genutzten Schulräume in Pavillons, endete die Kooperation Ende Januar 2013.
Ab dem 01.02.2013 konnte die Kooperation mit einer Realschule allerdings nahtlos fortgeführt werden, da die Realschule Sidonienstraße als Kooperationspartner gewonnen werden konnte. Seitdem werden dort dauerhaft zwei Klassen der OBS, jeweils von Jahrgang 5 bis Jahrgang 8 beschult. Es wird geprüft, ob für die OBS ein zusätzlicher AUR im Rahmen der geplanten Erweiterung der Realschule Sidonienstraße errichtet werden könnte, in dem dann eine zusätzliche Klasse aus dem 9. Jahrgang der OBS als „Brückenklasse“ für den Übergang vom Sekundarbereich I in den Sekundarbereich II untergebracht werden könnte. In dieser Klasse wird der Fokus vermehrt auf Projektarbeit gelegt. Die „Brückenklasse“ soll nach Fertigstellung der baulichen Erweiterung mit Beginn des Schuljahres 2028/2029 erstmals starten.
Durch die Ausweitung der Kooperation der OBS mit anderen Schulen können die am Hauptstandort der OBS bestehenden Raumprobleme, die durch die steigenden Schülerzahlen zunehmen, verringert werden. Das wurde bei dem VA-Beschluss über das Raumprogramm zur Erweiterung der OBS (22-19738) bereits berücksichtigt. Daher hat sich die Schule um weitere Kooperationspartner bemüht. Von Seiten der Verwaltung wurden verschiedene Optionen für Kooperationen hinsichtlich der Verfügbarkeit freier räumlicher Ressourcen an allgemeinbildenden Schulen geprüft. Als Ergebnis musste leider festgestellt werden, dass die Raumressourcen an allen allgemeinbildenden Schulen des Sekundarbereichs I im Stadtgebiet ausgelastet sind und es an keiner Schule ausreichende räumliche Ressourcen zur Unterbringung von zusätzlichen Kooperationsklassen gibt. Nach Vorstellung des Kooperationskonzeptes der OBS an der Grundschule Volkmarode und weiteren Abstimmungsgesprächen war diese Schule trotz geringer räumlicher Möglichkeiten bereit, eine Kooperation einzugehen.
Mit dem eingangs der Vorlage erwähnten VA-Beschluss vom 07.07.2020 wurde daher auch der Einrichtung von zwei Kooperationsklassen mit der Grundschule Volkmarode zugestimmt. Eine Klasse wurde mit Beginn des Schuljahres 2020/2021, eine weitere Klasse mit Beginn des Schuljahres 2021/2022 eingerichtet. Die knappen räumlichen Ressourcen wurden durch die Aufstellung zusätzlicher Schulraumcontainer abgefedert. Ein Hygieneraum sowie ein barrierefreies WC konnten ebenfalls eingerichtet werden.
Für den Bereich der Sekundarstufe I konnte die HvF als neuer Kooperationspartner gewonnen werden. Die Kooperation soll mit Beginn des Schuljahres 2024/2025 zunächst mit einer Klasse an der Außenstelle der Schule am Standort „Am Brunnen 6c“ beginnen. Die Klasse wurde von Jahrgang 1 bis 4 bisher in Kooperation an der Grundschule Volkmarode unterrichtet. Eine weitere Klasse soll an der HvF mit Beginn des Schuljahres 2025/2026 eingerichtet werden. Beide Klassen sollen von Jahrgang 5 bis zum Abschluss des Jahrgangs 8 in Kooperation mit der HvF beschult werden. Da nur die Jahrgänge 5 und 6 des Gymnasiums in der Außenstelle „Am Brunnen 6c“ beschult werden, werden auch die Kooperationsklassen nach dem 6. Jahrgang an den Hauptstandort der Schule wechseln. Die Kooperation soll auf Dauer eingerichtet werden. Die räumlichen Ressourcen an beiden Standorten der HvF sind ebenfalls knapp. Zum Schuljahr 2024/2025 konnte als Interimslösung ein Schulraumcontainer zur Nutzung als Allgemeiner Unterrichtsraum (AUR) bereitgestellt werden. Derzeit wird geprüft, wie die Unterbringung der Kooperationsklassen an der HvF erfolgen könnte. Die Ergebnisse fließen in die Prüfung der geplanten Erhöhung von einer Vier- auf eine Fünfzügigkeit der HvF wegen steigender Schülerzahlen an den Gymnasien ein.
Finanzierung:
Zur Gewährleistung der notwendigen räumlichen Ressourcen zur Unterrichtung der Schüler und Schülerinnen einer weiteren Kooperationsklasse am Gymnasium HvF ab dem Schuljahr 2025/2026 ist die Bereitstellung der Haushaltsmittel im Haushaltsjahr 2025 erforderlich. Hierzu hat der Rat bereits am 9. April 2024 der Bereitstellung außerplanmäßiger Haushaltsmittel in einer Gesamthöhe von 600.000 € zugestimmt.
Zusätzlich konnte die OBS im Bereich der berufsbildenden Schulen die JSS als Kooperationspartner für den Sekundarbereich II gewinnen. Die Zusammenarbeit erstreckt sich auf die Kooperation zwischen einer Klasse der OBS und der Berufseinstiegsklasse 1 Holz der JSS. Diese Kooperation startet mit Beginn der Schuljahres 2024/2025 am Standort Hamburger Straße der JSS. Ein Unterrichtsraum ist am Standort vorhanden und kann der Kooperationsklasse dauerhaft zur Verfügung gestellt werden. Ziel dieser Kooperation ist es, die im Kern-curriculum Geistige Entwicklung vorgegebene berufliche Orientierung der SuS besonders bildungsnah zu fördern. Außerdem haben die SuS beider Schulformen die Möglichkeit, ein hohes Maß an sozialer Kompetenz zu entwickeln. Die Kooperation zwischen der OBS und der JSS erschließt allen Beteiligten im Schulleben und im Unterricht Möglichkeiten zu wechselseitiger Annäherung. Alle sammeln dabei Erfahrungen mit Heterogenität und können diese als Bereicherung erleben.
Im Ergebnis kann festgehalten werden, dass die Vorgabe aus dem o. g. VA-Beschluss bezüglich der Einrichtung von Kooperationsklassen von Jahrgang 1 bis 9 nach der Fertigstellung der erforderlichen baulichen Erweiterung der Realschule Sidonienstraße erfüllt sein wird. Darüber hinaus wird durch den Einstieg der Kooperation der OBS mit der JSS sogar der Sekundarbereich II erschlossen.
Die Stadt strebt die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Beeinträchtigung an und begrüßt daher die Ausrichtung der schulfachlichen Entwicklung an der OBS außerordentlich. Das Kooperationskonzept der OBS wird von der Stadt vollumfänglich unterstützt, sodass einem künftigen Ausbau der Kooperation bis Jahrgang 12 nichts entgegensteht. So ist bereits für die Zukunft geplant, dass die OBS auch noch mit der Helene-Engelbrecht-Schule, Berufsbildende Schulen Braunschweig eine Kooperation eingeht.
