Rat und Stadtbezirksräte

ALLRIS - Vorlage

Stellungnahme - 24-24236-01

Reduzieren

Beratungsfolge

Reduzieren

Sachverhalt

Sachverhalt:

Zur Anfrage der CDU-Fraktion vom 15.08.2024 [24-24236] wird wie folgt Stellung genommen:

 

Wie in der Anfrage geschildert, kommt auch die Verwaltung zu der Einschätzung, dass der Einsatz am Schöppenstedter Turm am 16.04.2024 einer der größten und gefährlichsten der jüngeren Geschichte der Feuerwehr Braunschweig war.

 

Trotz des großen Ausmaßes konnte jedoch durch vorbeugende Maßnahmen der Verwaltung ein noch größeres und gefährlicheres Ereignis verhindert werden. Hierzu zählen im Besonderen die Maßnahmen im Rahmen von mehreren Brandverhütungsschauen und Wiederkehrenden Prüfungen am Objekt. Dadurch konnten im Vorfeld z. B. die Brandlasten reduziert, Maßnahmen zum Schutz der Nachbarschaft angeordnet und die Brand- und Explosionsgefahr durch die Kontrolle der Lagerung der verschiedenen Gefahrstoffe entschärft werden. Dieser Umstand ist besonders zu erwähnen, da die Verwaltung hier den Empfehlungen der Arbeitsgemeinschaft der Leiterinnen und Leiter der Berufsfeuerwehren (AGBF) folgt. Die AGBF empfiehlt, je nach Art der baulichen Anlage, einen Zeitraum zwischen drei und fünf Jahren für die Überprüfung.

 

Diese allgemeinen Ausführungen vorausgeschickt, nimmt die Verwaltung zur Anfrage der CDU-Fraktion im Rat der Stadt [24-24236] wie folgt Stellung:

 

Zu Frage 1:

Einsätze dieser Größenordnung sind zum Glück sehr selten, umso wichtiger ist die Auswertung von Erfahrungen und Erkenntnissen nach einem solchen Großeinsatz. Derartige Einsätze mit einem so dynamischen Verlauf haben gerade am Anfang eine sogenannte „Chaosphase“ bis die vorgegebenen Strukturen funktionieren. Bei diesem Einsatz kam durch die große Gefährdung und den Rückzug aller Einsatzkräfte eine weitere Chaosphase hinzu.

 

Wichtig war es daher, die Erfahrungen möglichst aller Einsatzkräfte zu sammeln. Zusätzlich zu den obligatorischen Einsatznachbesprechungen haben daher alle beteiligten Einsatzkräfte die Möglichkeit bekommen, ihre Erfahrungen über einen Feedbackbogen (unterteilt nach Führungskräften und Einsatzkräften) mitzuteilen. Zahlreiche Rückmeldungen sind über diesen Weg eingegangen, die noch nicht alle abschließend ausgewertet worden sind.

 

Ohne die endgültigen Ergebnisse der Auswertung vorwegzunehmen, sind bereits jetzt folgende Erkenntnisse vorhanden:

 

  • Durch die Einsatzvorbereitung war das Objekt den Führungskräften bereits bekannt. Auf dem Einsatzplan standen die wichtigsten Gefahrenpunkte. Die Alarm- und Ausrückeordnung war für das Objekt angepasst und ermöglichte so einen optimalen Erstangriff.
  • Die gute Schutzkleidung und die gute Ausbildung haben bei dem Unfall zu Beginn des Einsatzes (Verpuffung / Explosion beim Erstangriff) dafür gesorgt, dass zum Glück nur zwei eingesetzte Feuerwehrbeamten leicht verletzt wurden.
  • Die Maßnahme des Rückzuges kam für viele Einsatzkräfte überraschend und hat für eine große Unsicherheit gesorgt.
  • Die Verpflegung war durch die großen Distanzen in der Erstphase bis zum Abend problematisch, da nicht alle Einsatzkräfte erreicht wurden.
  • Die Vorhaltung von Spezialfähigkeiten, auch wenn sie nur selten gefordert sind, zeigt genau bei solchen Einsatzstellen ihren Nutzen und damit auch ihre Daseinsberechtigung. Dazu zählen z. B. das HFS-System zur Förderung von großen Wassermengen über lange Strecken, die Aufklärung und Komplettierung eines 3D-Lagebildes mittels Drohnen oder die Vorhaltung von Betreuungskapazitäten für die Versorgung der eingesetzten Einsatzkräfte.
  • Es wird eine schlagkräftige taktische Einheit für die Durchführung von Logistikaufgaben benötigt.
  • Die (digitale) Vernetzung der verschiedenen Führungsebenen bis hin zum Führungsstab ist gegenwärtig noch eine Schwachstelle, die jedoch absehbar durch die landesweite Einführung einer einheitlichen Stabssoftware gelöst werden wird. Hier agiert die Feuerwehr Braunschweig bereits als Pilotstandort und beschäftigt sich mit der Implementierung sowie der Schulung der ersten Einsatzkräfte. Für die Vernetzung der Führungsebenen mittels Stabssoftware muss jedoch auch die technische Voraussetzung gegeben sein, dies erfolgt u. a. durch die Neubeschaffung des ELW 2.
  • Die Warnung der Bevölkerung erstmalig in der höchsten Stufe des MoWaS des Bundes inkl. Cell Broadcast hat funktioniert, es werden aber auch die geplanten Sirenen dringend benötigt, um alle Personen zu erreichen.
  • Die Vorplanung auch solcher großen Einsatzstellen ist sinnvoll.

 

Zu Frage 2:

Durch die dynamische Brandausbreitung (u. a. über den Hof fließende, brennende Flüssigkeiten) mussten beim Rückzug zahlreiche Gegenstände zurückgelassen werden. So verbrannten mehrere Werfer, Schlauchhaspeln, Schläuche, eine Wärmebildkamera und auch Atemschutzgeräte. Viele Schläuche und teilweise auch Persönliche Schutzausrüstung wurden durch den Einsatz so kontaminiert / beschädigt, dass sie ausgemustert werden mussten. An einer Drehleiter kam es im Heckbereich durch Temperaturbeaufschlagung zu leichten Schäden.

 

Im Bereich der Feuerwehrtechnik wurden bis August 2024 Ersatzbeschaffungen und Reparaturen im Wert von ca. 90.000 Euro im Zusammenhang mit diesem Einsatz beauftragt. Einzelne Ersatzbeschaffungen stehen noch aus, da bestimmte Ausrüstungsgegenstände am Markt nicht mehr erhältlich sind und daher eine umfassende Markterkundung durchgeführt werden musste. Hier werden weitere Kosten von 15.000 bis 20.000 Euro erwartet.

 

Zu Frage 3:

Die Ersatzbeschaffungen und Reparaturen wurden aus dem laufenden Haushalt des FB 37 beglichen.


 

Loading...

Erläuterungen und Hinweise