Rat und Stadtbezirksräte

ALLRIS - Vorlage

Stellungnahme - 24-23875-01

Reduzieren

Beratungsfolge

Reduzieren

Sachverhalt

Sachverhalt:

Zum Antrag DS Nr. 24-23875 der Gruppe Die FRAKTION. BS im Rat der Stadt Braunschweig vom 29. Mai 2024, bei der Darstellung des „Besenmännchen“ auch die kritische historische Auseinandersetzung und dessen nationalsozialistischer Symbolik auf den städtischen Internetseiten zu berücksichtigen, nimmt die Verwaltung wie folgt Stellung:

 

1.:

Informationen zur Plastik des „Besenmännchen“ werden im Rahmen des erinnerungskulturellen Projektes „Vernetztes Gedächtnis“ zur Aufarbeitung des Nationalsozialismus auf den städtischen Internetseiten angeboten. Der Inhalt der Internetseiten zum „Vernetzten Gedächtnis“ sind integraler Bestandteil des Internetauftrittes der städtischen Erinnerungskultur, s.u. http://www.vernetztes-gedaechtnis.de/.

 

Im „Vernetzten Gedächtnis“ wird die Plastik des „Besenmännchen“ unter der Überschrift „Symbol der ‚Reinigung‘: Das Besenmännchen“ wie folgt historisch eingeordnet:

 

Das 1938 vom Bildhauer Jakob Hofmann gefertigte Besenmännchen stand für das im Sinne der nationalsozialistischen Volksgemeinschafts- und Rassenideologie zu verstehende Säubern. Nicht nur körperliche, darüber hinaus auch soziale und staatspolitische Krankheitsherde sollten mit der Erneuerung von Bausubstanz beseitigt werden. Das Ziel lautete „Gesundung der germanischen Rasse“. Die Machthaber sahen in den Massen unzufriedener Arbeiter, die sich in den Altstadtwohnungen ballten und den Klassenkampf auf ihre Fahnen geschrieben hatten, ein Ärgernis. Dieser Unruheherd sollte ausgeschaltet werden. Als „mit dem Staat versöhnen“ bezeichneten es die Nazis. Die kleine Bronzefigur symbolisierte in ihrer ursprünglichen Fassung also über die Sanierung der mittelalterlichen Neustadt hinaus die ab 1933 erfolgte „rassische Reinigung“ von „Minderwertigen“ und politisch „Unzuverlässigen“.

 

Zunächst diente das Besenmännchen als Brunnenfigur für den im Sanierungsgebiet entstandenen Kinderspielplatz an der Weber-/Langestraße. Nach dem Zweiten Weltkrieg, den es im Keller der Villa „Salve Hospes“ verbrachte, stand es am schwedischen Kindergarten in der Hugo-Luther-Straße, wo es jedoch 1953 gestohlen wurde. Ein Jahr später entstand als Symbol der Trümmerräumung eine Steinfigur gemäß dem Originalgipsabguss des Besenmännchens für die Braunschweiger Baugenossenschaft in der Mauernstraße 33. Nach zahlreichen Beschädigungen wurde die Figur 1987 anlässlich des 100jährigen Bestehens der Baugenossenschaft erneut in Bronze gegossen und wieder dort aufgestellt.

 

2.:

Die Replik des Besenmännchens von 1938 in der Mauernstraße 33 ist Eigentum der Braunschweiger Baugenossenschaft (BBG) und befindet sich auf dem Grund des Eigentümers. Vor diesem Hintergrund hat die Verwaltung mit der BBG Kontakt aufgenommen, um die Möglichkeit einer Kontextualisierung der Plastik im Stadtbild zu erörtern. Die BBG steht diesem Vorhaben positiv gegenüber und wird sich hinsichtlich der Umsetzung mit der Verwaltung austauschen und abstimmen.

 

Der im Beschlussvorschlag angesprochene Hinweis auf die Webseite der Stadt wurde aufgegriffen und die entsprechende Passage mit Bezug zum Besenmännchen inzwischen entfernt. (vgl. www.braunschweig.de/leben/stadtportraet/geschichte/etappen-der-stadtgeschichte/ns_zeit.php). Die historische Auseinandersetzung mit dem „Besenmännchen“ wird folgerichtig im „Vernetzten Gedächtnis“ zur Aufarbeitung des Nationalsozialismus in Braunschweig geführt.

 

Vor diesem Hintergrund erachtet die Verwaltung die beantragte Beschlussfassung für nicht erforderlich.

 

Hinweis: Der Antrag bestätigt die Erkenntnis der Verwaltung, dass die im Jahr 2002 implementierten Internetseiten des „Vernetzten Gedächtnis“ inzwischen technisch veraltet und von den Internetnutzern schlecht zu finden sind. Einige Teilbereiche des „Vernetzten Gedächtnis“ sind mit heutigen technischen Standards nicht mehr kompatibel und darstellbar. Die Verwaltung hat bereits im letzten Jahr die technische Modernisierung des „Vernetzten Gedächtnis“ prüfen lassen. Die Prüfung ergab, dass es eines kompletten Neuaufsetzens der Internetseiten bedarf.

Die für eine entsprechende technische Modernisierung und ggf. inhaltliche Ergänzung erforderlichen Finanzmittel stehen aktuell nicht zur Verfügung.

Dies ändert nichts daran, dass die Verwaltung der Überzeugung ist, dass es für die erinnerungskulturelle Arbeit hinsichtlich der Topographie der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Braunschweig einer zeitgerechten Darstellung und barrierefreien Zugänglichkeit bedarf.

 

Loading...

Erläuterungen und Hinweise