Rat und Stadtbezirksräte
Antrag (öffentlich) - 24-23875
Grunddaten
- Betreff:
-
Historische Auseinandersetzung mit dem Besenmännchen
- Status:
- öffentlich (Vorlage freigegeben)
- Vorlageart:
- Antrag (öffentlich)
- Federführend:
- 0100 Steuerungsdienst
- Verantwortlich:
- Gruppe Die FRAKTION. BS im Rat der Stadt
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
|---|---|---|---|---|
|
●
Erledigt
|
|
Ausschuss für Kultur und Wissenschaft
|
Vorberatung
|
|
|
|
20.08.2024
| |||
|
●
Erledigt
|
|
Verwaltungsausschuss
|
Vorberatung
|
|
|
●
Gestoppt
|
|
Rat der Stadt Braunschweig
|
Entscheidung
|
|
|
|
17.09.2024
|
Sachverhalt
Sachverhalt:
Das „Besenmännchen“ wird heute nur noch als Symbol der Altstadtsanierung von 1933 wahrgenommen. Jedoch war das Ziel der Maßnahme auch die Vertreibung der alteingesessenen Bewohner:innen, die mehrheitlich Anhänger:innen der KPD, SPD und sonstiger Gegner:innen der NSDAP waren. Die Figur symbolisierte in ihrer ursprünglichen Fassung die Säuberung im Sinne der nationalsozialistischen Volksgemeinschafts- und Rassenideologie.
Die Figur von Bildhauer Jakob Hofmann wurde am 28. Juni 1938 auf dem Spielplatz Ecke Weberstraße/Lange Straße als „Besenmännchenbrunnen“ eingeweiht. Sie überstand den Krieg, wurde aber 1953 gestohlen. Anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Braunschweiger Baugenossenschaft wurde eine Kopie der Figur in Bronze neu gegossen und von der BBG als neue Eigentümerin in der Mauernstraße aufgestellt. Die Symbolik des Besenmännchens wurde für die neue Figur schließlich umgedeutet und positiv besetzt.
Obwohl historisch belegt ist, dass das „Besenmännchen“ diesen politisch-ideologischen Hintergrund aus der NS-Zeit hat, wird auf der Webseite der Stadt nur die Neuinterpretation der Figur erwähnt.*¹ Und das, obwohl die Stadt selbst auf das Kooperationsprojekt mit der Technischen Universität Braunschweig „Vernetztes Gedächtnis“ verweist, in dem über die einzelnen Erinnerungsorte recherchiert wurde und wo auch auf die Problematik der Symbolik des Besenmännchens hingewiesen wird.*²
In dem 2002 vom Rat beschlossenen „Gedenkstättenkonzept“ wurde das Bemühen um eine bewusste Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit festgeschrieben. Die Inhalte der Erinnerungskultur sollen unter Berücksichtigung neuer Erkenntnisse und vor dem Hintergrund aktueller gesellschaftlicher Diskurse kontinuierlich reflektiert und weiterentwickelt werden.
Auf der Seite der Stadt Braunschweig heißt es dazu:
„Für Braunschweig bedeutet dies vor allem, an möglichst vielen, scheinbar alltäglichen Orten der Stadt darauf hinzuweisen, welche Gefahren einer Gesellschaft aus der Verletzung von Demokratie und Menschenrechten erwachsen können. Wichtiger Bestandteil des „Gedenkstättenkonzeptes“ ist daher eine umfangreiche topografische Bestandsaufnahme der Orte des Erinnerns, die die Ausgangspunkte der Auseinandersetzung mit dem Gewesenen darstellen. Durch die Kennzeichnung dieser Orte, die Dokumentation ihrer Geschichte(n) sowie die Einrichtung von Erinnerungsstätten soll Gedenken und Trauern, Nachdenken und Erinnern, Forschen und Lernen ermöglicht werden.“ *³
Eine Umdeutung der NS-Symbolik und eine Ausblendung des historischen Kontextes halten wir nicht für einen sinnvollen Umgang mit belasteten Denkmälern der Stadt, auch wenn die Objekte oder Orte nicht mehr dem Originalzustand entsprechen. Sie widerspricht den Zielen des Gedenkstättenkonzepts.
Wir möchten daher mit unserem Antrag eine bessere Sichtbarmachung und Kennzeichnung der Geschichte hinter der Skulptur erreichen.
