Rat und Stadtbezirksräte
Antrag (öffentlich) - 24-24375
Grunddaten
- Betreff:
-
Miteinander - Füreinander - Strategie gegen Einsamkeit
- Status:
- öffentlich (Vorlage freigegeben)
- Vorlageart:
- Antrag (öffentlich)
- Federführend:
- 0100 Steuerungsdienst
- Verantwortlich:
- CDU-Fraktion im Rat der Stadt
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
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Erledigt
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Ausschuss für Soziales und Gesundheit
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Vorberatung
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26.09.2024
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Erledigt
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Verwaltungsausschuss
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Vorberatung
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Erledigt
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Rat der Stadt Braunschweig
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Entscheidung
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05.11.2024
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Beschlussvorschlag
Die Verwaltung wird gebeten, eine lokale Strategie gegen Einsamkeit zu erarbeiten und dem Rat über seine Gremien vorzustellen.
Dabei soll Folgendes berücksichtigt werden:
1. Im ersten Halbjahr 2025 wird ein Dialogforum „Einsamkeit“ analog zum Dialogforum Demenz durchgeführt. Dieses dient unter Einbeziehung breiter gesellschaftlicher Gruppen (u.a. Vereine, Seniorenrat und -büro, Jugendparlament und -hilfe, kommunal bestehende Unterstützungsangebote wie Nachbarschaftshilfe und -zentren, Mehrgenerationenhaus, Sozialverbände und Freie Wohlfahrtspflege, Politik und Verwaltung) als Auftakt, um die erforderliche Sensibilität für das Thema der zunehmenden gesellschaftlichen Vereinsamung insbesondere bei jungen und älteren Menschen zu schärfen.
2. Grundlagen der bundesweiten „Strategie gegen Einsamkeit“ und des dazugehörigen „Kompetenznetzwerkes gegen Einsamkeit“ sowie des entsprechenden Landesprogramms sollen beim weiteren Verfahren berücksichtigt werden. Ziel muss es sein, vorhandene Akteure, Strukturen und Angebote so zu vernetzen, dass sich die Stadtgesellschaft der Herausforderung der Vereinsamung erfolgreich stellen kann, ohne gänzlich neue Strukturen und Zuständigkeiten zu schaffen.
3. Während des Prozesses der Strategieentwicklung und in der nachfolgenden Umsetzung ist der Ausschuss für Soziales und Gesundheit durch eine kontinuierliche Unterrichtung einzubinden.
Sachverhalt
Sachverhalt:
Einsam, also allein beziehungsweise mit weniger sozialen Kontakten leben zu müssen, entwickelt sich zunehmend zum Strukturproblem moderner Gesellschaften und gerät immer mehr ins Problembewusstsein der Öffentlichkeit. 25 % der Erwachsenen in Deutschland fühlen sich nach den Ergebnissen des „Deutschland Barometers Depression 2023“ sehr einsam. Mangelnde Beziehungen und Austausche ziehen gehäuft individuelle Probleme und Krankheiten wie Depressionen, Drogen-, Alkohol- und Medikamentenmissbrauch, Herz- und Kreislauferkrankungen sowie suizidale Neigungen, aber auch vertiefte gesellschaftliche Probleme nach sich.
In Wissenschaft und Verbänden häufen sich daher Erkenntnisse und Forderungen nach politischen und gesellschaftlichen Antworten auf diese Herausforderungen. Hierbei sind alle Ebenen gefordert. Gerade auf der kommunalen Ebene gilt es, konkrete, lebensnahe Initiativen zu finden und umzusetzen. Hier sei die Pressemitteilung der Stadt Braunschweig vom 04.06.2024 erwähnt.
Im Herbst 2023 hat auf Bundesebene das zuständige Fachministerium eine bundesweite Strategie gegen Einsamkeit aufgestellt, die mit einem Kompetenznetzwerk zum Austausch von Erfahrungen und Konzepten, allerdings nicht mit zusätzlichen finanziellen Mitteln, ausgestattet ist. Das Land Nordrhein-Westfalen z. B. hat eine Enquete-Kommission „Bekämpfung sozialer Isolation in Nordrhein-Westfalen“ eingesetzt und setzt Handlungsempfehlungen auch auf der kommunalen Ebene um. Andere Länder wie Frankreich, Japan und Australien haben bereits ähnliche Initiativen gestartet und setzen vor allem auf eine Vernetzung vorhandener Akteure.
In der Strategie der Bundesregierung wird die „Gründung von sektoren- und bereichsübergreifenden lokalen „Allianzen zur Vorbeugung und Linderung von Einsamkeit“ empfohlen. Bekannt ist seit längerem, dass Großstädte von Vereinzelungsproblemen besonders stark betroffen sind. In Braunschweig hat sich seit vielen Jahren die Zahl der Haushalte, in denen nur eine Person lebt, weiter erhöht; zurzeit liegt sie schon bei etwa 50 %. Auch wenn manche Weichenstellungen, wie das Seniorenbüro oder die Förderung einiger nachbarschaftlicher Unterstützungssysteme in die geeignete Richtung gehen, fehlt auch in Braunschweig bisher eine konzeptionelle und nachhaltige Strategie gegen die wachsenden Gefährdungen durch Einsamkeit.
Anerkennend sind bestehende Begegnungsorte, die bereits heute der Vereinsamung entgegenwirken, zu nennen wie z.B. das Mütterzentrum/Mehrgenerationenhaus, die Sport- und Kulturvereine sowie die Freiwilligen Feuerwehren. Darauf gilt es aufzubauen, um für betroffene Menschen Perspektiven aufzuzeigen und sie aus der Tabuzone der Vereinsamung herauszuholen.
