Rat und Stadtbezirksräte
Mitteilung - 24-24755
Grunddaten
- Betreff:
-
Vorstellung der Jury-Ergebnisse für eine Fritz-Bauer-Plastik
- Status:
- öffentlich (Vorlage freigegeben)
- Vorlageart:
- Mitteilung
- Federführend:
- 41 Fachbereich Kultur und Wissenschaft
- Beteiligt:
- DEZERNAT IV - Kultur- und Wissenschaftsdezernat
- Verantwortlich:
- Prof. Dr. Hesse
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
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●
Erledigt
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Ausschuss für Kultur und Wissenschaft
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zur Kenntnis
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19.11.2024
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Sachverhalt
Sachverhalt:
Im November 2023 wurde beschlossen, den neu geschaffenen Fritz-Bauer-Platz umzugestalten (DS Nr. 23-21814). Ziel der Umgestaltung ist es, die Wertschätzung für das Wirken von Generalstaatsanwalt Fritz Bauer, insbesondere in seiner Braunschweiger Zeit, hervorheben.
Ergänzend zu den tiefbaulichen Maßnahmen soll auf der Rückseite des Gebäudes der ehemaligen Bezirksregierung eine Plastik für Fritz Bauer, korrespondierend zur dort vorhandenen Heinrich-Jasper-Büste, aufgestellt werden.
Die Visualisierung des Platzes mit Positionierung der Fritz-Bauer-Plastik ist der Anlage beigefügt.
Im April 2024 wurde ein Auswahlgremium einberufen, das zunächst Künstlerinnen und Künstler mit einem Bezug zur Stadt Braunschweig, u.a. Absolventinnen und Absolventen der Hochschule für Bildende Künste (HBK) Braunschweig, nominierte und sie um die Abgabe eines Wettbewerbsbeitrags bat.
Das Auswahlgremium setzte sich wie folgt zusammen:
- Frau Prof. Dr. Ana Dimke, Präsidentin der HBK Braunschweig
- Frau Julia Taut, Geschäftsführung des Bundes Bildender Künstler (BBK) Braunschweig
- Herr Klaus Hornung, Leiter des Referats Stadtbild und Denkmalpflege der Stadt Braunschweig
- Herr Udo Dittmann, Fritz Bauer Freundeskreis Braunschweig
- Frau Prof. Dr. Anja Hesse, Dezernentin für Kultur und Wissenschaft der Stadt Braunschweig (Vorsitz)
Im Oktober 2024 wurde im Rahmen einer Jurysitzung aus den eingereichten Entwürfen ein Siegerentwurf ausgewählt. Die Jury setzte sich zusammen aus den Mitgliedern des Auswahlgremiums sowie zusätzlich den folgenden Persönlichkeiten:
- Herr Prof. Dr. Gerd Biegel, Institut für Braunschweigische Regionalgeschichte (IBRG)
- Herr Detlev Rust, Generalstaatsanwalt Braunschweig
- Herr Sikander Shah, Bankdirektor NordLB (Grundstückseigentümerin)
- Herr Wolfgang Scheibel, Gerichtspräsident Oberlandesgericht (OLG) Braunschweig
- Herr Christian Weiß, Theaterregisseur
Siegerentwurf des künstlerischen Wettbewerbs:
Als Siegerentwurf des Wettbewerbs wurde der Entwurf des Künstlers Daniel Wolff einstimmig ausgewählt.
Platz 2 ging an Denis Stuart Rose, Platz 3 an Petra Förster sowie Platz 4 an Thomas Rentmeister. Visualisierungen zu den Entwürfen sind in der Anlage beigefügt.
Daniel Wolff (geb. 1980) ist Künstler und Kunstpädagoge. Er studierte Freie Kunst an der Kunsthochschule Kassel und der HBK Braunschweig. Zudem war er Meisterschüler von Thomas Rentmeister sowie Stipendiat der Stiftung Kunstfonds Bonn. Ergänzend studierte er Kunstpädagogik und Englisch für das Lehramt an Gymnasien an der Universität Hamburg und der Hochschule für bildende Künste Hamburg.
Der Gewinnerentwurf des Künstlers Daniel Wolff sowie sein Konzept, wurden von der Jury als besonders wertvoll erachtet. Die konzeptionelle Darstellung des Entwurfs sowie die Visualisierung sind als Anlage beigefügt.
Konkret schlägt der Künstler vor, die Plastik in Form eines rohen, scheinbar unbehandelten Granitblocks zu erstellen. Der ursprüngliche Granitblock stammt aus dem Steinbruch des nahe gelegenen Konzentrationslagers Flossenbürg. In dem Steinbruch mussten von 1938 bis 1945 tausende KZ-Häftlinge Zwangsarbeit verrichten, um Pflastersteine und Gehwegplatten für Aufmarschplätze sowie Granitverkleidungen für Gebäude des nationalsozialistischen Regimes herzustellen. Viele der ca. 30.000 Toten des KZ Flossenbürg kamen durch die Zwangsarbeit im Steinbruch ums Leben.
Mit Hilfe eines 3D-Scans soll der Granitblock im Steinbruch gescannt und in einem 3D-Druck-/Guss-Verfahrens eine Nachbildung dessen erstellt werden.
Die Nachbildung des Granitblocks ist von innen ausgehöhlt, was für den Betrachter nicht sofort ersichtlich ist.
Der Name „Fritz Bauer“ ist spiegelverkehrt in den nachgebildeten Granitblock eingelassen, was zu einer Verkehrung von innen und außen führt. Der Ort, den Namen seitenrichtig zu lesen, ist nicht verfügbar, er liegt im Inneren des Granitblocks.
Der Schriftzug des Namens „Fritz Bauer“ ist in der Schriftart Transito gestaltet, die von Jan Tschichold, Mitbegründer der Neuen Typographie des Bauhauses, entwickelt wurde. Bereits kurze Zeit nach ihrer Entwicklung wurde die Schrift von den Nationalsozialisten als entartete Typographie klassifiziert. Tschichold wurde in der Folge inhaftiert, bevor er später aus Deutschland flüchtete. Auch Fritz Bauer wurde von den Nationalsozialisten zunächst inhaftiert und nach acht Monaten aus dem KZ Heuberg entlassen, bevor er sich der weiteren Verfolgung durch Flucht ins Ausland entziehen konnte.
Neben der Symbolik der Schriftart und ihrer spiegelverkehrten Einarbeitung in den ausgehöhlten Granitblock lässt eine dem Licht einer Straßenlampe nachempfundene Lichtquelle im Inneren des Granitblockes die Plastik im Dunkeln von innen heraus leuchten. Auf diese Weise rückt das Innere der Plastik, das am Tag im Dunkeln liegt, in der Nacht ins Licht. Wie der Künstler Daniel Wolff es formuliert: „Eine Sublimierung, die ein alltägliches banales Licht in den Rang einer erhöhenden symbolischen Illumination hebt.“
Der künstlerische Entwurf von Daniel Wolff hebt sich von den anderen Entwürfen des Wettbewerbs ab, weil er auf verschiedenen Ebenen deutungsoffen ist und Interpretationsspielräume offenbart.
Der künstlerische Entwurf bietet Betrachterinnen und Betrachter jedes Alters somit vielfältige Möglichkeiten der Annäherung und regt an, sich zum Kunstwerk, zur Materialität und Formensprache auszutauschen sowie sich mit der Person, der Arbeit und Bedeutung von Fritz Bauer für Demokratie und Menschenwürde auseinanderzusetzen.
Kosten:
Der Sieger des künstlerischen Wettbewerbs erhält ein Preisgeld i.H.v. 3.000 Euro, der Zweitplatzierte erhält 2.000 Euro, der Drittplatzierte 1.000 Euro.
Der Künstler Daniel Wolff geht derzeit von Realisierungskosten für die Umsetzung des Siegerentwurfs i.H.v. 115.000 Euro aus.
Ein Großteil der für die Realisierung notwendigen Mittel steht im Haushalt des FB 41 zur Verfügung. Die Kulturverwaltung bemüht sich derzeit intensiv darum, die fehlenden Mittel über Drittmittel zu generieren.
Weitere Vorgehensweise:
Absicht der Verwaltung ist es, im Nachgang der Sitzung des AfKW am 19. November 2024 den Ausgang des künstlerischen Wettbewerbs öffentlich zu machen.
Anschließend wird die Stadt mit dem Künstler Daniel Wolff die weiteren Verfahrensschritte abstimmen und vertraglich vereinbaren. Ziel ist es, dass der künstlerische Entwurf gegenwärtig in die Umsetzung gelangt.
Absicht der Stadt ist es weiter, den neu gestalteten Fritz-Bauer-Platz sowie die Fritz-Bauer-Plastik von Daniel Wolff am 1. Juli 2025, dem 57. Todestag von Fritz Bauer, der Öffentlichkeit zu übergeben.
Anlagen
| Nr. | Name | Original | Status | Größe | |
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1
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(wie Dokument)
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8,7 MB
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