Rat und Stadtbezirksräte

ALLRIS - Vorlage

Stellungnahme - 24-24582-01

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Beratungsfolge

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Sachverhalt

Sachverhalt:

 

Die Verwaltung hat die Braunschweig Stadtmarketing GmbH (BSM) beteiligt, die die Kundenbefragungen im Rahmen der Veranstaltungen mit verkaufsoffenen Sonntagen oder dem Weihnachtsmarkt durchführt und auch die IfH-Kundenbefragung "Vitale Innenstädte" beauftragt, und beantwortet die o. g. Anfrage wie folgt:

 

Zu Frage 1.:

Es gibt eine Vielzahl von Befragungen und Erhebungen, die unter anderem die Erreichbarkeit deutscher Innenstädte und ihren Einfluss auf den Innenstadtbesuch betrachten. Hierzu hat die BSM die folgenden Studien gesichtet:

 

Die Deutschlandstudie 2024 der CIMA liefert eine Analyse von Trends, Erwartungen und Kennziffern zur Zukunft der Innenstadt entlang der sog. Customer Journey. Die Studie liefert Erkenntnisse über das Einkaufs- und Mobilitätsverhalten der Innenstadtbesuchenden. Konkrete Probleme für die Erreichbarkeit der Innenstadt nennt die Studie dabei folgende:

 

Bessere Fußwege und Fußngerfreundlichkeit sind Wunsch Nummer eins bei der Frage nach den Attributen einer attraktiven Innenstadt. Fast 70 Prozent der Befragten bevorzugen dieses Mobilitätsangebot“[1].

 

Bei PKW-Belangen ist die Unzufriedenheit am größten: 39 Prozent der Befragten bewerten „Parkplätze in unmittelbarer Nähe zu den Geschäften“ mangelhaft bzw. ungenügend. Nur bei Parkplätzen am Innenstadtrand sieht es noch schlechter aus (40,5 %)“[2].

 

Ein dichteres Radwegenetz zum Erreichen der Innenstadt beurteilen 24,9 Prozent der Befragten als gut bzw. sehr gut, 26,8 Prozent hingegen geben diesem Aspekt ein mangelhaft

bzw. ungenügend.“[3]

 

11% der Befragten gaben an, dass eine schlechte Parkplatzsituation ein Grund sei, weshalb sie keine Einkäufe in der Innenstadt tätigten. 5% gaben die Entfernung als Grund an.

 

Die meisten Befragten bewerteten die Fußngerfreundlichkeit (70 %) und eine gute (68%) bzw. günstige (66%) ÖPNV-Anbindung als wichtigste Aspekte für die Erreichbarkeit der Innenstadt. Auch verfügbare Parkplätze sowohl am Innenstadtrand als auch in unmittelbarer Nähe zu Geschäften sind ein entscheidender Faktor für die Attraktivität und Erreichbarkeit einer Innenstadt. 63 % der Befragten stufen die Verfügbarkeit von Parkplätzen am Innenstadtrand als wichtig oder sehr wichtig ein. 62 % der Befragten bewerten die Verfügbarkeit von Parkplätzen in unmittelbarer Nähe zu den Geschäften mit "wichtig" oder "sehr wichtig".[4]


Laut der CIMA-Studie ist „der öffentliche Nahverkehr neben der Fußngerfreundlichkeit das entscheidende Attribut einer attraktiven Innenstadt“[5]. Der IHK-Fokus Niedersachsen 2023 nennt die gute Erreichbarkeit mit dem PKW und die Parkmöglichkeiten als Nummer eins der Top 10 Treiber für einen Innenstadtbesuch.[6]

 

Abschließend lässt sich somit sagen, dass die Erreichbarkeit der Innenstadt mit allen Verkehrsmitteln eine wichtige Rolle spielt, und aus Sicht von Befragten Verbesserungspotentiale in der Qualität aller Verkehrsmittel gesehen werden. Mehr Menschen bewerten die Erreichbarkeit zu Fuß (69,7 %) und mit dem ÖPNV (68 %) als wichtig oder sehr wichtig, die Erreichbarkeit mit dem PKW (61 %) ist jedoch fast gleichauf. Einehere Unzufriedenheit besteht deutschlandweit im Thema PKW-Parkplätze.

 

Zu Frage 2.:

Die Deutschlandstudie ist deshalb relevant, weil es sich um eine Befragung handelt, die nicht vor Ort in der Innenstadt durchgeführt wurde und somit auch Einschätzungen von Menschen berücksichtigt, die sich ggf. selten oder nicht in Innenstädten aufhalten. Sie repräsentiert damit die Gesamtbevölkerung.

 

Die Ergebnisse zeigen dabei eine grundsätzliche Übereinstimmung mit den Resultaten ähnlicher Studien und Erhebungen. Die Erkenntnisse der aktuellen Studie müssen jedoch in ihrer Anwendbarkeit auf Braunschweig bewertet werden. So wird die Stadt Braunschweig beispielsweise in der Auswertung des Mobilitätsverhaltens in die gleiche Stadtgröße (> 200.000 Einwohner) wie die großen deutschen Metropolen eingeordnet. Allerdings ist die Verfügbarkeit des ÖPNV für mittlere Großstädte mit einem maßgeblichen Einzugsbereich im ländlichem Raum nicht mit der in Berlin oder Hamburg vergleichbar. Auch wenn die Verkehrsmittel ÖPNV, Fahrrad oder alternative Mobilitätsformen (E-Scooter o. Ä.) an Bedeutung gewinnen und in Braunschweig lt. dem Institut für Handelsforschung auch gut bewertet werden, ist der PKW auch im Jahr 2024 für die Anreise in die Braunschweiger Innenstadt das wichtigste Verkehrsmittel. Ähnlich bedeutend sind die anderen Arten des Individualverkehrs, also der Weg zu Fuß und das Fahrrad.[7]

 

Zu Frage 3.:

 

IFH-Kundenbefragung Vitale Innenstädte 2022 sowie Befragungsergebnisse der Veranstaltungen mit verkaufsoffenen Sonntagen 2024:

 

Die BSM führt seit 2005 Befragungen im Rahmen von Veranstaltungen mit verkaufsoffenen Sonntagen durch. Der Anteil der Besucherinnen und Besucher aus dem Umland liegt seit 2022 bei rund 30 %. Seit 2023 sind jedoch Veränderungen zu verzeichnen, beim stadtfrühling Ende April 2024 lag der Anteil bspw. nur bei rund 22 %. Seit der Schließung der Tiefgarage Packhof ist die Frequenz im Straßenzug Sack um rund 11 % (Vergleich 2022 zu 2023) gesunken.

 

r die Besucherinnen und Besucher aus dem Umland ist die Erreichbarkeit mit dem PKW wichtig. Im Jahr 2024 wurde im Durchschnitt ein Anteil von 67 % der Besucherinnen und Besucher aus dem Umland mit dem PKW in der Braunschweiger Innenstadt registriert. Der Anteil der Nutzerinnen und Nutzer des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) betrug im Durchschnitt 19 %.

Der Rest der Befragten gab an, andere Verkehrsmittel wie das Fahrrad, Park+Ride oder zu Fuß in die Innenstadt zu nutzen. In 2024 kamen auch durchschnittlich 26 % der in Braunschweig wohnhaften Besucherinnen und Besucher mit dem PKW in die Innenstadt, 28 % kamen zu Fuß, 25 % mit dem ÖPNV und 21 % mit dem Fahrrad.

 

Laut IFH-Kundenbefragung Vitale Innenstädte 2022 reisen 41 % der Braunschweigerinnen und Braunschweiger sowie 92 % der Menschen mit Wohnsitz im Umland mit dem PKW in die Braunschweiger Innenstadt an. Entsprechend hat die Verfügbarkeit von Parkraum eine hohe Relevanz für die Erreichbarkeit der Innenstadt.

 

Die befragten Besucher mit Wohnsitz außerhalb Braunschweigs bewerten die Parkmöglichkeiten mit der Durchschnittsnote 2,9. Die Noten 5 und 6 wurden von 15% der Befragten vergeben[8], im Gegensatz zu einem deutschlandweiten Anteil der Bewertung Verfügbarkeit von Parkplätzen mit 5 und 6 von 39% in der CIMA-Studie[9]. Die Parkmöglichkeiten in Braunschweig wurden somit im Vergleich zu den Ergebnissen der CIMA-Studie positiver als der deutschlandweite Durchschnitt bewertet. Besucher von außerhalb bewerteten die „Autofreundlichkeit“ Braunschweigs außerdem mit der Durchschnittsnote 2,3[10].

 

Ergebnisse der IfH-Kundenbefragung „Vitale Innenstädte“ aus 2024 werden Anfang 2025 erwartet.

 

Die BSM erhält von der Händlerschaft und Gastronomie der Braunschweiger Innenstadt regelmäßig und aktuell zunehmend Rückmeldungen, dass Besucherinnen und Besucher, die den PKW nutzen, die Innenstadt aus Sorge, keinen Parkplatz zu finden, weniger besuchen.

 

Die Parkplätze am Braunschweiger Innenstadtrand (Parkzone Ib) sind durchschnittlich nur zu 58% belegt. In den Parkhäusern stehen an fast allen Tagen noch mehrere hundert freie Stellplätze zur Verfügung, die Auslastung übersteigt 80% nur selten. Ausnahmen bilden Brückentage und Samstage, besonders zur Weihnachtszeit. Das zeigte auch das kürzlich durchgehrte Veranstaltungswochenende der mummegenussmeile. Die Veranstaltung wurde vom 1. bis 3. November durchgeführt. Das Besucheraufkommen war insbesondere am Freitag, dem Brückentag zum Reformationstag, bemerkenswert hoch und lag sogar gut 50 % über 2019. Es ist davon auszugehen, dass ein Brückentag auch von Besucherinnen und Besuchern aus der Region zum Innenstadtbesuch genutzt wird. Anhaltspunkte zur Verfügbarkeit von Parkraum bietet die Auslastung der Parkhäuser.


Am 1.11. überstieg die Auslastung aller an das Parkleitsystem angeschlossenen Parkhäuser in Summe 80 % in der Zeit zwischen 13 und 15 Uhr. Den Höchstwert erreichte die Auslastung um 13 Uhr mit 85%. Obwohl einzelne Parkhäuser voll ausgelastet waren, standen zu diesem Zeitpunkt demnach noch ca. 400 freie Parkplätze in den erfassten Parkbauten zur Verfügung. Am Samstag, 2.11. erreichte die Auslastung aller Parkbauten den Höchstwert von 73% um 16 Uhr. Die Auslastung am verkaufsoffenen Sonntag, dem 3.11., lässt mit maximal 53% der Kapazitäten aller Parkbauten keine hohe Auslastung erkennen.

 

Es liegen keine Daten zum Parkhaus der Schloss-Arkaden vor, da das Parkhaus aufgrund einer Erneuerung der Anlagentechnik seit Mitte 2024 keine Daten an das Parkleitsystem sendet. Das Parkhaus war nach Aussage des Centermanagements das gesamte Wochenende stark ausgelastet, was mit Auslastungsdaten aus der Vergangenheit übereinstimmt. Zum Parkhaus Steinstraße liegen keine Daten vor, da der Betreiber diese Daten nicht zur Verfügung stellt.

 


 

 


[1] CIMA Beratung + Management GmbH, Deutschlandstudie 2024, Seite 30

[2] CIMA Beratung + Management GmbH, Deutschlandstudie 2024, Seite 30

[3] CIMA Beratung + Management GmbH, Deutschlandstudie 2024, Seite 30

[4] CIMA Beratung + Management GmbH, Deutschlandstudie 2024, Seite 29 ff.

[5] CIMA Beratung + Management GmbH, Deutschlandstudie 2024, Seite 32

[9] CIMA Beratung + Management GmbH, Deutschlandstudie 2024, Seite 30

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Anlagen

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