Rat und Stadtbezirksräte
Antrag (öffentlich) - 24-24723
Grunddaten
- Betreff:
-
Der Querumer Forst als Naturwald - ein Pilotprojekt zum Waldschutz in Braunschweig
- Status:
- öffentlich (Vorlage freigegeben)
- Vorlageart:
- Antrag (öffentlich)
- Federführend:
- 0100 Steuerungsdienst
- Verantwortlich:
- SPD-Fraktion im Rat der Stadt / Fraktion Bündnis 90 - DIE GRÜNEN im Rat der Stadt
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
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Erledigt
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Umwelt- und Grünflächenausschuss
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Vorberatung
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26.11.2024
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Erledigt
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Verwaltungsausschuss
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Vorberatung
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Erledigt
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Rat der Stadt Braunschweig
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Entscheidung
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17.12.2024
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Sachverhalt
Sachverhalt:
Zum Zustand des Waldes
Am 8. Oktober 2024 wurde vom Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) die Bundeswaldinventur zum Zustand und Umfang der deutschen Wälder vorgestellt. Die Untersuchung lieferte unter anderem Informationen zu Wuchs und Schäden an Bäumen sowie den Anteilen der Baumarten.
Das Ergebnis der Inventur ist erschreckend: Demnach ist in Deutschland aktuell nur einer von fünf Bäumen gesund. Dazu schlägt das BMEL zur Kohlenstoffspeicherung und Klimabilanz Alarm: „Der Wald ist erstmals seit Jahrzehnten zur Kohlenstoffquelle geworden. Dies unterstreicht die Notwendigkeit dringend erforderlicher Maßnahmen zur Anpassung und Wiederherstellung der Wälder, um ihre Rolle als Klimaschützer wieder langfristig zu stärken“
(https://www.bmel.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2024/108-bundeswaldinventur.html).
Als Folge aus dieser Analyse fordern Experten wie der NABU im Kern zwei Dinge
(https://www.nabu.de/news/2024/10/bundeswaldinventur.html):
- „ein Umdenken bei der Bewirtschaftung“ unserer Wälder und
- „einen klimagerechten Waldumbau“, weg von den Monokulturen und hin zu vielfältigen, gemischten Laubwäldern. Denn diese sind widerstandsfähiger gegen Wetterextreme und Schädlingsbefall, bleiben so länger erhalten und stärken den CO2-Kreislauf.
Um beides zu erreichen, braucht es Zeit und im Zweifel gesetzliche oder regulatorische Vorgaben, damit sich die Wälder auf eine natürliche Art und Weise nachhaltig entwickeln und eine Resilienz aufbauen können.
Aus Sicht der Stadt Braunschweig bietet es sich daher an, ein Pilotprojekt zu initiieren und damit zu zeigen, dass wir auch in der Kommune die Erkenntnisse aus der Bundeswaldinventur ernst nehmen und bereit sind, zum Schutz unserer Wälder und damit des Klimas zu handeln: durch das Schaffen eines Naturwalds im Querumer Forst.
Hintergrund
Der Querumer Forst befindet sich aktuell im Eigentum der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz (SBK) und wird forstwirtschaftlich dauerhaft genutzt (Holzeinschlag, Verjüngungsmaßnahmen).
Laut Vorlage 23-22368 besteht ein Vertrag zwischen der Stadt Braunschweig und der SBK, wonach seit Januar 2014 kontinuierlich Flächen im Wert von jährlich 4.000 Euro zzgl. Mehrwertsteuer (als Kompensation an die SBK) durch die Stadt Braunschweig aus der dauerhaften Nutzung herausgekauft werden. Zielmarke ist eine Gesamtfläche von 37,1 ha.
Die herausgekauften Flächen werden durch entsprechende Eintragungen im Grundbuch und in den Forsteinrichtungswerken dauerhaft geschützt, aus einem Wirtschaftswald wird ein „Wald mit Vorrang für Prozessschutz“: Teilweise jahrhundertealte Eichen können dauerhaft erhalten werden, die biologische Vielfalt wird gestärkt, und alle vom NABU geforderten Maßnahmen als Folge der Bundeswaldinventur werden erfüllt. Es entsteht ein durch natürliche Entwicklung durchmischter und klimaresistenter Naturwald, der dauerhaft CO2 umwandeln und Kohlenstoff binden kann, der zudem eine große Artenvielfalt beherbergt und der den Menschen noch dazu als wunderschönes Naherholungsgebiet dienen kann.
Mit Stand 13. Oktober 2023 wurden bisher 12,03 ha aus der Nutzung dauerhaft herausgekauft. Etwa 25 ha werden also aktuell noch wirtschaftlich genutzt und sind damit potenziell ungeschützt.
Pilotprojekt „Der Querumer Forst als Naturwald“
Mit dem Pilotprojekt „Der Querumer Forst als Naturwald“ soll der Herauskauf dieser Flächen und damit die In-Schutz-Stellung des Querumer Forsts signifikant beschleunigt werden. Durch die Koppelung der herauszukaufenden Fläche an die Geburtenzahlen der Stadt Braunschweig entsteht für die Bürgerinnen und Bürger zudem eine emotionale Verbindung zu dem Pilotprojekt, die außerdem Raum für eine Sensibilisierung zu den Themen Wald- und Klimaschutz bietet. Eine entsprechende begleitende Öffentlichkeitsarbeit ist daher dringend gewünscht.
Als konkrete Schritte werden vorgesehen:
1. Pro neugeborenem Kind in der Stadt Braunschweig werden vom 1. Januar 2025 an jeweils weitere 10 m² der noch verbliebenen 25 ha Fläche des Querumer Forsts durch die Stadt Braunschweig von der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz (SBK) aus ihrer dauerhaften Nutzung abgelöst. Zielmarke ist eine Gesamtfläche von 37,1 ha.
2. Die Sicherung des dauerhaften Bewirtschaftungsverzichtes erfolgt zum Vertragsende durch entsprechende Eintragung sowohl im Grundbuch als auch in den Forsteinrichtungswerken, wie in Drucksache 23-22368 bereits mitgeteilt wurde.
3. Begleitend plant die Verwaltung eine entsprechende Öffentlichkeitsarbeit zu diesem Pilotprojekt, z. B. in Form von Hinweistafeln zum Pilotprojekt direkt im Querumer Forst, und zur Bedeutung des Waldschutzes für den Klimaschutz allgemein.
4. Es ist zu prüfen, wie nach vollständiger Ablösung der hier genannten Flächen eine Fortführung des Projektes zur Naturwaldentwicklung unter Einbeziehung weiterer SBK-Flächen im Braunschweiger Stadtgebiet erfolgen kann.
Finanzierung
Die für die Umsetzung des Pilotprojekts „Der Querumer Forst als Naturwald“ erforderlichen Mittel werden zum Doppelhaushalt 2025/2026 von der SPD-Fraktion und der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen beantragt.
