Rat und Stadtbezirksräte

ALLRIS - Vorlage

Beschlussvorlage - 25-25239

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Beratungsfolge

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Beschlussvorschlag

Beschluss:

Der Verlegung sogenannter Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig im öffentlichen Straßenraum vor dem in der Vorlage bezeichneten Grundstück wird zugestimmt.

 

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Sachverhalt

Sachverhalt:

Gemäß § 93 Abs. 1 Ziffern 5 und 10 des Niedersächsischen Kommunalverfassungsgesetzes (NKomVG) in Verbindung mit § 16 Abs. 1 Ziffer 8 der Hauptsatzung der Stadt Braunschweig vom 8. November 2011 in der derzeit geltenden Fassung entscheiden die Stadtbezirksräte über die Aufstellung von Kunstwerken. Vorliegend handelt es sich bei der Verlegung sogenannter Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig um derartige Kunstwerke. Dem Konzept des Projektes Stolpersteine entsprechend enthalten jeweils neu zu verlegende Steine die Namen der Opfer des Nationalsozialismus sowie kurze Angaben zum jeweiligen Geburtsjahr und Schicksal.

Der Verein „Stolpersteine für Braunschweig e. V.“ hat die folgenden Daten zu den Personen Walter Heise, Martha Riefenstahl und Mathias Theisen ermittelt und der Verwaltung mitgeteilt:

 

Ritterstraße 20, 38100 Braunschweig

 

Walter Heise

Geboren: 03.10.1892 in Braunschweig

Lebenslauf/Schicksal: Walter Heise war das zweite von drei Kindern seiner Eltern Friedrich Heise und Anna Eitge. Heise zog zwischen Juli 1910 und Oktober 1911 mit seiner Mutter und den Geschwistern in die Ritterstraße 20. Zwischen Dezember 1914 und Dezember 1917 war er vermutlich beim Militär, denn als Berufsangabe auf seiner Heiratsurkunde standMusketier“. Am 06.11.1918 heiratete er Marie Klefmann. 1919 zog er nach Osnabrück, wo zwischen 1919 und 1921 die Geburten seiner zweichter, Hildegard und Elfriede, erfolgten. Von August 1927 bis August 1928 hielt er sich im Landeskrankenhaus Wunstorf auf (Diagnose: Chronischer Alkoholismus, Psychopathie und Debilität). Am 25.06.1934 kam Walter Heise in ein städtisches Pflegehaus. Am 18.12.1934 wurde seine Ehe geschieden. 1936 zog Walter Heise zurück zu seiner Mutter in die Ritterstraße 20. Zwischen 1938 und 1941 wurde er durch die Nationalsozialisten mehrfach inhaftiert.

Ausbildung/Beruf: Fräser/Arbeiter

Wohnort: Ritterstraße 20

Grund der Verfolgung: Psychisch krank und als Asozialer“ eingestuft.

Verfolgung: Am 22.03.1941 kam Walter Heise mit der Bezeichnung AZR (Asozialer/Arbeitsscheu) in das „Lager Neuengamme“, von dort wurde er am 14.09.1941 nach Dachau überführt.  Vermutlich wurde er am 03.03.1942 in das Schloß Hartheim gebracht und wenig später dort ermordet (Schloß Hartheim in Österreich war ein Ort, an dem behinderte und kranke Menschen ermordet wurden). Die offizielle Sterbeurkunde gibt als Todesdatum den 07.05.1942 und als Ursache eine Lungenembolie mit Venenentzündung an.

Verlegungsort: Ritterstraße 20

Grund der Verlegung: Stolperstein, weil er als asozial“ apostrophiert und von den Nationalsozialisten verfolgt wurde. Recherche durch Die Falken“, basierend auf Anfrage eines Urgroßneffen von Walter Heise.

 

Schubertstraße 6, 38114 Braunschweig

 

Martha Riefenstahl

Geboren: 08.05.1905 in Braunschweig

Lebenslauf/Schicksal: unbekannt

Ausbildung/Beruf: Sekretärin von Mathias Theisen im Baugewerkschaftsbund

Wohnort: Schubertstraße 6

Grund der Verfolgung: Politisches, gewerkschaftliches Engagement

Verfolgung: Am 21.07.1933 wurde Martha Riefenstahl wegen politischer Aktivität von der Gestapo in das AOK-Gebäude gebracht, dort geschlagen und misshandelt. Nach eineinhalb Tagen Gestapohaft stürzte sie sich aus einem Fenster im zweiten Stock. Sie überlebte mit Knochenbrüchen. Martha Riefenstahl wurde gezwungen, ihre Wohnung in der Schubertstraße 6 zu verlassen und stand unter stetiger Beobachtung der Gestapo.

Verlegungsort: Schubertstraße 6

Grund der Verlegung: Stolperstein, weil sie als politisch“ apostrophiert und von den Nationalsozialisten verfolgt wurde. Recherche durch „Die Falken“, basierend auf Anfrage heutiger Bewohnerinnen und Bewohner des Hauses Schulbertstraße 6.

 

Mathias Theisen

Geboren: 30.10.1885 in Essen

Lebenslauf/Schicksal: Mathias Theisenmpfte im Ersten Weltkrieg als Frontsoldat. Ab den 1920er Jahren lebte er in Braunschweig. Nach mehreren Gewerbeanmeldungen war er Geschäftsführer der Zahlstelle des Baugewerkschaftsbundes. Er war politisch aktiv in der KPD, ab 1931 in der SPD und war von 1925 bis 1933 Mitglied der Stadtverordnetenversammlung.

Ausbildung/Beruf: Geschäftsführer des Baugewerkschaftsbundes

Wohnort: Schubertstraße 6

Grund der Verfolgung: Politisch Verfolgter

Verfolgung: Mathias Theisen versteckte sich nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933, wurde aber verraten. Am 25.03.1933 wurde er in seiner Wohnung von SS-Leuten überfallen und zusammengeschlagen. Anschließend wurde Theisen im von den Nationalsozialisten besetzten sog. Volksfreundehaus gefoltert, um ihn zu zwingen, sein Stadtverordnetenmandat aufzugeben und Genossen zu verraten, was er nicht tat. Theisen wurde schließlich freigelassen und von seiner Frau ins St. Vinzenzkrankenhaus gebracht, wo er am 10.04.1933 an den Folgen der Folter starb.

Verlegungsort: Schubertstraße 6

Grund der Verlegung: Stolperstein, weil er als „politisch“ apostrophiert und von den Nationalsozialisten verfolgt wurde. Recherche durch „Die Falken“, basierend auf Anfrage heutiger Bewohnerinnen und Bewohner des Hauses Schubertstraße 6.

 

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