Rat und Stadtbezirksräte

ALLRIS - Vorlage

Beschlussvorlage - 25-25284

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Beratungsfolge

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Beschlussvorschlag

Beschluss:

Der Verlegung sogenannter Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig im öffentlichen Straßenraum vor dem in der Vorlage bezeichneten Grundstück wird zugestimmt.


 

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Sachverhalt

Sachverhalt:

Gemäß § 93 Abs. 1 Ziffern 5 und 10 des Niedersächsischen Kommunalverfassungsgesetzes (NKomVG) in Verbindung mit § 16 Abs. 1 Ziffer 8 der Hauptsatzung der Stadt Braunschweig vom 8. November 2011 in der derzeit geltenden Fassung entscheiden die Stadtbezirksräte über die Aufstellung von Kunstwerken. Vorliegend handelt es sich bei der Verlegung sogenannter Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig um derartige Kunstwerke. Dem Konzept des Projektes Stolpersteine entsprechend enthalten jeweils neu zu verlegende Steine die Namen der Opfer des Nationalsozialismus sowie kurze Angaben zum jeweiligen Geburtsjahr und Schicksal.

Der Verein „Stolpersteine für Braunschweig e.V.“ hat die folgenden Daten zu den Personen Anna Herzfeld, Nellie Friedrichs, Ella Bruell, Auguste Herxheimer und Alfred Salomon ermittelt und der Verwaltung mitgeteilt:

 

Jasperallee 81, 38102 Braunschweig

 

Anna Herzfeld

Geboren: 30.09.1860 in Gandersheim

Lebenslauf/Schicksal: Anna Herzfeld war verheiratet mit dem Bankier Felix Herzfeld, dem Sohn des Landesrabbiners Levi Herzfeld. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor: Adolf (1883), Ludwig (1886) und Ernst (1893). Zunächst lebte die Familie in Hannover und zog 1899 nach Braunschweig. 1908 verwitwete Anna Herzfeld.

Ausbildung/Beruf: unbekannt

Wohnort: Kaiser-Wilhelm-Straße 81 (heutige Jasperallee 81)

Grund der Verfolgung: din

Verfolgung: Am 14.03.1943 erfuhr Anna Herzfeld, dass sie zwei Tage später nach Theresienstadt deportiert werden sollte. Durch tödliche Selbstvergiftung entzog sie sich der Deportation.

Verlegungsort: Jasperallee 81

Grund der Verlegung: Stolperstein, weil sie als Jüdin von den Nationalsozialisten rassistisch verfolgt wurde. Recherche durch Schülerinnen und Schüler der IGS Franzsches Feld auf Anfrage von Nachfahren von Anna Herzfeld.

 

Wilhelm-Bode-Straße 11, 38104 Braunschweig

 

Auguste Herxheimer

Geboren: 17.09.1853

Lebenslauf/Schicksal: Auguste war Tochter des Hamburger Seidenhändlers Isaac Jaffé. Sie war mit Gotthold Herxheimer, dem Sohn des Landesrabbiners Dr. Salomon Herxheimer, verheiratet. Gotthold lebte zu der Zeit als Kaufmann in London. Ihre drei Kinder (Walter, geb. 1877, Ella, geb. 1882, und Dora, geb. 1884) wurden in London geboren. 1894 siedelte die Familie nach Braunschweig um, da das Londoner Klima Gottholds schlechten Gesundheitszustand verschlimmerte. Er starb 1897 in Braunschweig. Auguste konnte aufgrund ihres vom Vater ererbten Vermögens auch als Witwe mit ihren Kindern nach dem Ersten Weltkrieg sorgenfrei leben und den beiden Töchtern Ausbildungen entsprechend ihrer Begabungen (Musik und Bildende Kunst) ermöglichen; sie zog dafür nach Dresden um. 1908 kehrte sie nach Braunschweig zurück und lebte in der Wilhelm-Bode-Straße 11, im gleichen Haus wie ihre Tochter Ella und die Enkelin Nellie. 1923 verlor Auguste durch die Inflation ihr Vermögen und musste in die Wohnung ihrer Tochter und Enkelin ziehen. Sie starb am 01.05.1937 im Alter von 83 Jahren.

Ausbildung/Beruf: Hausfrau

Wohnort: Wilhelm-Bode-Straße 11

Grund der Verfolgung: din

Verfolgung: Die Lebensmöglichkeiten von Auguste engten sich durch die zunehmenden Repressionen der Nationalsozialisten immer mehr ein. Zudem erlebte sie noch die Entlassung ihrer Enkelin Nellie als Doktorandin und Assistentin an der Technischen Hochschule in Braunschweig und deren Fluchtvorbereitungen in die USA.

Verlegungsort: Wilhelm-Bode-Straße 11

Grund der Verlegung: Stolperstein, weil sie als Jüdin von den Nationalsozialisten rassistisch verfolgt wurde. Recherche durch „Die Falken“, basierend auf Anfrage eines Urenkels von Auguste Herxheimer.

 

Ella Bruell

Geboren: 06.11.1882 in London

Lebenslauf/Schicksal: Ella war eines von drei Kindern des Kaufmanns Gotthold Herxheimer und seiner Frau Auguste Herxheimer, geb. Jaffé. Ella hatte einen älteren Bruder, Walter, und eine jüngere Schwester, Dora. Ella wuchs in London auf und zog 1897 im Alter von 15 Jahren mit ihren Eltern und Geschwistern nach Braunschweig. Sie besuchte gemeinsam mit ihrer Schwester die Höhere Mädchenschule (heute Gymnasium Kleine Burg) und sollte nach der Schule eine musikalische Ausbildung erhalten. Die Mutter zog mit Ella und ihrer Schwester 1901 nach Dresden. Ella Herxheimer heiratete Emil Bruell 1907. Mit ihm ging sie nach Lyon, wo Emil Direktor einer Seidenexportfirma war. Am 03.09.1908 wurde dort ihre Tochter Nellie geboren. Die Ehe wurde 1912 geschieden. Ella ging zurück nach Braunschweig und lebte mit ihrer Tochter im Haus Wilhelm-Bode-Straße 11. Als französische Staatsbürgerinnen galten Ella und ihre Tochter während des Ersten Weltkriegs als „feindliche Ausländerinnen“. Ella verdiente nach der „Hyperinflation“ 1923 den Lebensunterhalt durch Klavierunterricht und als Sprachlehrerin. 1938 konnte Ella Bruell zu ihrer Tochter Nellie und ihrem Schwiegersohn Kurt-Otto Friedrichs in die USA fliehen. Sie arbeitete dort wieder als Sprachlehrerin und starb 1972.

Ausbildung/Beruf: Hausfrau, Sprachlehrerin, Klavierlehrerin

Wohnort: Wilhelm-Bode-Straße 11

Grund der Verfolgung: din

Verfolgung: Als Jüdin war Ella Bruell zunehmend in ihren Lebensmöglichkeiten durch die Nationalsozialisten eingeschränkt und wachsender Ausgrenzung ausgesetzt. Sie konnte 1938 zu ihrer Tochter und ihrem Schwiegersohn in die USA flüchten.

Verlegungsort: Wilhelm-Bode-Straße 11

Grund der Verlegung: Stolperstein, weil sie als Jüdin von den Nationalsozialisten rassistisch verfolgt wurde. Recherche durch „Die Falken“, basierend auf Anfrage eines Enkels von Ella Bruell.

 

Nellie Friedrichs

Geboren: 03.09.1908 in Lyon

Lebenslauf/Schicksal: Nellie war das einzige Kind von Emil Bruell und Ella Bruell, geb. Herxheimer. Sie lebte bis 1912 in Frankreich. Nach der Scheidung der Eltern im selben Jahr zog Nellie mit der Mutter nach Braunschweig, wo ihre Großmutter Auguste Herxheimer lebte. Ostern 1915 wurde sie in Braunschweig eingeschult und machte 1928 an dem Lyceum Kleine Burg ihr Abitur. Sie studierte von 1928 bis 1932 an der Technischen Hochschule Braunschweig mit dem Abschluss als Volksschullehrerin. Als Jüdin verlor sie 1933 ihre Anstellung als Assistentin und Doktorandin an der Technischen Hochschule Braunschweig. Um ihre Lebensunterhalt zu verdienen, gab sie Privatunterricht in Englisch. 1934 verlobte sie sich mit dem ev.-luth. Mathematik-Professor Kurt-Otto Friedrichs. Aufgrund der zunehmenden Repressalien der Nationalsozialisten entschlossen sie sich zur Flucht und flohen auf getrennten Wegen über Frankreich in die USA. Nellie nahm am 04.06.1937 ein Schiff Richtung USA. Dort heirateten Nellie und Kurt-Otto Friedrichs am 11.08.1937.

Ausbildung/Beruf: Volksschullehrerin

Wohnort: Wilhelm-Bode-Straße 11

Grund der Verfolgung: din

Verfolgung: Nellie konnte ab 1933 nicht mehr an der Technischen Hochschule Braunschweig arbeiten, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Ihre Beziehung zu dem Christen Kurt-Otto Friedrichs war ab 1935 laut Nationalsozialisten illegal.

Verlegungsort: Wilhelm-Bode-Straße 11

Grund der Verlegung: Stolperstein, weil sie als Jüdin von den Nationalsozialisten rassistisch verfolgt wurde. Recherche durch „Die Falken“, basierend auf Anfrage eines Sohnes von Nellie Friedrichs.

 

Alfred Salomon

Geboren:   03.09.1865 in Helmstedt

Lebenslauf/Schicksal: Alfred Salomon wuchs in einer christlichen Familie auf, die Eltern waren 1861 zum evangelischen Glauben übergetreten. 1885 begann er zu studieren und leistete parallel dazu mehrere Militärdienste. 1893 heiratete er Elisabeth Schütze. Am 04.05.1902 wurde die Tochter Annemarie geboren. 1936 starb seine Frau Elisabeth.

Ausbildung/Beruf: Studium von 1885 bis 1889. Danach Arbeit als Lehrer für Latein, Deutsch, Geschichte, Geographie, Religion, Philosophie und Pädagogik. Ab 1911 war Alfred Salomon Oberlehrer am Gymnasium Blankenburg. 1920 wurde er zum Oberstudienrat ernannt und wechselte 1926 nach Braunschweig. Er war mit dem Dienstgrad Gymnasialprofessor am Martino Katharinaeum tätig. Im Alter von 66 Jahren wurde er 1931 pensioniert.

Wohnort: Wilhelm-Bode-Straße 11

Grund der Verfolgung: Jude

Verfolgung: Die Gestapo forderte ihn auf, nach Theresienstadt „umzusiedeln“. Am 03.12.1944 wurde er im Alter von 79 Jahren unter dem falschen Vorwand eines Transportes nach Theresienstadt stattdessen nach Hallendorf (heute Salzgitter-Hallendorf) in das Lager 21 deportiert und starb dort am 27.12.1944 infolge schwerer Misshandlungen.

Verlegungsort: Wilhelm-Bode-Straße 11

Grund der Verlegung: Stolperstein, weil er als Jude von den Nationalsozialisten rassistisch verfolgt wurde. Recherche durch Schülerinnen und Schüler der IGS Franzsches Feld, basierend auf Anfrage eines Urgroßneffen von Alfred Salomon.

 

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