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Mitteilung - 25-25339

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Sachverhalt

Sachverhalt:

Im Rahmen des Seminars Lernorte an der TU-Braunschweig bei Frau Prof. Dr. Gabriele Graube im Wintersemester 2018/19 untersuchten Bachelor-Studierende das Städtische Museum Braunschweig unter verschiedenen Aspekten als „Außerschulischen Lernort“. Eine besonderen Schwerpunkt bildete dabei die Ethnologische Abteilung.

 

Die Studierenden stellten den Status Quo der Ethnologischen Dauerausstellung den Postulaten des Leitfadens zum Umgang mit Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten aus dem Jahr 2018, herausgegeben von der Bundesbeauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, gegenüber. Sie kritisierten, dass die damalige Ausstellung den Grundsätzen des Leitfadens nicht entsprach. Um diese Mängel zu beheben, empfahlen sie, in die Ausstellung Forschungen und Reflexionen zur Provenienzgeschichte der ethnologischen Objekte einzubinden und aktuelle Nachwirkungen des Kolonialismus zu thematisieren.

 

Auf Grund der inhaltlichen Mängel, die auch die Studierenden präzise hervorgehoben hatten, entwickelte das Team des Städtischen Museums ab 2020 unter fachlicher und museologischer Leitung des hauseigenen Sammlungsleiter Dr. Rainer Hatoum und des Museumsdirektors Dr. Peter Joch eine vollständige Neukonzeption der Ethnologischen Dauerausstellung. Die Eröffnung fand 2023 statt.

 

Reflexionen zu den Themen Provenienzgeschichte und Nachwirkungen des Kolonialismus auf dem neuesten Stand der Forschung unter Berücksichtigung des Leitfadens des Deutschen Museumsbundes gehören zu den zentralen Schwerpunkten der Ausstellung. Thema ist auch der zukünftige Umgang mit Objekten aus kolonialen Gewaltkontexten. Diese inhaltlichen Ausrichtungen drücken sich nicht zuletzt im programmatischen Titel der Ausstellung aus: „Am Anfang war der Gurt - Braunschweiger Ethnographica, Souvenirs & koloniale Trophäen. In Zusammenarbeit mit Herkunftsgesellschaften aus Afrika und Nordamerika wurden dialogische Konzepte zur Ausstellungspräsentation, zur Dokumentation und zur Bearbeitung von Restitutionsgesuchen entwickelt. Provenienzgeschichtliche Forschungen werden in Ausstellungstexten und in Multimedia-Formaten ausführlich erörtert.

Jenseits der Beschäftigung mit Fragen der Provenienz und des Umgangs mit Objekten aus kolonialen Kontexten werden in der Ausstellung auch wiederholt die Auswirkungen des Kolonialismus bis heute analysiert. Diesem Themenkreis ist schließlich ein eigener Ausstellungsraum unter dem Titel Weitergedacht - Further Reflections“ gewidmet. Hier wird die bis in die Gegenwart hineinreichende Wirkmächtigkeit des historischen Kolonialismus in Installationen zeitgenössischer afrikanischer Künstlerinnen und Künstler überdacht. Veranschaulicht werden u.a. weitreichende wirtschaftliche und gesellschaftspolitische Probleme, die als spätes Erbe der Kolonialzeit verstanden werden müssen.

 

Indem die Ausstellung auf die gesamte Bandbreite des gegenwärtigen musealen Diskurses und darüberhinausgehende Themen Bezug nimmt, bietet sie das Potenzial mannigfaltiger didaktischer Nutzung. So kann sie unter verschiedenen Gesichtspunkten und von Besucherinnen und Besuchern unterschiedlicher Altersgruppen und Erwartungshaltungen erfahren werden. Hierbei eignet sich die Ausstellung besonders für die schulische Nutzung, da sie in thematische Räume und Module gegliedert ist. Anhand einzelner Objekte werden kolonial belastete Begriffe analysiert. So dient die Ausstellung auch nachhaltig der Sensibilisierung für koloniale Kontexte der Vergangenheit und Gegenwart.

 

Fazit: Die neue Ethnologische Dauerausstellung widmet sich den zentralen Fragen der aktuellen Ethnologie, wie sie auch bereits die genannten Studierenden formulierten. Sie setzt, u.a. hinsichtlich provenienzgeschichtlicher Forschungen, die Prinzipien des Leitfadens des Museumsbundes um. Zudem verknüpft sie historische Bestandsaufnahmen mit Querblicken auf die Gegenwart und Zukunft ehemals kolonial unterdrückter Gesellschaften. Die Schau ist didaktisch angelegt und bietet sich auf verschiedenen inhaltlichen Ebenen als außerschulischer Lernort an, ganz auch im Sinne des oben angeführten Seminars.

 

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